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 Betreff des Beitrags: Acker im Winter
BeitragVerfasst: So 24. Dez 2017, 16:45 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1232
Acker im Winter

Jetzt mal das Kontrastprogramm zu Algen im Winter aus einer Pfütze am Waldweg:

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Ackerboden im Winter am Feldweg, nur einige Kilometer weiter.

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Mais, Feld abgeerntet, nicht umgepflügt.

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Wie sowas aussieht, da kann sich jeder selber auf die Socken machen.

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Probe von oberster Bodenschicht 1 - 2 cm.

Ich hab schon viele Male, auch mit Landwirten/Bauern anwesend, einen Ackerboden mikroskopiert mit dem Ziel, die Mikroorganismen in Boden zu demonstrieren.
In nahezu 100% ein Reinfall. Nix zu sehen von den Biestern.
Damals, am Anfang, war ich mächtig enttäuscht und frustriert.

Inzwischen bin ich etwas fortgeschrittener in der Mikroskopiertechnik.
Im Folgenden verschiedene Versuche, Techniken und Fragen auf der Jagt nach den Mikroorganismen im Ackerboden.
Mehr Mikroorganismen und organisches Material habe ich in all den Jahren trotzdem nicht gefunden.

Beleuchtung
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Normale Beleuchtung; eine sehr undurchsichtige Sache mit viel braunem "Schleier" (der noch zu lüften ist)

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Schiefe Beleuchtung; eine quasi dritte Dimension tritt hervor und die braunen "Schleierwolken" sind noch deutlicher.

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normale Beleuchtung; was wohl dieser braune "Bollen" ist?

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Dunkelfeld-Beleuchtung; viel durchsichtiger wird die Sache auch hier nicht.

Fokus: unterschiedliche Schärfeebenen
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Fokus auf den Grund des Präparats

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Fokus auf die Oberfläche des Präparats
Ob Mineral oder organisch wir nicht klar.

Oberfläche
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Oberfläche und 3D-Form der Steine werden sichtbar (durch schiefe Beleuchtung)

Farbe
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Verwirrende Farbeffekte durch Lichtstreuung & Beugung bei schiefer Beleuchtung die manchmal Mikroorganismen vortäuschen

Rechtwinklige Objekte
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Hier kann nur ein Mineraloge, Geologe oder Bodenkundler bei der Identifikation helfen.

Organisches Material??
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Auf der Suche nach organischem Material durch unterscheidliche Schärfeebene und Vergrößerung und Fokus auf Grund & Oberfläche

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Das schwarze rechteckige Objekt könnte u.U. ein Stück einer Pflanzenfaser sein.

Mikro-Grün-Alge
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Eine verirrte Mikro-Grün-Alge

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Ein "Lichtblick"

Boden-Pilz
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Ein Pilz-Hyphe/Faden

Zyste (oben Mitte) oder ovaler Stein ??
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Je nach Fokus & Beleuchtung kann man einen Stein oder eine Zyste interpretieren

Alle Bilder in Originalgröße
https://1drv.ms/f/s!Am2UlOFjs5MWjRtIsQWwEIBCkCK7

Bakterien
wird es sicher noch zu Hauf geben, aber mit dem ungefilterten Präparat wird es schwierig, die zwischen all den Steinen sichtbar zu machen. Und wenn, so wird man nur in den seltensten Fällen sie allein aus der Form zu identifizieren.

Wimperntiere, Amöben, Rädertiere, Nematoden
Fehlanzeige.

Soweit die Bemühungen mit einem normalen Durchlicht-Mikroskop.
Alles ohne Deckglas mikroskopiert (das kann man auch noch versuchen, aber eine wesentliche Verbesserung ist nicht zu erwarten).

Präparation
Ein Umkehr/Invers-Mikroskop könnte etwas helfen, da man hier die Probe von oben frei zugänglich ist und man mit spitzen Nadeln oder Mikro-Pipetten sehr schön präparieren kann.
Das könnte bei der Aufklärung ob Stein oder organisches Material helfen und Mikroorganismen isolieren und in klares Wasser transferieren.

Bodenarten
Welche Steine da zu finden und zu sehen sind, da muß der Geologe, Mineraloge und Bodenkundler helfen, für mich sehen alle Steine gleich aus.

So eine Bodenprobe ist nur ein unendlich kleiner Ausschnit aus dem gesamten Acker/Feld.
Um ein realistisches Bild über die gesamte Fläche zu bekommen sind Bodenproben aus unterschiedlicher Tiefe, zu unterschiedlichen Jahreszeiten, aus der Rhizospäre, über das gesamte Feld und über mehrere Jahre nötig.

Trotzdem ist es charakteristisch für die vorherrschende öde Leere im Vergleich mit anderen fruchtbaren Naturböden.

Es ist schon ein dramatischer Unterschied zwischen diesem Acker und der nur einen Kilometer entfernten Pfütze am Waldweg.

