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BeitragVerfasst: Do 21. Apr 2011, 19:13 
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Raoul H. France´: Die Entdeckung der Heimat (1923,1982), MUT-Verlag, Asendorf

Teil 1: Einführung, Biographie von Raoul France´ von Gerhard Tenschert
Teil 2: Hauptteil „Die Entdeckung der Heimat“
Teil 3: Essay „Wie weit darf man ein Land ausnützen?“

Das kleine Büchlein (110 Seiten) beginnt zunächst mit einer ausführlichen und guten Biographie, die Gerhard Tenschert über Raoul H. France´ geschrieben hat.

Im Hauptteil findet der Leser dann wieder eine der wunderbaren Beschreibungen von Raoul France´ über die Zusammenhänge in der Natur, wie sie nur wenige außer ihm in dieser Einfachheit, Klarheit (dank umfassendem Wissen und Verstehen) können und konnten. Hinzu kommt die Liebe des Autors zur Erde und ihren Bewohnern, aber auch die Sorge um das Wirken der Spezies Mensch.

Das Werk zeigt in einfacher Darstellung, beginnend bei einer Wiese, wie das Leben auf der Erde funktioniert und entstanden ist, wie es sich wandelt und welche stabilen (End-)Formen es gibt (Wald).

Dabei erfährt der Leser vor allem wie alles zusammenspielt, jeder von jedem abhängig ist und wie selbst das Weltall (auch ohne Esoterik) Einfluss auf alles hat.

Wir erfahren, warum Orchideen auf Kalk wachsen, bzw. wodurch dieser entstanden ist, wie abhängig die Pflanzen von vielen Bedingungen sind und welche eigentlich nicht (mehr) zur jetzigen Zeit gehören und Überbleibsel aus Eiszeit oder Tertiär sind.

Wir erfahren von der Wanderung der Meere und den damit verbundenen Klima- und Bodenveränderungen, von der Bedeutung der „Abräumer“ wie Tausendfüßler, Schnecken etc., von Lebensgemeinschaften und warum der Bauer Katze und Hummel pflegen sollte (Kleewuchs ist von ihnen abhängig).

Dies alles ist einfach geschrieben, Details sind in vielen anderen Werken von ihm ausführlicher dargestellt, dies macht aber gerade die Stärke dieses Werkes aus, das im besten Sinne des Wortes ein Lehrbuch für wirkliche Heimatkunde sein könnte, an Hand dessen Lehrpläne, Unterrichte, Führungen, Seminare, Klimapolitik sich ausrichten könnten.

Das Buch macht wie viele seiner Bücher deutlich, dass die Trennung der einzelnen Bereiche
zumindest dann Unsinn ist, wenn sie nicht durch eine gemeinsame Verbindung zusammengehalten werden. Dazu gehört die Unterteilung in Fauna und Flora, da Pflanzen ohne ihre tierischen Bestäuber, Abbauer etc. nicht auskommen und diese sehr oft nicht ohne die entsprechenden Pflanzen. Genauso gehören Wald und Humus mit Klima zusammen und sind nicht davon zu trennen.

In der heutigen Zeit der Entwaldung der Urwälder und des Humusverlustes ist ein menschengemachter Klimawandel oder eine Verstärkung desselben nur allzu logisch.

Schon 1923 prägt Raoul France´ die folgenschweren Sätze:

„ Jeder Wald schafft seinen Humus und jeder Humusboden (und Wald) schafft sein eigenes Klima. Im einzelnen weiß das jeder Praktiker und jeder Gelehrte, i m g a n z e n s c h e i n en s i e e s a l l e z u s a m m e n v e r g e s s e n z u h a b e n.“

Knapp 90 Jahre später im Angesicht von Klimachaos und Starkwetterereignissen gilt das mehr denn je.

Viele weitere vergessene Bestandteile der Heimat in früheren Jahrzehnten oder Jahrhunderten,
die gerade in Zeiten von Starkwetterereignissen wichtig wären, wie Windbremsen, Wasserspeicher durch entsprechende Landbewirtschaftung werden ganz nebenbei erwähnt.

