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 Betreff des Beitrags: Re: Der Waldrand
BeitragVerfasst: Di 17. Aug 2010, 10:09 
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Registriert: Sa 31. Jul 2010, 20:22
Beiträge: 600
guenther hat geschrieben:
gaebs in hundert jahren schon ne menge eicheln u. haselnuesse u. brombeeren zu ernten,...


Günther,

geh' mal in einen Wald. Nein, nicht in einen Forst, in einen Wald.

Haselnüsse und Brombeeren wachsen und reifen im Wald nicht - nur am Rand - weiß der Brummbär.

Eicheln finden sich am Rand auch viel mehr, als im tiefen Dickicht!

Ganz davon abgesehen, haben wir hier in direkter Nachbarschaft ein großes, nein! - zwei große Gebiete, die sich aus "Naturschutzgründen" völlig sich selbst überlassen werden. Das Einzige, was dort wächst sind Weiden, die sehr typisch sind für den Niederrhein. Sie geben ein gutes Baumaterial ab, die Ahnen haben daraus Holzschuhe gemacht, wie ich sie heute noch trage. Und Fischreusen, als es im Rhein noch Fische gab, die nicht mit Chemie völlig durchseucht sind. Und Fische wie die Maifische, die es heute nicht mehr gibt. Mein Großvater war Berufsfischer und -gärtner an einem Rheinarm.

Jedenfalls ist die Abholzung nicht immer nur schlecht. Sie muss nur intelligent erfolgen, so daß Zellen entstehen, in dem neues Leben keimen und aufblühen kann. Die Waldlichtung ist ein fruchtbarer Ort.

Viele Grüße
Bernhard


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Waldrand
BeitragVerfasst: Mi 18. Aug 2010, 11:24 
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Registriert: Mi 4. Aug 2010, 22:54
Beiträge: 66
Grüß Euch,

Wo Fülle lebt, gibt es viel Mampf
Monokulturen sind da ein Krampf.

Am Waldrand finde ich zum Beispiel große Ameisenreviere. So ein Haufen mit großen Waldameisen hat einen gesegneten Appetit und trägt übers Jahr 200-300 kg Nektar und Honigtau ein. Bei vorhandener Kraut- Busch- und Kronenschicht im Mischwald ist auch eine kontinuierliche Pollenversorgung gesichert - gute Bienenweide.

http://www.die-honigmacher.de/kurs1/showzoom_133_11102.html

Daß die Beutnerei (historische Form der Imkerei) einen derart waldzerstörerischen Einfluß hatte, wie auf Seite 340/341 des Buches dargestellt, finde ich fragwürdig.

Herzliche Grüße Mannfred


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Waldrand
BeitragVerfasst: Fr 20. Aug 2010, 16:25 
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Registriert: So 8. Aug 2010, 10:22
Beiträge: 29
Zitat:
Die Waldlichtung ist ein fruchtbarer Ort.

ja, da reden wir vom selben 8-)
ich mein ja nur, das paradies ist schon jetzt und hier :idea:
denn sind die abenteuer nicht in deinem kopf,
dann sind sie nirgendwo (andre heller?)

es muessen nicht immer feigen und datteln sein :idea: :lol: (james bond?)

:ugeek: guenther


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Waldrand
BeitragVerfasst: So 22. Aug 2010, 15:56 
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Registriert: Sa 31. Jul 2010, 20:22
Beiträge: 600
In seinem Buch "So musst Du leben! Eine Anleitung zum richtigen Leben." handeln drei Kapitel über den Wald. Raoul France sieht im Wald unter vielem anderen ein Beispiel für die Harmonie ineinander greifender Lebensprozesse.

Sehr interessant. Die Fruchtbarkeit des Waldrandes ("es wuchert") beschreibt er ebenfalls.

Viele Grüße
Bernhard


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Waldrand
BeitragVerfasst: Di 24. Aug 2010, 20:56 
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Registriert: So 8. Aug 2010, 10:22
Beiträge: 29
zaunreiter hat geschrieben:
Hier kann Dir die Permakultur aushelfen, Winfried.

Was Du beschreibst, ist schon lange bekannt unter dem Begriff "edge-effect". Also überall, wo zwei Massen aufeinandertreffen.

Zum Beispiel Wasser zu Luft bei einem Teich. Oder Wasser zu Boden (Teichufer). Dort an den Übergängen blüht das Leben auf, weil hier beim Übergang Energien erst gestaut und dann durch Löcher getrieben werden.