Fragt sich was den Unterschied bewirkt und wie man eine Annäherung herstellen kann.

Grundvoraussetzung ist wohl der gewaltige Unterschied zwischen dem im Boden vorhandenen organischen Material.


Andere Probe, anderes Glück

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Ja, ja, die gleiche Kieselalge, unterschiedliche Drauf- und Seitenansicht, schiebt unermüdlich und mit aller Macht die Steine hin- und her.

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Huch, wie kam die fädige Alge in die Probe - oder war sie tatsächlich im Ackerboden?

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Das Monster des Ackerbodens Ein Rädertier wühlt sich mühsam durch die trübe Steinebrühe.

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Eine Zyste - nur von was?

In Nachfolgeproben hat sich noch eine Nematode und ein merkwürdiges Wimperntierchen angefunden, das mit "Pickeln" besetzt war wie ein Schiffsrumpf mit Seepocken, auch eine weitere Faden-Grün-Alge.


Wenn man lange genug sucht kommen wohl fast alle im Edaphon vorkommenden Mikroorganismen zum Vorschein, - nur nicht in Massen oder Gemeinschaften, sondern in isolierter Einzelarbeit.


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 Betreff des Beitrags: Re: Acker im Winter
BeitragVerfasst: So 31. Dez 2017, 13:12 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1232
Auf der Suche nach dem verlorenen organischen Material

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Diese faserige Struktur dürfte wohl pflanzlichen Ursprungs sein.
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Pflanzenzellen sind allderdings nicht mehr eindeutig zu erkennen
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Was die vielen hellen und dunklen kleinen runden Einsprengsel wohl sind?
Bakterie, Pilz oder Stein - das ist hier die Frage.
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Noch so eine skelettierte Pflanzenfaser
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Jedenfalls ist der Abbau schon weit vorangschritten
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Nur von den hartnäckigen (verkieselten?) Zellulosen sind noch Reste übrig
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Es macht auch den Eindruck, als on die Abbauprodukte die umgebenden organischen und Mineralischen Partikel zusammengebunden haben
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Ein anderes organisches Partikel mit anderen Rätseln

Eine winzige Mikro-Grün-Algen-Kolonie

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Hat sich tief im Schmodder versteckt.
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Mikroskopisch kaum in die einzelnen Zellen aufzulösen.
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Sie haben es sich in einer gemeinsamen Gallerthülle zwischen den harten Steinen gemütlich gemacht.

Die dunklen Bollen und Wolken sind nach wie vor ein Rätsel (siehe Bilder oben)

Andere Aggregationen" die sich durch kleinere und größere rundliche Partikel
durch organisches Material (schleim, Gel) zusammengeklebte mineralische Partikel (Lebendverbauung?)

Die möglichen organischen Strukturen, die teilweise aussehen wie "wie versteinert" sind möglicherweise "silizierte Fasern", Fasern bestehend aus Zellulose/Lignin mit verkieselten (Silizium/Silikaten) "Stützstrukturen". Siehe dazu die Anmerkungen von weiter unten.

Eine Aufklärung ist wichtig, um das Verhältnis von mineralischen und organischen Bestandteilen
abzuschätzen zu können und damit die potentielle Fruchtbarkeit des Bodens..

---

Die Verrottung = Abbau der organischen Ausgangsmaterialien des Komposts geschieht normalerweise "von selbst" d.h. die Lebensgemeinschaft der abbauenden Mikroorganismen ist schon in/auf den lebenden als auch auf den nicht mehr lebenden organischen Materialen vorhanden, wird also von ihnen "von Haus aus" mitgebracht.

Jetzt gibt es allerdings spezielle organische Materialien, deren Verrottung "von Natur aus" lange dauert. Der Natur macht das nichts aus, die hat sich darauf eingestellt, aber der ungeduldige Mensch möchte eine schnellere Umsetzung der organischen Masse erst in Kompost und dann Humus haben.

Zu diesen widerständigen Materialien gehören landwirtschaftliche "Abfälle", die aus zellulose- und silikatreichen Pflanzen und Pflanzenfasern bestehen.

Annie France-Harrar, die in Mexiko die verschiedenen Impfziegel entwickelt hat, schreibt dazu:

