Forum für die kritische Würdigung
Forum for critical appreciation
Forum pour une appréciation critique
Foro de apreciación critíca
Aktuelle Zeit: Sa 25. Nov 2017, 06:28

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 41 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3  Nächste
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: Mi 15. Dez 2010, 22:33 
Offline

Registriert: Mi 10. Nov 2010, 15:38
Beiträge: 98
Wohnort: BRD
was die güllen noch im dezember??? der letzte Termin zum Güllen ist gesetzlich der 15. november! Danach darf man nichts mehr ausbringen an Gülle oder Jauche... Wenn da keine Grüne lebende Pflanze ist, wandern die Nitrate in weniger als 14 tage in 100 cm Tiefe, d.h. 1 Meter tief und mehr... bis zum Grundwasser! prost.

der sogenannte Drahtwurm ist der Wurm vom Laufkäfer. ernährt sich normalerweise von frischen Wurzeln, aber bei den Monokulturen hat er sehr oft keine Wahl und frisst alles andere auch wie Kartoffeln, oder Salatwurzeln, usw.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Mi 15. Dez 2010, 22:46 
Offline

Registriert: Mi 10. Nov 2010, 15:38
Beiträge: 98
Wohnort: BRD
auch kann man sich denken was übrig bleibt vom Edaphon nach 20 Jahre Roundup!

99% der landwirtschaftlich-genutzten Boden in Europa sind mikrobiologisch gesehen tot. sagt auch Josef Braun.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Mi 15. Dez 2010, 23:39 
Offline

Registriert: Sa 31. Jul 2010, 20:22
Beiträge: 598
Ich glaube, daß trifft auch auf die restlichen Böden zu. Nicht nur die landwirtschaftlichen Böden.

Wir erleben zur Zeit den Niedergang der Integration des Lebens. Schaut euch doch mal den Gesundheitszustand der Lebewesen an!

Wie sagte Fukuoko nach Besuch in Europa? Die Natur hierzulande gibt ein schönes Bild, hat aber mit Natur nichts zu tun. Wie eine Postkarte.

Keine Zeit verlieren. Laßt uns die Kenntnisse weiter zusammentragen.

Bernhard


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Do 16. Dez 2010, 07:29 
Offline

Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1212
dblondeau hat geschrieben:
99% der landwirtschaftlich-genutzten Boden in Europa sind mikrobiologisch gesehen tot.

Das interessante ist, daß trotzdem alles wächst und gedeiht und die Felder und Wälder noch nicht zu Friedhöfen geworden und wir noch nicht verhungert sind.

France beschreibt z.B. warum über die Jahrhunderte immer wieder die Nahrungsmittelproduktion vor dem Niedergang gerettet wurde.

Auch der mineralische Industriedünger und die konventionelle Bodenbearbeitung führt nicht geradewegs zur Unfruchtbarkeit sondern bringt noch Erträge.

Nur wenn wir diese Phänomene erklären können, können wir auch bessere Alternativen anbieten und eigene Irrwege vermeiden.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Do 16. Dez 2010, 09:26 
Offline

Registriert: Sa 31. Jul 2010, 20:22
Beiträge: 598
Winfried hat geschrieben:
Das interessante ist, daß trotzdem alles wächst und gedeiht und die Felder und Wälder noch nicht zu Friedhöfen geworden und wir noch nicht verhungert sind.


Das halte ich für falsch. Aus folgendem Grund. Schau' Dir bitte an, mit welchen Schwierigkeiten der Anbau vonstatten geht - wie viele Krankheiten über die Pflanzen kommen. Wenn Du dir die Untersuchungen von Weston A. Price ansiehst (Buch: Nutrition and Physical Degeneration, ISBN: 978-0879838164), dann siehst Du, wie nährstoffarm die Produkte unserer Landwirtschaft sind - sogar die der biologischen Landwirtschaft.

Die Nahrung ist arm an essentiellen Nährstoffen, die ja erst durch den Syntheseprozeß der Humifizierung entstehen.

