Forum für die kritische Würdigung
Forum for critical appreciation
Forum pour une appréciation critique
Foro de apreciación critíca
Aktuelle Zeit: So 23. Jul 2017, 15:37

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 7 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Leben wird aus dem Stein
BeitragVerfasst: So 30. Okt 2011, 20:12 
Offline

Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1200
Leben wird aus dem Stein

Bild


Original Scan
Leben wird aus dem Stein 1964.pdf
https://skydrive.live.com/redir?resid=897D3450AE92472F!341&authkey=!AM8OZVz4pXiHupQ&ithint=file%2c.pdf

So so, die Annie schreibt 1964 in dem Spohn seine Zeitschrift ..


Durch Dr. Ines Fritz, Universität für Bodenkultur (BOKU), kommentierte Neuausgabe 2014

Francé
http://www.boku.ac.at/seiten-ohne-oe-zuordnung/humusplattform/humusbuch/

eBook, kommentiert von Fr. Dr. Ines Fritz
Download (2,3 MB), Format: epub
http://www.boku.ac.at/fileadmin/_/humusplattform/France-Harrar_A_-_Leben_wird_aus_dem_Stein.epub

Pdf-Datei, kommentiert von Fr. Dr. Ines Fritz
Leben wird aus dem Stein 2014.pdf
https://onedrive.live.com/redir?resid=897D3450AE92472F!344&authkey=!AAJH5giGOaNGjdI&ithint=file%2c.pdf


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Leben wird aus dem Stein
BeitragVerfasst: Do 22. Mär 2012, 19:39 
Offline

Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1200
Annie France-Harrar
Leben wird aus dem Stein

Bedurfte es wirklich der Weltgefahr von Erosion und Wasserverseuchung, um einzusehen, daß die Gebirge und der Wasserhaushalt der Erde zu ein und denselben Komplex gehören ? Wann dämmerte der Menschheit diese Einsicht ?

Eigentlich erst, seit man durch die fortgeschrittene Technik in den Stand gesetzt wurde, Stauseen, Stauwerke, Staumauern zu errichten. Denn nur durch sie kann man die erforderlichen riesigen Wassermassen für den gestiegenen Bedarf speichern und zweckentsprechend ihren Zu- und Ablauf regulieren. Man verfiel zwar schon einige Jahrtausende v. u. Z. auf die Idee eines Stausees. Der älteste soll sich im Zweistromland befunden haben wo er eine Verbindung zwischen Euphrat und Tigris herstellte und eine gleichmäßige Höhe des Wasserspiegels erhielt. Aus ihm wurden die zahllosen Kanäle gespeist, welche die unerhört fruchtbaren Felder bewässerten. Das Römische Weltreich löste die Frage der Trinkwasserversorgung seiner zahlreichen Städte durch Äquadukte, die oft in drei Etagen übereinander die Quellen, die damals noch von allen Gebirgen strömten, in Brunnen und Bäder leiteten. Viele dieser Äquadukte sind längst verfallen, aber ich habe bei Syrakus noch einengesehen, der die Stadt mit Trinkwasser versah. Allerdings mußten alle diese offenen Kanäle von Zeit zu Zeit von meterlangen Bündeln grünflutender Algen gereinigt werden. Außerdem wurden sie ständig durch Erosionsschutt und Feinsand verlegt, die dem Wasser den Weg sperrten. An solche Mißhelligkeiten war man gewöhnt, denn ein ganze Heer von Sklaven hatte die Kanäle und ihre Zuführungen zu Überwachen. Aber auch sie konnten es nicht verhindern, daß immer wieder die Äquaduktwände einbrachen und die tropfenden, grünüberwucherten Steinpfeiler zusammenstürzten. Über die Ursache machte man sich keine Gedanken. In jener Menschheitsepoche schrieb man alles Böse feindseligen Göttern oder zum mindesten Dämonen zu, die man durch Opfer versöhnen konnte. Von Erosionen wußte man nichts.

Man hatte ja auch keine Ahnung davon, wie ein Gebirge entstand. Gebirge waren da und dauerten ewig. Die altgriechische Philosophie zankte sich höchstens darüber, ob die Vulkangötter sie aus Feuer, oder die Meergötter sie aus dem Meer geschaffen hatten. Sie konnten sich niemals darüber einigen, weil man sich in Hellas über vorgefaßte Meinungen überhaupt nicht einigen konnte. Die Erdgeschichte war noch nicht geboren, und im Olymp war man ebenso streitsüchtig, wie auf der Agora zwischen Gelehrten und ihren Schülern.

In den folgenden 2000 bis 3000 Jahren haben wir wenigstens gelernt, daß die Auffaltung eines Gebirges zugleich den Beginn seiner Abtragung bedeutet. Ob die Gesteine vulkanisch sind oder ob sie als Sedimente in Meeren abgelagert wurden, tut nichts zur Sache. Sowohl die harten Silikatgesteine als die viel vergänglicheren Kalke verfallen der Verwitterung. Die Prozesse der Gesteinszerstörung durch Atmosphärilien verlaufen bekanntlich auch übereinstimmend. Die Zeit ändert sich zwar von Fall zu Fall, aber Temperatur, Luft, Licht, Feuchtigkeit, Wind, überhaupt di samte Umwelt ergeben letzten Endes dieselben Resultate. Nichts ist unzutreffender, als das schöne Wort von den „ewigen Bergen“. Sie sind ebenso wenig ewig, wie irgendetwas aus der irdischen, möglicherweise sogar aus der kosmischen Stoffwelt. Denn abgesehen von den anorganischen Faktoren ist es das Leben, das alles, auch die Gesteine, in die unüberschaubare Wandelbarkeit seiner Prozesse mit hineinreißt.