"Die Faser aller Steppen- und Halbwüstenpflanzen ist kompliziert gebaut. Das Bündel feinster, oft noch tordierter Fibern, welches das Zentrum bildet und den wirklichen Wert darstellt, ist aus reiner, sehr hochwertiger Zellulose. Es steckt aber in einer festen Röhre aus eng aneinandergeklebten Spiralfasern, die eine regelrechte Panzerung darstellt und dem Ganzen Elastizität und Halt verleiht. Die Spiralen selber sind so eng zusammengeschlossen und mit Saponin, Wachs oder Gummi verkittet, daß diese Faserbündel gegen Salzwasser, selbst gegen Säuren unempfindlich sind. In jahrzehntealten Misthaufen stöbert man immer noch intakte Fasern auf, die sogar noch ihre volle Reißfestigkeit besitzen. Ihre natürliche Verrottung beansprucht 3-10 Jahre.
Es war also unumgänglich notwendig, ein Hilfsmittel zu finden, mit dem man die langsame Naturverrottung abkürzt und verbessert. Es soll nicht nur bei allen Zellulosen, sondern auch bei Pentosanen, Ligninen, silizierten Fasern, Gummisäften, Harzen, ölen, Wachsen und Chitinen angreifen. Alle diese Stoffe verhindern den raschen Abbau von totem Pflanzengewebe. Deshalb dauert es so lange, bis Stroh, Laub, Sägemehl, Rindenstücke usw., wenn sie in die Erde vergraben werden, verrotten. In der Erde verläuft der Zersetzungsvorgang in erster Linie über Mikropilze und Zellulosefresser.

Aus diesen Erwägungen heraus entstand das „Saprofil".

Die Beschleunigung der Verrottungsdauer durch Aufschließung mit Saprofil ist bedeutend. Mit Hilfe von Saprofil können selbst die am hartnäckigsten auf-zuschließenden landwirtschaftlichen Rückstände wiederum für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden. Das auf diese Art gewonnene Aufschließungsprodukt ist Grundlage des „Zellulosehumus", wie auch immer die Grundstoffe beschaffen sein mögen und besitzt einen pH-Wert von ca. 7. Das ist insofern von Bedeutung, als jede Zelluloseverrottung anfänglich in einem stark saueren Milieu, etwa bei pH 3-4, verläuft. So kann man „Zellulosehumus" gerade für die Kultur sehr pH-empfindlicher Gewächse einsetzen.

Das Hartnäckigste, das es wohl überhaupt gibt, sind reine Reisschalen, die, da ja der Reis von echten Sumpfgräsern stammt, auch gegen Säuren resistent sind. Zudem sind sie derart mit Silikaten durchsetzt, daß sie sich geradezu ähnlich wie Glaspartikelchen verhalten. Auch die Spelzen von Hartreis, der bekanntlich nicht im Wasser, sondern von Anfang an auf trockenem Boden wächst, sind stark siliziert. Es ist daher gut, nicht ausschließlich Reisschalen als „Bancal" aufzusetzen, sondern sie mit Stallmist, faulenden Graswurzeln usw. zu vermischen. Dasselbe gilt für die messerscharf mit Kieselzellen inkrustierten Blätter der Baumyuccas, der meisten Palmen, für die den Manilahanf liefernde Faserbanane (Musa textilis) und überhaupt alle mit Stützfibern ausgerüsteten, von Kieselsäureablagerungen durchsetzten Gewächse.

Dort, wo Maguey (Agava americana) zur Pulquegewinnung auf großen Territorien gepflanzt wird, füttert man zusätzlich auch mit den dünn geschnittenen Blättern. Freilich erst dann, wenn der „Agua miel", der durch Herausschneiden des Herzens des Blütentriebes oder dessen Aussaugung ausfließt, schon völlig entfernt ist. Die Qualität dieser harten, schlecht aufschließbaren Stengel und Blätter wirkt sich natürlich auch auf die Ausscheidungen der Tiere aus. Der Mist ist reich an Silikaten, die ja nicht verdaut werden können und trocknet enorm rasch aus. Im Mikroskop verrät sich die Eintönigkeit dieses Futters, das an die Verdauungsorgane dieser so überaus bescheidenen Tiere sehr große Anforderungen stellt, durch einen Überfluß von unaufgeschlossenen Spiralfasern, welche die ganze Masse durchsetzen, denn wie bei den meisten der annähernd 300 verschiedenen Agavenarten besteht auch bei der Maguey das bis zu 2 m lange Blatt in der Hauptsache aus Fasern. Durch ihre Struktur ist diese Faser weitgehend vor der Aufschließung geschützt und nur eine sachgemäß durchgeführte Humifizierung wird mit ihr fertig."

Aus: Annie Francé-Harrar; Humus, Bodenleben und Fruchtbarkeit

-

Diesem Acker ist für die nächste Ernte wohl nur zu helfen
durch Not-NPK Düngung;
oder besser Mineraldüngung mit zugefügten Lithobionten (Tafel 28 Nitrogenversorgung eines Kulturbodens durch Mineraldünger);
und/oder (immer noch) übliche Mist/Kompost-Düngung;
und/oder mit den in „Saprofil" enthaltenen Mikroorganismen kompostierten Mais-Abfällen (statt sie zu "Bio"-Gas zu vergären);
aber langfristig nur durch Edaphon-Kompost/Humus mit den darin enthaltenen Algen/Lithobionten.

Fortsetzung als Präsentation und Revision der Erkenntnisse hier:

Acker im Winter: Ergrünt "aus dem Nichts"

Wird fortlaufend ergänzt.


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