Und dieser kommt heute nicht mehr zustande. Was eine Degeneration nach sich zieht. Das hat nicht nur Price herausgefunden, sondern unabhängig von ihm eine Vielzahl von Wissenschaftlern. Als gute Lektüre kann ich z. B. Jared Diamod empfehlen: Der größte Irrtum in der Geschichte der Menschheit => Landwirtschaft.

Fazit: Wir verhungern - obwohl wir essen! Was uns fehlt sind essentielle Nährstoffe - deshalb zehren wir von unserem Körper, was Knochenkrankheiten, Zahnauflösung von innen, etc. bewirkt.

Wir hungern.

Bernhard


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Do 16. Dez 2010, 10:54 
Offline

Registriert: Sa 27. Nov 2010, 16:25
Beiträge: 22
dblondeau hat geschrieben:
auch kann man sich denken was übrig bleibt vom Edaphon nach 20 Jahre Roundup!

99% der landwirtschaftlich-genutzten Boden in Europa sind mikrobiologisch gesehen tot. sagt auch Josef Braun.


Und trotzdem wimmelt ueberall das Leben. Emotionalisierender Sprachgebrauch raecht sich am Ende immer. So werden vernuenftige Menschen, die sich fuer nachhaltige Landwirtschaft und gesunde Ernaehrung engagieren in die Fanatiker-Ecke gestellt.

Vereinfachende Slogans sind Teil des Problems nicht Teil der Loesung.

Dieter


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Do 16. Dez 2010, 11:27 
Offline

Registriert: Sa 27. Nov 2010, 16:25
Beiträge: 22
Winfried hat geschrieben:
Das interessante ist, daß trotzdem alles wächst und gedeiht und die Felder und Wälder noch nicht zu Friedhöfen geworden und wir noch nicht verhungert sind.


Die Natur kommt immer wieder, aber nicht unbedingt in der erwuenschten Form. Durch die systematische Anwendung von RoundUp und anderen Herbizieden haben sich neue "Superunkraeuter" ausgebreitet, die noch potentere Unkrautvernichtungsmittel erfordern. Die Exzessive Anwendung von Antibiotika hat diese zum Teil unwirksam werden lassen.

Zitat:
France beschreibt z.B. warum über die Jahrhunderte immer wieder die Nahrungsmittelproduktion vor dem Niedergang gerettet wurde.


Das ist auch heute ohne weiteres moeglich. Es erfordert jedoch die Einsicht, dass die Annehmlichkeiten der Industriegesellschaft ihren Preis haben. Diesen Preis bezahlen wir mit einer zerstoerten Umwelt, kaputten Boeden und gesundheitlichen Schaeden. Ich glaube, die Menschen werden lieber verhungern als aufs Internet zu verzichten.

Zitat:
Auch der mineralische Industriedünger und die konventionelle Bodenbearbeitung führt nicht geradewegs zur Unfruchtbarkeit sondern bringt noch Erträge.


Ein Rest Leben bleibt immer. Der Rueckgang der "natuerlichen" Bodenfruchtbarkeit erfordert jedoch groessere Mengen an synthetischen und mineralischen Duengern sowie genetisch modifizierte Pflanzen, die auf den zerstoerten Boeden noch ueberleben koennen. Aber dies ist ja auch ganz im Interesse der Industrie. Damit kann man viel Geld machen, solange die Rohstoffe noch ausreichen.

Auf lange Sicht hat die Menschheit gar keine andere Wahl als auf eine nachhaltige Landwirtschaft umzustellen.

Der Klimawechsel ist nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Die Zerstoerung der Bodenfruchtbarkeit hat weit schlimmere Auswirkungen. Nur ist dies fuer die meisten Menschen unverstaendlich, denn der moderne Konsument lebt getrennt vom Boden, von dem alles Leben kommt.

Dieter


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Do 16. Dez 2010, 12:12 
Offline

Registriert: Sa 27. Nov 2010, 16:25
Beiträge: 22
zaunreiter hat geschrieben:
Das halte ich für falsch. Aus folgendem Grund. Schau' Dir bitte an, mit welchen Schwierigkeiten der Anbau vonstatten geht - wie viele Krankheiten über die Pflanzen kommen.