Vom Leben auf dem Stein aber weiß man erst seit dem Beginn dieses Jahrhunderts.

Und weil das erst ein bis zwei Menschenalter her ist, so bezweifelt man noch vielfach seine Bedeutung und seine weltgesetzliche Aufgabe. Dazu kommt, daß seine erste Entdeckung verlorenging und gar nicht in das Bewußtsein der damals forschenden Generation eindrang. Im 2. Heft des 6. Jahrganges einer mikrologischen Fachzeitschrift „Die Kleinwelt“ erschien im Jahre 1914 ein Aufsatz „Die erste Besiedelung der Gesteine“. Der Verfasser nante sich Dr. F. Falger und war ein Schüler des bekannten Naturwissenschaftlers Raoul H. France. France hatte Jahre vorher in München ein „Biologisches Institut“ gegründet, er war auch der Herausgeber der „Kleinwelt“. Als Entdecker des Bodenlebens, das er „Edaphon“ nannte – die in seiner ersten Publikation umrissene Bedeutung dieser unbekannten Welt trug ihm später von der Jefferson-Lincoln-University von Chicago dann den Dr. h. c. ein – und als Alpinist war er auch an Gesteinen interessiert. Er gab den Auftrag zu einer ersten Untersuchung an Dr. Falger weiter. Der faßte das Ergebnis seiner Feststellungen in einer fleißigen und zuverlässigen Arbeit zusammen, erwähnte auch unter einigen Mineralogen des 19Jahrhunderts, die schon am Rande an das Problem organischer Verwitterung getippt hatten, die „Bodenkunde“ des damals sehr angesehenen Geologen Prof. E. Ramann. Die Wirren des ersten Weltkrieges endeten in München mit einer ziemlich blutigen Wiedereroberung der Stadt von den Spartakisten und für France mit der sinnlosen und brutalen Zerstörung seines Biologischen Instituts, für die ihm niemals ein behördlicher Ersatz zugebilligt wurde. Damit erledigten sich fürs erste alle Weiterforschungen über gesteinsbesiedelnde Mikroben. Die erste Publikation in der „Kleinwelt“ wurde vergessen. Um die Lithobionten – France hatte ihnen diesen Namen gegeben – kümmerte man sich weder diesseits noch jenseits der Weltmeere. Die ungewissen Hinweise auf die Schädigungen durch Erosion wurden angezweifelt und ausschließlich auf Verwitterung, und Verwitterung hatte es immer gegeben. Sie gehörte sozusagen zur Existenz der Berge.

Erst als ich im Jahre 1952 – France lebte nicht mehr und keiner der allerersten Forschergarde – nach Mexiko berufen wurde, hatte ich ein Laboratorium für Bodenverbesserung und die geradezu katastrophale Erosion zur Verfügung. In ihm konnte ich auch die Arbeit an der biologischen Umwandlung der Gesteine wieder aufnehmen. Noch mehr, sie gehörte in diesen Rahmen. Sie war ein Teil des Kampfes gegen die Bodenverwüstung, die schon ein Weltproblem geworden war. Es ist also dieser Berufung zu verdanken, daß endlich einwandfrei festestellt werden konnte, von welch entscheidender Bedeutung die Lithobionten für das sind, was aus den Bergen und überhaupt jeder Art von Stein wird. Denn sie sind die Mittler zwischen Stein und Leben. Einesteils bauen sie die Rückstände der Erosion in fruchtbare Erde um. Andernteils sehen wir uns gezwungen, unsere großenteils auf Verwendung von Mineralien fußende Zivilisation vor ihnen zu schützen. Denn der Mensch der Gegenwart steht genau am Schnittpunkt der beiden Wege für und gegen die Erosion. Er kann weder das eine noch das andere entbehren. Gewissermaßen sind die Lithobionten und ihre durch nichts zu ersetzende Leistung das Zünglein an der Waage, die in unserer Hand ständig auf und nieder pendelt. Darum habe ich un den acht Jahren, zwischen 1953 und 1960, meine theoretischen und praktischen Untersuchungen und Experimente über Lithobionten von Anfang an unter den Auspizien einer doppelten Anwendbarkeit durchgeführt.

Als Ganzes gesehen sind die Lithobionten – „die auf dem Stein lebenden“ – das, was man naturwissenschaftlich eine Formation nennt. Man meint mit diesem Wort eine Lebensgemeinschaft von Lebewesen samt ihrer lebensnotwendigen Umwelt. Auch der Wald und das Meer sind Formationen, und auch in ihnen sind ungezählte Scharen von Mikroben, die Hüter der Schwelle zwischen Aufbau und Abbau. Für Lithobionten gibt es eigentlich nur einen unentbehrlichen Lebensraum, und das sind die Mineralien unseres Planeten. Denn sie siedeln sowohl auf Sanden, Laven, Bimssteinen, auf jeder Art Schutt der Grob- und Feinerosion, als auch auf allen ein- oder mehrfach verfestigten Felsenbildungen. Sie machen keinen Unterschied zwischen den beiden großen Mineralgruppen Kalk und Silikate. So bald durch Bodenbewegungen Meeresschlämme und Tiefseetone gehoben werden, lassen sich lithobiontische Organismen auf ihnen nieder. Sie existieren ebenso im hochversalzenen Dünensand, wie im Schlick der Watten und in den Sedimenten heißer und kalter Eisen., Schwefel- und Mineralquellen. Auf Gesteinen leben sie ebenso im schattenlos grellen Licht wie in Höhlendämmerungen und alle ertragen die durchschnittliche irdische Temperaturspanne von – 60 Grad C bis + 60 Grad C.