Wer dieses unscheinbare und unkomplizierte Buch wie ich mehrmals gelesen hat, wird immer wieder wichtige Hinweise und Informationen zur Gestaltung und Schaffung von Landschaft oder gesamtgesellschaftlich sinnvollem Verhalten in diesem Bereich finden.

Zu guter Letzt stellt France´ noch eine Hierarchie auf, die nach seiner Meinung zu Glück und innerem Frieden führt:


Anwartschaft auf ewige Seeligkeiten
Befreiung von Lebens- und Todesangst (bzw. dem „danach“)
Weg zum richtigen Leben
Wissen um die Weltgesetze
Heimatkunde
Heimatliebe

Zur Erklärung: Die Hierarchie beginnt unten, Grundlage oder erster Schritt ist die Heimatliebe, der zweite Schritt die „wirkliche“ Heimatkunde analog diesem Buch usw.
Das muss nicht jeder so sehen, interessant ist dabei jedoch die Überwindung der Trennung von Glauben und Forschung durch Darwin und seine Schüler, die in vielen Schriften von France´ zu finden ist und solange gelten kann oder möglich ist, wie die materialistische Wissenschaft die Seele oder den Sitz des Beseelten beim Menschen und anderen Lebewesen immer noch nicht gefunden hat.


Teil 3
enthält ein kleines Essay, in dem France´ einen Naturschutz mit dem Rechenstift fordert. Er gesteht dem Menschen im gesamten Buch zu, genau wie den anderen Lebewesen,
die Erde zu nutzen, allerdings nur soweit, dass ein Optimum zwischen Nutzung und Stabilität der Systeme erzielt wird. Das Optimum ist etwas völlig anderes als die Ausbeutung zur Gewinnmaximierung. Oberstes Ziel ist die Harmonie bei der auch Moore, Heide, Hecken, Feldraine ihre Funktionen, Berechtigung und finanziell berechenbaren Wert haben. Einem konservativen Naturschutz, dem es nur um den Erhalt einer Art in einem bestimmten Gebiet geht, redet er nicht das Wort. Wandel bzw. natürliche Sukzession (jedes System außer einem Wald oder Korallenriff, z.B eine Wiese, ist nur eine Durchgangsphase und wird zum Wald, wenn nicht eingegriffen wird und damit verschwinden Pflanzen und Tierarten lokal, manchmal auch regional) ist auch für ihn in gewissen Grenzen normal, wobei bei der Ansiedlung fremder Pflanzen und Tiere mit größter Vorsicht bzgl. unkontrollierter Verbreitung agiert werden sollte

Mit dem Rechenstift soll z.B. erfasst werden, welchen Wert z.B. Uferweiden, Flussauen etc. zur Prävention von Schäden in Landwirtschaft und Siedlungen haben. Diese komplizierte Aufgabe (Wert der Natur als eigene Leistung für die Menschheit) wurde erst 80 Jahre später
weltweit ermittelt. Seitdem wird der Blick auf ihre Leistungen und der Verlust ihrer Leistungen bei Zerstörung international schärfer. France´ war hier leider wieder seiner Zeit voraus.

Ziel muss ein Gleichgewicht sein, das leichte Ausschläge zeigt und verkraften kann, insgesamt aber die Gesetze der Harmonie nicht übertritt.
Die Austrocknung Norddeutschlands zur damaligen Zeit war für ihn ein sicheres Zeichen dafür, dass der Rechenstift schlecht gebraucht wurde.

Insgesamt ist das Buch trotz der geringen Seitenzahl ein Quell der Inspiration in Inhalt und Vorgehensweise und France´ wurde damit der selbstgestellten Aufgabe als Volksbildner und Pionier des rationalen Naturschutzes mehr als gerecht.

Auch seine Aufforderung an die Gartenbesitzer, mit ihren Gärten Ersatz und Kompensation für die Umweltzerstörung und damit Lebensraum für viele Lebenswesen zu schaffen ist im Zeitalter der Thujahecken und gärtnerischen Einfallslosigkeit eine immer noch aktuelle Forderung.

Jochen Koller


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