Pflanzenkrankheiten hat es immer gegeben. Auch Krankheiten sind Teil des natuerlichen Kreislaufs. Es ist falsch zu glauben, dass Pflanzenkrankheiten, Schaedlinge und Unkraut von selbst verschwinden wenn wir nur auf einen natuerlichen Anbau umstellen. Einen solchen Idealzustand gibt es nur in den Koepfen der Menschen. Die Realitaet sieht anders aus.

Zitat:
wie nährstoffarm die Produkte unserer Landwirtschaft sind - sogar die der biologischen Landwirtschaft.


Das kommt ganz darauf an womit du das vergleichst.

Zitat:
Die Nahrung ist arm an essentiellen Nährstoffen, die ja erst durch den Syntheseprozeß der Humifizierung entstehen.


Es sind weniger die primaeren als die sekundaeren Stoffe, die fehlen. Flavonoiden und andere organische Verbindungen haben z. B. antioxidative Wirkung (nennt man das so in Deutsch?). Viele dieser Stoffe sind noch unbekannt oder wenig erforscht. Wir wissen jedoch jetzt schon, dass diese Stoffe wirksam sind gegen Krebs, Kreislaufprobleme und andere chronische Leiden der Industriegesellschaft.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass viele Krankheiten Resultat einer ungesunden Ernaehrung sind.

Dieter

PS: Verschone uns mit Jarred Diamond. Das hat mit den Problemen der zukuenftigen Landwirtschaft wenig zu tun.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Do 16. Dez 2010, 12:57 
Offline

Registriert: Mo 2. Aug 2010, 20:59
Beiträge: 71
hallo!

Dieter hat geschrieben:
Pflanzenkrankheiten hat es immer gegeben. Auch Krankheiten sind Teil des natuerlichen Kreislaufs. Es ist falsch zu glauben, dass Pflanzenkrankheiten, Schaedlinge und Unkraut von selbst verschwinden wenn wir nur auf einen natuerlichen Anbau umstellen. Einen solchen Idealzustand gibt es nur in den Koepfen der Menschen. Die Realitaet sieht anders aus.


Danke für die klaren Worte!
kann ich nur unterschreiben -
"Schädlinge" und "Unkräuter" sind ja in Wahrheit bloß Nahrungskonkurenten zum Menschen 8-)

und ergänzen:
sicherlich ist "Landwirtschaft" ohne Bodenbearbeitung viel "edaphonschonender",
aber eben leider auch nur ein erträumter Idealzustand.
In Wahrheit muss man sähen und zum Teil auch (natürlich!) düngen und zum Teil auch (mechanisch!) Beikräuter entfernen.
Wenn man die Menschheitt ernähren will, und das nicht aus imprortierten Tropenfrüchten! (ein Punkt, der mich übrigens an der Urkost ein bisschen stört)

Lösungen sind schwer zu finden - aber ich denke, es müsste eine Art der Bodenbearbeitung sein, die eben Leben und Fruchtbarkeit des Bodens möglichst wenig beeinträchtigt, hmmm....
Da fehlen echt engagierte Forscher - ich bin ja "nur" Hobbygärtnerin oder "SV"-Gärtnerin, wie man will.
Ich kann es mir leisten, den Garten nur sporadisch zu hacken - aber kann das ein Bauer, der Nahrung für so und so viele Städter erzeugen soll?

liebe Grüße!


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Do 16. Dez 2010, 13:37 
Offline

Registriert: Sa 31. Jul 2010, 20:22
Beiträge: 598
Dieter hat geschrieben:
Es ist falsch zu glauben, dass Pflanzenkrankheiten, Schaedlinge und Unkraut von selbst verschwinden wenn wir nur auf einen natuerlichen Anbau umstellen. Einen solchen Idealzustand gibt es nur in den Koepfen der Menschen. Die Realitaet sieht anders aus.