So wie das ganze Bodenleben befinden sich auch die Lithobionten zumindest zu einem Drittel ständig in der Luft, denn schon leiseste Winde tragen sie davon. Darauf sind sie eingerichtet. Sie versinken in einen absolut inaktiven Zustand der Anabiose ohne Nahrungsaufnahme, ohne Fortpflanzung, mit sehr herabgesetzter Zellatmung. Willkürlich ziehen sie die Außenmembran ihrer Zelle zusammen, wodurch fast die ganze Zellflüssigkeit herausgepreßt wird. Von nun an sieht die Mikrobe wie ein Miniatursandkorn aus und ist unempfindlich gegen alle Einflüsse von außen. Dieser Zustand kann ein halbes Jahrhundert, auch länger dauern. Zeit spielt in dieser Kleinwelt keine Rolle, vielleicht wird sie überhaupt nicht als etwas Vorübergehendes empfunden. Das Dasein wird fortgesetzt, sobald sie wieder auf Sand oder an irgendeine Felswand mit etwas Feuchtigkeit gelangen. Einen „natürlichen Tod“ gibt es für diese Pioniere unter den Einzellern eigentlich nicht. Sie werden nur verschluckt. Vor allem anderen schützt sie die eben beschriebene Enzystierung. Es ist wahrscheinlich, daß die Lithobionten an der urzeitlichen Auswanderung aus längst verschollenen Frühmeeren mit beteiligt waren. Ihre Hauptgruppe ist die große Familie der Blaualgen, zugleich die einförmigsten und die am wenigsten empfindlichen. Die Formen sind überaus einfach: Kugeln – man nennt eine der Unterarten auch „Urkugeln“ – einzeln oder zu ansehnlichen Platten aneinander geklebt. Oder gegliederte und ungegliederte Fäden und Bänder, ein in dicken Filzen wucherndes Wirrsal oder solitär herumtastend. Beweglich sind sie fast alle. Der Mikrologe sagt von ihnen, daß sie je nachdem salzhold, eisenhold, schwefelhold, bisweilen auch kupfer- oder aluminiumhold sind. Das bedeutet, sie nehmen solche Stoffe in sich auf, zersetzen sie, bauen sie zu für sie lebenswichtigen Verbindungen um. Außerdem konsumieren sie Chlor, Phosphor, Kali, Natron, Kalzium, Silizium, Molybdän und andere Stoffe, die bei der Zerlösung der Gesteine frei werden. Es scheint, daß sie Salpetersäure aus der Luft abscheiden und mit Ammoniak phosphorhaltige Mineralien aufschließen. Die genauen Prozesse sind noch nicht geklärt. Immerhin stehen sie im Verdacht, daß die Frage der Gesteinszersetzung durch Schwefelsäure etwas mit ihnen zu tun hat.

Chemisch sind die Lithobionten also so etwas wie die Straßenkehrer des anorganischen Zerfalls. Sie verwerten alles. Außerdem assimilierende, denn, wenn schon nicht grün, so sind sie doch fast ausnahmslos fluoreszent. Selbst die Silikatbakterien schimmern in ihren Kolonien in grünlichem Glanz. Die Blaualgen entwickeln alle möglichen Töne zwischen bläulich, blassem türkis und Graugrün. Ihr Chlorophyll steht dem Bakteriochlorin nahe, aber auch dem Blattgrün. Jedenfalls decke sie, ganz wie die Großpflanzen, damit ihren Bedarf an Zucker, Stärke und sonstigen Kohlehydraten. Wenn sie durch fortgeschrittene Humifizierung in Zonen mit verminderter Beleuchtung gelangen, so neigen sie zuweilen auch dazu, lila zu werden, so wie es untergetauchte Meerestange tun. Vermutlich reagieren sie außerdem auf ultraviolettes Licht, das ja überhaupt für das Edaphon in tieferen Erdschichten oft die einzige Lichtquelle ist. Ich habe bei vielen Untersuchungen Lithobionten, und dann vorzugsweise Blaualgen, bis zu einem drittel Meter in Felsspalten gefunden. Und in den „Cenotes“ von Yucatan, die nichts anderes als halb oder ganz unterirdische Karsthöhlen sind, entdeckte ich, daß die schon sehr stark verschatteten Ränder von dicken Krusten von Blaualgen gesäumt wurden. Es ist überhaupt nicht zu bezweifeln, daß die Tiefenverwitterung an Graten und Gebirgshängen in jedem Klima zu den Lebensräumen der Lithobionten gehört. Wenn der Bergsteiger in scheinbar festes Gestein greift und dann nichts als feuchten Grus in der Hand hat, der ihm zwischen den Fingern zerbröckelt, so ist dieser Grus von unzähligen Lithobionten durchsetzt, die sogar schon zu der reicheren Spätbiozönose zählen. Urkugeln unterscheidet man ein Dutzend und mehr. Sie sind lauter blaugrüne Kokken. Einer, der Chroococcus heißt, steigt in den Alpen bis zu 3000 m hinauf. Ich selbst habe Versuche mit tibetanischen Silikatsanden gemacht, die aus 5000 m Höhe stammten. In ihnen, die glasglänzend und völlig trocken waren, fristeten kaum zartgrün schimmernde, solitär lebende, winzige Kokken ihr Dasein. Dieses durchaus sterile Medium, das nicht einmal Spuren einer auch nur angedeuteten Humifizierung enthielt, zeigte sich bei einsetzender Verwitterung befähigt, kaum sichtbare, transparente Netze aus kolloidaler Substanz hervorzubringen. Damit wurden die einzelnen Kristalle zu elastischen Decken verbunden, in denen sich von Mikroben besetzte Kristallsplitter und ganze Nester von immer mehr ergrünenden Kokken, dazu Strahlenpilze mit fast unsichtbarem Myzel und schon die ersten fadenförmigen Formen der Blaualgen versammelten. Es wurde gewissermaßen so eine Art von Zwischenhorizont geschaffen, der zugleich eine Lebenssphäre darstellte und auch als solche benützt wurde. Diese Formation ist freilich noch sehr artenarm, aber – und das gilt für jede lithobiontische Besiedlung – die Individuen nehmen in Kürze erstaunlich zu.