Unter anderem verwendet man den edge effect (grob übersetzt: Waldrandeffekt) bei den Sonnenfallen.

Bild

Bild

Dort werden also viel Waldränder hintereinander geschaltet.

Bei einem Teich wendet der Permakulturist den edge effect wie folgt an:

Bild

Links ist ein normaler Teich zu sehen. Du kannst die Produktivität des Teiches verzehnfachen, indem Du einfach das Ufer verlängerst - durch Kurven.

Indem Du also die Übergangsfläche vergrößerst. Das geht auch im Garten zwischen den Luftmassen und der Erdmasse. Wie? Indem Du Hügel und Täler schaffst! Eine zerfurchte Oberfläche mit Schatten, Feuchte und Höhen, Trockenheit.

Die Gegensätze ermöglichen das Leben! Und sie lassen es aufblühen! Nicht nur für Menschen, sondern alles was da lebt und webt!

Der edge effect ist zentrales Wissen um das Leben.

Bill Mollison hat meinem Permakultur-Mentor den edge effect wie folgt erklärt. Mein Mentor hat gefragt, wie man mit Permakultur eine Wüste begrünt. Die Antwort von Bill Mollison war: Nimm halt einen Pfosten und schlage ihn in den Boden. Warte ab und beobachte was passiert.

Der Mentor war zu ungeduldig und bohrte schon am nächsten Tag nach, was Bill sehr verärgerte. Ist doch ganz einfach! Da wo ein Pfosten im Boden steckt, werden Vögel landen. Dort wo Vögel landen und starten, lassen sie ihre Haufen fallen. Mit den Haufen fallen Baum- und Strauchsamen und Dünger zu Boden. Der Pfosten spendet Schatten und Regen läuft an ihm herunter. Wo der Pfosten im Boden steckt, wird Leben gedeihen, denn er ist eine edge, ein Waldrand zwischen Luft und Boden.

Und wenn Du es genau wissen willst, lieber Winfried. Mit der Sonnenfalle und den ganzen Rändern, machst Du nichts anderes als große Zellen zu bauen. Zellen, in denen Leben entstehen und gedeihen kann. Stelle die Waldränder mal zu einer Zelle zusammen und es entsteht eine Lichtung! Für das Leben ist eine solche Lichtung ein Paradies.

Wenn Du die Bedürfnisse einer Körperzelle verstehst, verstehst Du auch das Bedürfnis der lebendigen Landschaft. Wenn Du den Randeffekt verstehst, verstehst Du auch, warum das Leben nicht in der Tiefe des Bodens stattfindet, sondern in der Schicht zwischen Luft und Erdboden.

Sehr schön beobachtet!

Weiter so!

Bernhard


was ich nicht verstehe:
warum macht die natur nicht diese sternfoermigen teiche :?:
wenn sie doch 10x besser sind. oder gibts da irgendwo einen haken?
mutter natur hat doch sicher nicht millionen von jahren auf bill mollison gewartet :?: :lol:
nichts verschwenden, nichts zerstoeren, da bin ich dabei.

aber die natur verbessern zu wollen, das macht der mensch seit er denken kann :idea:

wir wissen alle wohin das bis jetzt gefuehrt hat :(

lg guenther


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Waldrand
BeitragVerfasst: Di 24. Aug 2010, 21:19 
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Registriert: Sa 31. Jul 2010, 20:22
Beiträge: 600
guenther hat geschrieben:
warum macht die natur nicht diese sternfoermigen teiche :?:


So?

Was macht sie denn für Teiche? Rund? Eckig?

:lol:

Folge der Natur - und Du bist auf dem richtigen Weg. (sinngemäß nach Raoul H. Francé)

Bill Mollison hat das nicht selbst erfunden - er ist bei den australischen Aborigines in die Lehre gegangen. Seine Leistung ist die Übersetzungsarbeit.

Bernhard


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Waldrand
BeitragVerfasst: Do 26. Aug 2010, 01:00 
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Registriert: Mi 4. Aug 2010, 22:54
Beiträge: 66
http://resedde.biz/images/20860074_Fraktal.jpg

So ein Mischwald mischt halt.
Wieweil ein Forst voller Klone
entsteht nach der Schablone


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Waldrand
BeitragVerfasst: Do 26. Aug 2010, 10:39 
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Registriert: Do 5. Aug 2010, 11:29
Beiträge: 3
Sternförmige Teiche hab ich auch noch nicht gesehen, aaaber:

denk doch mal an die natürlicherweise geschlängelten Flüsse
oder an Darmzotten
...