Hallo Dieter,

Du selbst hast - korrekterweise - darauf hingewiesen, daß Emotionalisierung der Sache nicht dienlich ist. Um im Anschluß daran deinen Emotionen ihren Lauf zu lassen. ;)

Das, was heute Pflanzenkrankheiten und Schädlinge genannt wird, "verschwindet" von ganz alleine, wenn Du bodengerecht arbeitest. Das weiß ich aus eigenen Versuchen in meinem Gemüsegarten. Ich bin an dem Punkt angekommen, diese Ergebnisse anderswo genau so erzeugen zu können. Es ist nicht so, daß diese Schädlinge ausgerottet werden. Sie treten aber völlig in den Hintergrund. Das Unkrautkonzept ist völlig daneben. Ich habe ein Buch aus dem Jahr - etwa 1850. Aus den USA. Dort hat jemand sich sehr gute Gedanken zu "Unkräutern" und ihrer Funktion gemacht. Ich habe aufgrunddessen begonnen, Unkräuter als Kräuter in meinen Garten zu akzeptieren und ich fahre sehr viel besser damit. Des Weiteren verzichte ich vollständig auf eine künstliche Bewässerung. Mit diesen drei Dingen: Boden füttern, Unkäuter einbinden und den Boden nicht wässern - damit fährst Du sehr gut.

Ich bin des Weiteren der Überzeugung, daß Pflanzen direkt an Ort und Stelle gesät werden sollen - ohne Angießen und Wässern. Diese Pflanzen weisen eine vielfach höhrere Gesundheit aus. Sie wachsen langsamer. Aber gerade die Langsamkeit des Wachstums, oder nennen wir es: angepasstes Wachstum, ist meines Erachtens mit ein Schlüssel zu einem rundum gesunden Erzeugnis mit vielen Inhaltsstoffen.

Bei mir ist es nicht Glauben, sondern Wissen, daß die Probleme der heutigen Anbauverfahren, insbesondere mit "Schädlingen" und "Krankheiten" ihre Ursache in der Bodenbearbeitung und -mißpflege haben.

Viele Grüße
Bernhard

PS: Jared Diamond hat einige wesentliche Dinge zur Zukunft der Landwirtschaft beizutragen, wenn Du seine Ergebnisse richtig interpretierst. Wie viele Werke kennst Du von Diamond?


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Do 16. Dez 2010, 14:03 
Offline

Registriert: Sa 31. Jul 2010, 20:22
Beiträge: 598
Um mal wieder auf das Thema zurück zu kommen:

Microorganisms in Soils
von Francois Buscot und Ajit Varma
ISBN: 978-3540222200

Zitat:
For this third volume of the series Soil Biology, internationally renowned scientists shed light on the significant roles of microbes in soil. Key topics covered include: bioerosion, humification, mineralization and soil aggregation; Interactions in the mycorrhizosphere; microbes and plant nutrient cycling; Microbes in soil surface or toxic metal polluted soils; Use of marker genes and isotopes in soil microbiology, and many more.


Das sieht zumindest vielversprechend aus - der Preis ist aber ziemlich hoch.

Ah! Sieh an:

http://www.scribd.com/doc/6800512/Microorganisms-in-SoilsRoles-in-Genesis-and-Functions

Bernhard


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Fr 17. Dez 2010, 01:12 
Offline

Registriert: Sa 27. Nov 2010, 16:25
Beiträge: 22
Hallo,

ina maka hat geschrieben:
sicherlich ist "Landwirtschaft" ohne Bodenbearbeitung viel "edaphonschonender", aber eben leider auch nur ein erträumter Idealzustand.


Ja, das ist zum Teil richtig. Als SV kann ich ohne Bodenbearbeitung und ohne Duenger mit Leichtigkeit mehr Nahrung herstellen als wir essen koennen (und das unter extrem schwierigen klimatischen Verhaeltnissen). Es waere aber sehr naiv daraus zu schliessen, dass der gewerbliche Landwirt auf dem Nachbargrundstueck mit den gleichen Methoden arbeiten kann.

Es gibt verschiedene „Modelle“ fuer den pfluglosen Landbau, die auch auf gewerblichem Niveau eingesetzt werden koennen. Jedoch sind solche Modelle (die sich auf den Webseiten sehr einleuchtend praesentieren), oft nur sehr bedingt anwendbar. Ich hab mich seit gut 10 Jahren sehr intensiv mit dem Thema befasst und vieles selbst ausprobiert.