Man betrachte sich dazu die Mikro-Aufnahmen aus meinem Laboratorium. Die Splitter sind glashart, denn sie bestehen aus beinahe reiner Kieselsäure. Die an sie angehefteten Bündel von Liliptkokken sind durch einen Kolloidmantel geschützt. Sie fluoreszieren in grünem Schimmer. Um einen anderen Splitter hat sich ein dichter Kranz von Miniaturalgen gewunden, der smaragden leuchtete. Schließlich wurde festgehalten, daß im Inneren eines aufgespaltenen Quarzkristalls Leben eingedrungen war, das in den unvorstellbaren engen Ritzen lebte, sie durch mineralischn Abbau allmählich erweiterte und ebenfalls reinstes Smaragdgrün zeigte. Alle diese Mikroalgen gehören zu einer fast unbekannten Gruppe, die der Mikrologe Winogradsky, der sich als einer der ersten mit ihnen beschäftigte, autochtone Mikroflore nannte. Sie stimmt mit dem Francéschen “Nannedaphon“ überein. Hier gibt es fädige, kugelige, strich-, stäbchen- und eiförmige Formen, die kaum je 1 – 5 Tausendstel Millimeter überschreiten und teils allein, teils in Verbänden, aber auch mit anderen Lithobionten zusammen leben. Man weiß sehr wenig von ihnen. Trotzdem kommen sie in der ganzen Welt und in beinahe jedem Klima vor. In jahrelanger Arbeit konnte ich mich davon überzeugen, daß sie jene unverwüstliche erste Lebensschicht sind, mit denen das „Leben auf dem Stein“ beginnt.

Sie schaffen die allererste Vorbedingung der Umwandlung, sie machen aus dem Mineral einen Lebensstoff, auf ihnen bauen sich dann in immer weiter ausgeschwungenen Zyklen die gewaltigen Stufen von Erde, Pflanze, Tier und Mensch auf. Sie sind freilich nicht scharf voneinander geschieden. Die Grenzen fließen tausendfach ineinander. Aber sie sind gewissermaßen die schmale Pforte durch die sich das Panorama von zerfallen den und wieder entstandenen Gebirgen bewegt, denen wir die Entstehung der Wälder und zweifellos die gesamte Wasserwirtschaft, die natürliche und die künstliche, verdanken. Sie sind einer der große Weltfaktoren, die man einmal – ohne sie zu kennen – als Deus ex Machina bezeichnete, also das wirklich Unerforschte.

In allen Gebirgen der Welt gibt es „Schuttreißen“.

Was ist eine „Schuttreiße“ ?

Es ist der Kegel von Verwitterungsmaterial, untermischt mit Felstrümmern, kiesigem und sandigem Geröll. Meist ist sie einförmig grau und ohne jeden Bewuchs. Durch die Gewalt von Wildbächen und Wolkenbrüchen wird sie immer wieder abgeschwemmt, ersetzt sich jedoch von oben her durch stets neu nachstürzendes Geriesel. Solche Schuttreißen können jahrhundertealt werden, ohne sich scheinbar wesentlich zu verändern. Sie sind das rollende Schottermineral, so wie es mechanisch und biologisch durch die Atmosphärilien und Lithobionten entsteht. Ein Niemandsland, für den Bergsteiger von kaum zu überwindender Unstabilität. Der Umschwung vollzieht sich zunächst also nur durch die gewichtslose autochtone Mikroflora, durch die eine schichtenweise Verfestigung beginnt. Wenn ein enormer Aufwand von Kolloiden „Lebenszonen“ geschaffen hat, dann stellen sich erst die viel anspruchsvolleren Grünalgen ein. Sie landen als System und gut entwickelte Schwärmer aus der Luft, besitzen bereits Chlorophyll und im Gegensatz zu den sich nur teilenden, primitiven Blaualgen sind sie doppelgeschlechtlich, mit männlichen und weiblichen Gameten. Das kompliziert gebaute Ei wird von überaus lebhaften, begeißelten, mikrobiellen Spermien aufgesucht und befruchtet. In dem üppigen Fadengewirr, in dem von den Ulothrix ab alle diese grünen Fadenalgen wuchern, ist die Fortpflanzung kein Problem. Spätestens mit ihnen zusammen stellen sich die Kieselalgen ein, meist goldgrüne, einzellige Mikropflänzchen, die sich aus silikatreichen Bodenlösungen Schiffchen bauen, über die nach Art unserer Raupenschlepper elastische Bänder laufen. Sie kriechen und schwimmen sehr geschickt und wandeln ihre Schiffchenform sozusagen tausendfältig ab. Tatsächlich leben sie nicht nur in der Erde, auf Felsen, im Staub, sondern auch in allen Gewässern, süßen und salzigen, auf Bergeshöhen und im Eismeer, in den Tropen, und ebnso im Sand wie im besten Humus. Sie existieren mit ganz geringen Ausnahmen von der Assimilation und meiden alle Fäulnis.