Doch, gibt schon genug natürliche Vorbilder, finde ich.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Waldrand
BeitragVerfasst: Fr 27. Aug 2010, 15:34 
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Registriert: Mi 4. Aug 2010, 22:54
Beiträge: 66
Grüß Euch,

Die da, schauen grad einmal nach, was im Waldboden so alles lebt:

http://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=5868

Als Über-Drüber-Streuer, ich kanns nicht lassen, gibts wieder mal ein bißchen Friederich zu fassen:

"Wer einigermaßen sich vom Leibe eine Vorstellung geschaffen hat- wie viele Systeme da zugleich arbeiten, wieviel da füreinander und gegeneinander getan wird, wieviel Feinheit in der Ausgleichung usw. da ist - der wird urteilen, daß alles Bewußtsein dagegen errechnet, etwas Armes und Enges ist; daß kein Geist nur annähernd ausreicht für das, was vom Geiste hier zu leisten wäre, und vielleicht auch, daß der weiseste Sittenlehrer und Gesetzgeber sich plump und anfängerhaft inmitten dieses Getriebes von Krieg und Pflichten und Rechte fühlen müßte. Wie wenig wird uns bewußt! Wie sehr führt dieses wenige zum Irrtum und zur Verwechslung! Das Bewußtsein ist eben ein Werkzeug: und in Anbetracht, wieviel und Großes ohne Bewußtsein geleistet wird, nicht das nötigste noch das bewunderungswürdigste, - im Gegenteil: vielleicht gibt es kein so schlecht entwickeltes Organ, kein so vielfach fehlerhaft arbeitendes; es ist eben das letztentstandene Organ und also noch ein Kind -, verzeihen wir ihm seine Kindereien! (Zu diesen gehört außer vielem anderen die Moral, als die Summe der bisherigen Werturteile über Handlungen und Gesinnungen der Menschen.)

Also müssen wir die Rangordnung umdrehen: alles "Bewußte" ist nur das Zweitwichtigste; daß es uns näher und intimer ist, wäre kein Grund, wenigstens kein moralischer Grund, es anders zu taxieren. Daß wir das Nächste für das Wichtigste nehmen, ist eben das alte Vorurteil. - Also umlernen! In der Hauptschätzung! Das Geistige ist als Zeichensprache des Lebens festzuhalten.

Wo wir Leben haben, da setzen wir "Geist" voraus: aber der uns bekannte Geist ist völlig unvermögend, irgend etwas zu tun. Wie armselig ist jedes Bewußtseinsbild! Es wird da wohl selber nur Wirkung sein von einer Veränderung, welche nun eine andere Veränderung (Handlung) nach sich zieht. Jede Handlung, die wir "wollen" ist ja durchaus nur als Schein der Erscheinung von uns vorgestellt." (Friedrisch Nietzsche - Das Ich)

Liebe Grüße Mannfred


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Waldrand
BeitragVerfasst: Mo 1. Jan 2018, 20:02 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1240
Der Waldrand, der Übergang vom Wald zur Flur/Feld/Wiese/Weide/Weg usw., ist ein heiliger Ort und enorm wichtig.
Darüber könnte man Bücher schreiben. Mir ist noch keines bekannt.
Warum heiliger Ort und enorm wichtig? Darüber könnt ihr euch selber Gedanken machen.

So behandelt ihn heutzutage meine Gemeinde.

Der Waldrand-IMG_1813.JPG
Bild

Allein der Anblick. Wenn das Raoul Francé sehen würde.

Der Waldrand-IMG_1815.JPG
Bild

Darüber könnte man/ich auch ein ganzes Buch schreiben.

Der Waldrand-IMG_1818.JPG
Bild

Über die zerrupften, zerrissenen, zersplitterten und abgerissenen (nicht abgesägten) Zweige und Äste könnte sich höchstens Jean Pain freuen, der ein auf solche Art zerkleinertes Holz für seinen Kompost empfiehlt (Hat extra einen speziellen Schredder konstruiert, der das Holz zerfasert und nicht schneidet. Ja, warum wohl?).

Der Waldrand-IMG_1817.JPG
Bild

So geht es auch im ganzen Land zu.

Der zugehörige Wald wurde übrigens vor kurzem zum "Bannwald" umgewidmet.
Eine Posse, die ebenfalls ein ganzes Buch füllen würde.

PS.
Es müßten ein Multimedia-Bücher sein, die auch in der Lage sind, den ohrenbetäubenden Dauerlärm wiederzugeben sowie die Abgas- und Feinstaubwolken wohngebietsweit zu verströmen.


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