Leute die Fukuoka zitieren, um ihre eigenen Theorien zu stuetzen sind meist sehr selektiv in dem was sie zitieren und vergessen, dass Fukuoka stets gesagt hat: „du darfst meine Methoden nicht uebernehmen, du musst deine eigenen Methoden entwickeln“. Fukuokas Methoden werden heute nicht mehr verwendet weil seine Darlegungen von Anfang an idealistisch und philosophisch aber wenig praktisch waren. Aber selbst Kawaguchi, der praktische Methoden fuer den pfluglosen Anbau entwickelt hat (in denen er in den letzten 10 Jahren ueber 5000 Studenten ausgebildet hat), besteht sehr nachdruecklich darauf, dass jede Situation andere Methoden erfordert. Also nicht nur jeder Bodentyp und jedes Klima, sondern schon der Nachbarhof mit dem gleichen Boden erfordert eine andere Herangehensweise. Ja sogar „jede Zeit, jedes Jahr, jede Feldfrucht, jeder Landwirt, ...“ erfordern andere Methoden.

Den Idealzustand gibt es als „Ideal“, d.h. als etwas, dass wir anstreben. Als SV auf unserem eigenen Land haben wir die einmalige Chance dem sehr nahe zu kommen. Aber es ist ein fortdauernder Lernprozess, in dem wir offen sein muessen fuer das, was die Natur uns lehrt. Jedes „verhaerten“ in einer Theorie oder in „allgemein gueltigen Methoden“ ist schon ein Abweichen von diesem Idealzustand. Aber jetzt bin ich selbst ins philosophieren verfallen ;-)

Zitat:
Lösungen sind schwer zu finden - aber ich denke, es müsste eine Art der Bodenbearbeitung sein, die eben Leben und Fruchtbarkeit des Bodens möglichst wenig beeinträchtigt, hmmm....


Wie gesagt, auf dem Niveau des individuellen SVers gibt es durchaus Loesungen. Das Problem ist es, nachhaltige Methoden fuer die gewerbliche Landwirtschaft durchzusetzen. Dies geht nicht ohne die Unterstuetzung der Oeffentlichkeit und insbesondere des Konsumenten. Der Erfolg von Bioprodukten zeigt, dass Konsumenten durchaus gewillt sind aus gesundheitlichen oder Umwelt-Gruenden, nachhaltigen Landbau zu foerdern. Es fehlt der Oeffentlichkeit bisher jedoch das richtige Verstaendnis dafuer, wie wichtig ein gesunder biologisch aktiver Boden fuer den Fortbestand des Lebens auf diesem Planeten ist.

Liebe Gruesse, Dieter


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Fr 17. Dez 2010, 01:28 
Offline

Registriert: Sa 27. Nov 2010, 16:25
Beiträge: 22
Hallo Bernhard,

zaunreiter hat geschrieben:
Du selbst hast - korrekterweise - darauf hingewiesen, daß Emotionalisierung der Sache nicht dienlich ist. Um im Anschluß daran deinen Emotionen ihren Lauf zu lassen. ;)


Oh je! Hab ich mich wieder in meine eigenen Widersprueche verfangen? Clumsy old me!

Aber ganz im ernst. Ich versteh durchaus, was gemeint ist wenn behauptet wird, dass der Boden „tot“ sei oder dass der deutsch Wohlstandsmensch „verhungern“ muesse (auch wenn das wie ein Schlag ins Gesicht ist fuer die Millionen von Hungernden in der dritten Welt). Aber „emotionalisierender“ Sprachgebrauch dieser Art hat nichts gemein mit meiner Feststellung, dass „Pflanzenkrankheiten und Schaedlinge nicht einfach verschwinden.“