Die Geißelinge, großenteils auch grün, kommen ein bißchen später. Der erste ist ein leuchtend apfelgrüner Phaccus, der sich überall herumtreibt, wo er Platz zum Wirbeln hat. Man sieht ihn auf der Zeichnung 3 in der Mitte des Bildes. Nun weitet sich die Lebensgemeinschaft überhaupt aus. Wo man es mit Kalkgestein zu tun hat, überwiegen die Grünalgen, die bei ihrer Blattgrünarbeitso viel Sauerstoff abscheiden, daß sich die oxygenhungrigen Bodenbakterien Azotobakter in ganzen Kolonien an sie anhängen. Die Blaualgen ziehen wieder den Sandstein und alle silikatreichen Mineralien vor. Immer findet man einen unserer Häufigsten Schimmelpilze, den Aspergillus niger – auf Zeichnung 1 sieht man eine schwarze Spore, auf Zeichnung 3 sprossendes Myzel – der ohne Kali nich leben kann. Er holt es sich aus langen Gängen, die er in alles, was künstliches und natürliches Glas ist, ätzt. Schon von der ersten Lithobiontenbesiedlung ab gibt es einige Strahlenpilze, die sich z. T. ganz auf Mineralien spezialisiert haben. Wimperntierchen tauchen auf, sobald es für sie genügend Nahrung gibt, denn sie sind ungeheuer gefräßig und wilde, stürmische Räuber. Im Luftedaphon fehlen niemals die karminroten Rädertiereier, die so lange am Ufer liegen bleiben, bis der Wind sie wegträgt. In der von so viel Kolloiden gespeicherten Feuchtigkeit schlüpfen si rasch, entwickeln zwar meistens keine der ohnehin seltenen Männchen, gedeien aber im Frauenstamm recht gut. Sie strudeln wahllos alles in sich hinein, während die nicht sehr zahlreichen Fadenwürmer ihren Darm oft nur mit einer einzigen Sorte grüner Kokken füllen. Die Bakterienbestände nehmen erst zu, sobald das alte Spiel zwischen Leben und Tod – hier heißt es: Ich fresse dich oder du frißt mich! – in vollem Gang ist und genügend Rückstände übrig läßt.

Nun wächst die Lithobiontendecke nach allen Seiten und vor allem auch nach unten.Eine elastische Schicht hindert das unaufhörliche Abrieseln des Schotters. Aber jetzt erst kommen Erdflechten, steinliebende Moose und die ersten Gräser, 40, 50 Jahre später grünt eine Almwiese, obgleich der Hang noch immer unwahrscheinlich steil ist. Doch alle diese alpinen Gewächse entwickeln wahre Wurzeltücher, die bei einem 20 cm hohem Steinbrech z.B. sich bis zu 2 m ausdehnen können. In ihnen wird der lockere Erosionsschutt der alten Schuttreiße abgefangen. Ihn bis zu diesem Zeitpunkt zu binden, wäre auf keine mechanische oder technische Weise möglich. Einzig die Lithobionten machen die Erosion unschädlich und halten den Zerfall der Berge auf.

Flaumig, zuerst kristallklar, dann blaßgrün, dann bräunlich bildet sich die direkte Vorstufe des Humus, die Detritus heißt. Meist fängt sie bei den Zooglöen an. Die Zooglöa ist eine mikrobielle Lebensform, die quer durch das Reich der Einzeller hindurchgeht. Sie entsteht dadurch, daß sich aus der vereinigten Kolloidproduktion eine Art gemeinsames Zelt zusammenfügt, in das Einzeller aller Art einwandern. Die erste Stufe der Lithobionten gehört ohnedies der Mikroflora zu, ist also friedlich. Aber sehr bald finden sich neben Bakterien Kieselalgen ein, Grünalgen, Flagellaten. Die Fähigkeit solcher Kolloide, Wasser zu speichern, Stoffe, die sie aus der Gemeinschaft aufnehmen und abgeben, ein gewisser Schutz erleichtert ihnen das Dasein. Es gibt Zoogöen mit Hunderten von Bewohnern, bei denen auch die räuberische Mikrofauna – und alle Tiere sind in dieser Miniaturform räuberisch – ein gewisser Teil stellt. Sie alle beginnen hier ihre Biozönose und folgen so dem Gesetz der Gemeinschaft, das für die gesamte Lebewelt gilt.
In diesen Zooglöen nun lagern sich die ersten Stoffe ein, meist Lebensreste, aber auch Humusstoffe und Humussäuren. Durch Hydrochinonverbindungen färben sie sich dunkel. Zitronensäure, Nikotinsäure, alle möglichen flüchtigen Bodensäuren tauchen auf und verschwinden. Die Gasproduktion nimmt mit Sauerstoff, Kohlensäure, Luftstickstoff, Schwefelwasserstoff zu, je nachdem die Lebensprozesse sich häufen. Die erste Vererdung weist noch einen sehr geringen biologischen Einschlag auf, selten über 1%, oft nicht einmal so viel. Auch im Verhältnis der Organismengruppen überwiegen die Lithobionten ebensosehr, wie die mineralischen Bestände. Diese Disharmonie gleicht sich erst sehr langsam aus, aber an diesem Punkt kann der Mensch eingreifen und die Humifizierung beschleunigen. Die Leistung der Lithobionten läßt sich verstärken, falls man nach den Naturgesetzen handelt und nicht gegen sie. Mit meinem hochaktiven Konzentrat verbesserter Lithobiontengruppen gelang es mir, auf reinem Bausand oder gebrannten Obsidianen – beides absolut sterile Materialien – in 7 Monaten einen 19 cm dicke Vererdungsschicht zu erzielen, selbstverständlich ohne künstliche Beidüngung. Auf diesem, durch mein „Petrofil“ geschaffenen Boden wuchs zugleich Mais 2 m hoch, der recht schöne große Kolben mit großen Körnern trug.

Vergleichsweise konnte ich feststellen, daß Trümmer von Ziegeln und Betonmauern, die ich bei meinem letzten Europaurlaub 1958 in Frankfurt aus den Resten total zerbomter Häuser gesammelt hatte, zwar dieselbe Biozönose von Lithobionten aufwiesen, die aber wesentlich langsamer gearbeitet hatten. Wie ich zu Anfang dieses Absatzes sagte – die Lithobionten sind ein Formation, die sich über die ganze Erde erstreckt. Sie sind Ubiquisten.

Diese Besiedlung über die ganze Erde erfolgt nun nicht über das Lufteadphon, das stets einen nicht unwesentlichen Teil Lithobionten enthält, sondern in nicht geringem Ausmaß durch das fließende Wasser. Ursprünglich haben sich die Lithobionten zweifellos aus dem Plankton, dem Mikroleben des Wassers, abgezweigt. Es sind dieselben Arten und Familien, die durch ihr „Felsenleben“ zu den früheren eben noch neue Anpassungen dazu entwickelt haben. Wo immer sie also mit Geschieben und Geröll wieder weggeschwemmt werden, erfordert das keine besondere Lebensumstellung. Voraussetzung ist nur, daß das Wasser rein und nicht übermäßig verschmutzt ist. Denn Abwässer haben eine ganz andere Lebenswelt, andere Licht-, Gas-, Stoffverhältnisse, und ihre Bewohner setzen sich aus Leichenfledderen und Unratverwertern zusammen. Der Umbau von Mineralien vollzieht sich aber mit nur einem winzigen Teil von Fäulnis und Verwesung, den die Lebensaläufe der Organismen selber zurücklassen.

Ich möchte meine Leser bitten, sich die Tafel anzusehen, welche die alljährliche Überschwemmung des Nils darstellt, und zwar bei beginnender Tonflut. Man weiß, daß die unvergleichlich hohe Kultur Altägyptens und sein enormer Reichtum darauf beruhte, daß die Sedimentation als düngender Schlamm zuletzt auf den Feldern liegenblieb, nachdem diese wochenlang unter Wasser gestanden hatten. Erst nach der Überschwemmung wurde das Land bestellt. Wie überaus zahlreich das Leben des Nilwassers ist, zeigt die Tafel, die nach unseren genauen Untersuchungsprotokollen gezeichnet wurde.

Wie man sieht, handelt es sich hauptsächlich um Lithobionten, die durch die Regenzeit in de abessinischen Gebirgen samt sehr viel Feinerosion angeschwemmt werden. Selbstverständlich fehlt es auch nicht an Plankton, und alle diese Mikroalgen assimilieren so intensiv, daß die ganze Flut von Sauerstoffperlen durchsetzt ist. Man erkennt das, wenn man ein Glas Nilwasser schöpft, das klar und blaßgelb ist, aber während der Hochflut eine oft fast schokoladenbraune Färbung annimmt. Die unzähligen Mineralpartikel stammen von roten abessinischen Gesteinen, viele von ihnen werden schon unterwegs von darauf angesiedelten Mikoalgen korrodiert, d.h sie verlieren ihre scharfkantige Kristallform. Heute wird der Schlamm in mehreren <stauseen aufgefangen und gelangt nicht mehr in die Tiefebene du das Delta. Zweifellos hängt es damit zusammen, daß man für die sehr anspruchsvolle Baumwollkultur schon große Mengen von Mineraldünger verwenden muß. Wie bei jedem Stausee füllen sich auch hier die Becken mit ausgefällter Sedimentation an, wenngleich die Mehrzahl der Organismen und viele der bewachsenen Splitter glücklicherweise die von der Technik aufgerichteten Hindernisse passieren. An sich ist gerade ein Übersaoll an Lithobionten wichtig, denn ganz Ägypten besteht eigentlich nur aus zwei Galeriestreifen zu beiden Seiten des Nils, und Tag und Nacht wehen die ständigen Winde Massen von Staub auf die bebauten Felder. Solange es genügend Lithobionten gibt, um eine unaufhörliche Humifizierung dieses Wüstensandes durchzuführen, ist die sprichwörtliche Fruchtbarkeit Ägyptens nicht in Gefahr. Aber die Sahara als Nachbar ist sehr gefährlich. Schließlich war auch sie während der europäischen Eiszeiten Wald- und Weideland, ehe sie Wüste wurde. Ägypten lebte seit Jahrtausenden nur von Gnaden der Nilüberschwemmung, und erst jetzt kann man verstehen, wie sehr es auf ein sorgfältig erhaltenes Gleichgewicht seiner Natur angewiesen ist.