Ich hab durchaus die Erfahrung gemacht, dass die Natur immer ein fliessendes Gleichgewicht anstrebt. Z. B. vermehren sich Schnecken oft rasant wenn auf einem verlassenen Grundstueck ein Garten eingerichtet wird weil der Garten vermehrte Nahrung fuer Schnecken bietet. Wenn der Gaertner Geduld und Zeit hat und nicht mit der Giftspritze die Natur noch weiter aus dem Lot bringt dann kann es sein, dass sich nach 3 bis 10 Jahren (je nach lokalen Gegebenheiten) die Kroeten oder ander Jaeger soweit vermehrt haben, dass die Schneckenbevoelkerung auf ein „ertraegliches“ Mass reduziert wird. Trotzdem wird es noch Schnecken geben, trotzdem wirst du junge Kohl- oder Salatpflanzen noch besonders vor Schnecken schuetzen muessen. Aehnlich verhaelt es sich in der Praxis mit vielen Pflanzenkrankheiten und Schaedlingen.

Aus philosophischer Sicht besteht der Fehler darin zwischen „Schaedlingen“ und „nuetzlichen Tieren“, zwischen „Unkraut“ und „Nutzpflanzen“, usw. zu unterscheiden, denn Unkraut ist genauso wichtig wie Nutzpflanzen und sogar Schaedlinge und Krankheiten haben noch eine Funktion in der Natur auch wenn wir diese Funktion nicht immer verstehen. Z. B., auch nach 15 Jahren auf unserem Grundstueck sind einige unserer Felder noch immer dicht mit Quecken bewachsen. Der Denkfehler besteht darin, die Quecken als Unkraut bekaempfen zu wollen. Es ist viel besser Nutzpflanzen zu finden, die zusammen mit den Quecken wachsen. Das kann so gut funktionieren, dass es einem fast leid tut wenn die Quecken dann doch verschwinden.

Wenn Woerter noch eine Bedeutung haben sollen, ist also aus praktischer wie auch aus philosophischer Sicht die Feststellung, dass Pflanzenkrankheiten und Schaedlinge nicht einfach verschwinden sachlich und keineswegs emotionalisierend.

Dass die Methoden, die du in deinem Garten ausprobiert hast nicht unbedingt als allgemein gueltige Methoden fuer die Landwirtschaft gelten koennen, hab ich schon in der obigen Mail beschrieben.

Auf unserem Hof in Deutschland gab es noch nicht einmal eine Giesskanne und es waere niemandem in den Sinn gekommen, den Garten zu bewaessern. In trockenen Weltregionen ist es jedoch nicht moeglich ohne Bewaesserung zu ueberleben. Und auch wenn die Direktsaat immer angewendet werden sollte wenn dies moeglich ist, ist doch das Vorziehen in Saatkaesten in vielen Situationen das beste Verfahren.

Liebe Gruesse, Dieter

PS: Von Jarred Diamond hab ich etwas ueber Hunter Gatherers gelesen. Fuer den der sich mit Theorie beschaeftigen will mag das ja gut sein. Aus praktischer Sicht find ich das weniger nuetzlich.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Fr 17. Dez 2010, 12:22 
Offline

Registriert: Sa 31. Jul 2010, 20:22
Beiträge: 598
Hallo Dieter,

Dieter hat geschrieben:
Ich versteh durchaus, was gemeint ist


Das habe ich auch erkannt und ich habe direkt verstanden, was Du gemeint hast. Ich habe trotzdem nachgebohrt, um unsere Erfahrungen abzugleichen.


Dieter hat geschrieben:
dann kann es sein, dass sich nach 3 bis 10 Jahren (je nach lokalen Gegebenheiten) die Kroeten oder ander Jaeger soweit vermehrt haben, dass die Schneckenbevoelkerung auf ein „ertraegliches“ Mass reduziert wird.


Ich sehe das Gleiche - aber noch mehr. Ich kenne das aus Untersuchungen zur Biodiversität, zum Beispiel in Baggerlöchern, die durch Kiesbaggerei entstanden sind. Nachdem diese außer Betrieb gehen, steht plötzlich eine von der belebten Natur unbesiedelte Fläche zur Verfügung. Und plötzlich tauchen in diesem Spezialfall von Lebensraum Lebensformen auf, die es sonst in der Gegend nicht gibt. Diese Erfahrung hat mich zur Erkenntnis gebracht, daß "nichts einfach verschwindet", sondern daß es von jeder Art immer Inseln gibt. Diese Arten stehen bereit und sobald es Lebensraum gibt, vermehren sie sich. Das können sogar sehr exotische oder seltene Arten sein.