Daß alles, was über die Umwandlung des Erosionsschuttes und die Abtragung der Gebirge gesagt wurde, auch für alle Kunststeine gilt, ist selbstverständlich. Über die Anfälligkeit des Sandsteins ist man sich seit langem im klaren. Aber Sandstein ist auch kein „gewachsener“ Fels, sondern ein schon einmal zugrunde gegangenes Gebirge, das, in Meerestiefe abgesunken, sich abermals aus abgelagerten Sedimenten verfestigt hat und dann durch die ständigen Erdbewegungen wird. er gehoben und neu aufgefaltet wurde. Jede Sedimentation ist jedoch mit Lebensresten infiziert. Darum fallen Sandsteine der Verwitterung und den Angriffen von Rauch, Abgasen und den Verseuchungen der Großstadtluft bevorzugt zum Opfer. Vom Standpunkt des Bodenlebens aus haben sie, so wie die vergänglichen Schiefer, noch immer etwas von der einstigen „Schlammstruktur“ behalten. Und ohne die biologischen und mineralogischen Zusammenhänge zu kennen, weiß man überall, wo man mit nur getrockneten oder höchstens schwach gebrannten Schlammziegeln baut, daß solche Häuser nicht länger als maximal 50 Jahre ausdauern. Ein mexikanisches Adobehaus, auch wenn nach jeder Regenzeit der schützende Anstrich wiederholt wird, ist nach dem beiläufig dreißigsten Jahr praktisch unverkäuflich, denn die Adobeziegel werden nach indianischer Gewohnheit aus vulkanischen Aschen und Sanden mit etwas Tiermist als Bindemittel geknetet, nur getrocknet und fast garnicht gebrannt. Im übrigen ist auch ein regelrechter Brand kein Schutz für Wände und Mauern. Bimssteine und Laven werden genauso von Lithobionten besiedelt wie Knochenreste aus Leichenbränden. Die Biozönosen sind mitunter artenärmer, aber die wichtigen Gruppen sind fast immer, wenn auch oft nur in ausgesprochenen Kümmerformen, vertreten. Vielleicht sollte man den Mauern von Stauseen und Stauwerken heute schon eine größere Aufmerksamkeit zuwenden. Für die Lithobiontenist hier eine gesicherte Situation zu massenhafter Vermehrung gegeben, die auch von ihnen ausgenützt wird. Um sich davon ein Bild zu machen, betrachte man sich die Zeichnung 2.Auf ihr ist eine Stelle im Dolomit dargestellt, die durch einen vor kurzem erfolgten Steinschlag ans Licht kam. Die unvermeidliche, wenn auch nicht starke Erschütterung des Abrutschens mehr oder weniger großer Steinmassen in der stehengebliebenen Wandverursacht stets zahllose, oft nur haarfeine Risse. Es dauert nicht lange und in ihnen nisten sich Kolonien autochtoner Mikroflora ein, die das Gefüge des Steines zersetzen. Jeder Kundige weiß, daß an einer erstmaligen Steinschlagstelle die Wand immer wieder nachbricht und später dann als oft gewaltige Mure zu Tal geht. Genau besehen, spielen die Lithobionten hier die entscheidende Rolle, besonders wen natürliche Rinnsale dabei freigelegt werden.

Nicht unähnlich sind die Vorgänge, die sich an den überreich besiedelten Wänden der Stauwrke abspielen. Innerhalb des natürlichen Wasserhaushaltes eines bestimmten Gebietes ist jeder derartige Einbau ein Fremdkörper, der stets dem unaufhörlichen Druck von Wasser und Boden ausgesetzt ist. Wahre Völker von Lithobionten dringen unaufhaltsam in die mikroskopischen Waben und Spalten ein, die sich, falls sie nicht aus mechanischen Gründen entstehen, mikrobiologisch auf der Oberfläche bilden. Da man von Lithobionten bisher so wenig wußte, wurde ihre Berücksichtigung überhaupt nicht in Betracht gezogen. Man wird sich aber daran gewöhnen müssen, hier einen Faktor zu sehen, mit dem man sich sehr ernstlich auseinandersetzen muß. Und dazu gehört, daß man die dabei in Frage kommenden Vorgänge zunächst einmal auf das genaueste kennenlernt. Technik und Chemie sind nur Teile der irdischen Kreisläufe. Aber das in seinen Reaktionen niemals berechenbare Leben gibt jeder menschlichen Erfindung an irgndeinem Punkt unerwartet ein anderes Gesicht.

Man darf nicht vergessen, daß die Stoffwelt unseres Planeten erst sehr spät vom Menschen entdeckt und in Anspruch genommen wurde. Jahrmillionen früher haben schon Pflanzen und Tiere und vor allem die Welt der unsichtbaren Einzeller gelernt, sich ihrer zu bedienen, sich an sie anzupassen und sie für sich zu verwenden. Das ist die wahre Ursache, warum die menschlichen Leistungen immer wieder scheinbar ganz unbegreiflich von Einflüssen durchkreuzt werden, die kein Techniker vorher bedenkt. Aufbau und Abbau der „ewigen Gebirge“ sind einer der gewaltisten und tief eingreifensten Komplexe, mit denen unsere Zivilisation zu tun hat. Sie verlaufen gesetzmäßig und außerhalb unseres Interessenkreises. Gelingt es uns, sich mit unseren Bedürfnissen gleichgerichtet in ihn einzuschalten, so werden uns zweifellos viele Hindernisse und Enttäuschungen erspart bleiben. Erst jetzt, durch Elektronenmikroskop, biochemische Feinmethoden, durch bessere Natur-, Klima- und metereologische Kenntnisse erschließen sich uns die Möglichkeiten, daß wir bisher getrennte Wissenszweige sinngemäß verbinden können. Das Studium der Lithobionten, das alles in allem mehr als ein halbes Jahrhundert in Anspruch nahm, zeigt einen solchen Weg zu gemeinsam nutzbringender Arbeit.

Bilder/Zeichnungen in Originalgröße:

Bild

https://lh3.googleusercontent.com/-eXwm ... 7x2048.jpg
1457×2048


Bild

https://lh4.googleusercontent.com/-9_99 ... 0%2520.jpg
1416×1850


Bild

https://lh5.googleusercontent.com/-fBUG ... 8x2048.jpg
1038×2048


Bild

https://lh5.googleusercontent.com/-Hn4- ... 7x1636.jpg
2047×1636


Bild

https://lh3.googleusercontent.com/-CQbw ... 8x1550.jpg
2048x1550


Bild

https://lh4.googleusercontent.com/-PWl1 ... 8x1563.jpg
2048×1563


Bild

https://lh4.googleusercontent.com/-KGBn ... 8x2048.jpg
1408×2048

(Auf die Bilder aus den Links klicken, dann werden sie in echter Größe dargestellt.)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Leben wird aus dem Stein
BeitragVerfasst: Do 19. Dez 2013, 22:26 
Offline

Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1200
Jetzt vollständig als pdf in "guter Qualität" verfügbar und als eBook an der Universität für Bodenkultur, Wien, zum Download (siehe oben).

Wenn das Annie noch erlebt hätte ..

Wenn ich nur wüßte, in welchen Kellern der Welt die Originale ihrer Zeichnungen vermodern ..


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Leben wird aus dem Stein
BeitragVerfasst: Do 30. Jan 2014, 09:50 
Offline

Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1200
Kurze Info zu einer langen biographischen Hintergrundgeschichte:

Der Artikel von Annie Francé-Harrar, Leben wird aus dem Stein, erschien in der Firmenzeitschrift der "Heidelberger Zement", Mitglied im Klub der Multimilliadäre Deutschlands (Stein und Zement liegen ja nicht so weit auseinander).
Dr. Eberhard Spohn (1), Käufer des Artikels, war Mitglied der Geschäftsleitung und hatte u.a. die Aufgabe, die durch Abbau von Gestein verwüsteten Landschaften (hier bei mir in der Gegend) zu rekultivieren (Ich fahre jährlich etliche Male daran vorbei). In diesem Zusammenhang hat er sich mit Kompost befaßt,
http://stiftung-france.de/forum/viewtopic.php?f=8&t=132&p=1528&hilit=Spohn&sid=c29d3404ed03e2d52f5c2fe7cdb7f000&sid=c29d3404ed03e2d52f5c2fe7cdb7f000#p1528
Annie Francé-Harrar persönlich kennengelernt und mit ihr Schriftwechsel gepflegt (ich habe einige Kopien). Bei mir in der Nähe wohnt jemand, der ihn persönlich gekannt und mit ihm zusammmen gearbeitet umd Vorträge gehalten hat.

Die Story geht noch weiter im Zusammenhang mit dem Schicksal des "Handbuch des Bodenlebens" von Annie Francé-Harrar, doch dazu mehr zu anderer Zeit oder auch an anderer Stelle hier im Forum.

(1) zur Person siehe auch andere Beiträge hier im Forum


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Leben wird aus dem Stein
BeitragVerfasst: So 3. Aug 2014, 08:10 
Offline

Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1200
Mineral and biogenic weathering !?

Mineral weathering is of utmost importance for the support of life on earth, as it turns bedrock into soil and delivers nutrients to organisms. Recently, evidence hardened that biogenic weathering, the weathering induced by biota, might contribute more to weathering rates than the physico-chemical weathering, thus turning weathering into an active process fueled by photosynthesis.

http://www.soil.uni-hannover.de/soil_pr ... .html?&L=1
http://www.soil.uni-hannover.de/155.htm ... e25e2ed1ab
http://www.soil.uni-hannover.de/
http://www.soil.uni-hannover.de/person. ... a5e3725cf5


Prof. Stanilav Laus ..

Bild

.. sagt:

Neues Wort, neues Geld, neues Forscherglück.

Gähn ..

Wie bildet sich der Naturboden ?
viewtopic.php?f=95&t=313

Die Humufizierung der Fein- und Groberosion durch Lithobionten
viewtopic.php?f=31&t=210

uvam. hier im Forum ..


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Leben wird aus dem Stein
BeitragVerfasst: Fr 12. Dez 2014, 09:49 
Offline

Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1200
Bilder aus dem Aufsatz in bester Auflösung, siehe oben ..


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Leben wird aus dem Stein
BeitragVerfasst: Mo 23. Mär 2015, 18:23 
Offline

Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1200
Stein zu Humus in 365 Tagen - im Zeitraffer

Bild

Stone to Humus in 365 Days - A Time Laps Video

Humus Formation
https://vimeo.com/122856716

Dr. Ines Fritz
Universität für Bodenkultur, Wien, Österreich
University of Natural Resources and Life Sciences, Vienna, Austria
Department IFA-Tulln
Konrad Lorenz Str. 20


More / Mehr:

FAO UN
International Year of Soils 2015
Food and Agriculture Organization of the United Nations

Building humus: watch the time-lapse video here!
http://www.fao.org/soils-2015/blog/building-humus-watch-the-time-lapse-video-here/en/


Lithobionten in den Werken der Francé:
Lithobionts in the works of the Francé:
http://stiftung-france.de/forum/viewtopic.php?f=87&t=647


Das Video würde die Annie erfreuen:

Tiny Extremophiles Living in Rocks!



Endolithen - eine Form von Lithobnionten.

Was in dem Video nicht gesagt wird:
Der Mineralabbau hat auch eine Umwandlung in NEUEN Humus zur Folge!


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 7 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de