Belegt wird das ja gerade auch durch die Schnecken, die jeden neu (aber falsch!) angelegten Garten in Mengen überfallen.


Dieter hat geschrieben:
Trotzdem wird es noch Schnecken geben, trotzdem wirst du junge Kohl- oder Salatpflanzen noch besonders vor Schnecken schuetzen muessen.


Sicher gibt es Schnecken auch in meinen Garten. Ich treffe aber keinerlei Vorkehrungen zum Schutz von Salat- und Kohlpflanzen. Daher weise ich das "müssen" zurück. Hier trennen sich unsere Erfahrungshorizonte. Ich habe die Erkenntnis, daß die Bewurzelung des Bodens, sowie die Bodenstruktur maßgeblich zum Schutz der Pflanzen vor übermäßigen Schneckenbefall beitragen.

Des Weiteren brauche ich nicht 20 Jahre warten, bis sich eine "Räuber"population aufbaut. Vier Laufenten halten erfahrungsgemäß auf 6.000 Quadratmeter Grundstück die Schnecken im Zaum.

Das wiederum führt vor Augen, daß ein Garten oder Acker ohne Einbindung von Tieren ein Fehlkonzept sein muß. Daraus resultierende Probleme sind folgerichtig.


Dieter hat geschrieben:
denn Unkraut ist genauso wichtig wie Nutzpflanzen und sogar Schaedlinge und Krankheiten haben noch eine Funktion in der Natur auch wenn wir diese Funktion nicht immer verstehen.


Das sogenannte Unkraut ist wichtiger als alle anderen Aspekte. Das will ich gern erläutern.

Wir reden hier über Impferden und Mikroorganismen. Sehr augenscheinlich ist doch, daß die "guten" Mikroorganismen, die wir hier identifizieren als Partner von Pflanzenwurzeln oder Pflanzen (z. B. Moose) auftreten. Wurzeln sind die Spender von Zuckern, die aus der Photosynthese stammen. Diese Zucker erst verkleben die Bodenpartikel und machen eine Feinkrümelung durch Mikroorganismen erst möglich.

Da muß es doch "Klick" machen.

Denn für eine erfolgreiche Besiedelung mit den Humus aufbauenden Mikroben bedarf es vor allem eines: Wurzeln! Und zwar Wurzeln von oben bis unten. Und die einzige Gruppe von Pflanzen, die Wurzeln von oben bis unten garantieren sind: Unkräuter.

Für mich ist sonnenklar, daß Humuswirtschaft eine Wirtschaft mit Unkräutern bedeuten muß.

Ich habe das bereits in meinem Garten umgesetzt. Ich lasse alles wachsen, was da wachsen will. Nur wenn die Pflanze über meine Kulturpflanze hinauswächst, schneide ich sie ab und nutze sie als Futter für den Boden. Wohlgemerkt schneide ich sie ab - und bewahre dadurch die Integrität des Bodens, der durch das Ausreißen der Wurzeln gestört wäre. Außerdem nutzen die Mikroben den durch die absterbenden Wurzeln entstehenden Kanal als Wohnraum.


Dieter hat geschrieben:
Dass die Methoden, die du in deinem Garten ausprobiert hast nicht unbedingt als allgemein gueltige Methoden fuer die Landwirtschaft gelten koennen, hab ich schon in der obigen Mail beschrieben.


Ich habe nicht behauptet, daß sie allgemeingültig anzuwenden sind, also zumindest eins zu eins. Ich halte es aber für unsinnig zu sagen, daß sie nicht gelten können. Natürlich können sie das, es ist eine Frage der Technik. Und wo Technik gefragt ist, bedarf es lediglich einer Konstruktionsarbeit. Dabei finden wir zur Erfüllung der Funktionen genügend Formen in der Natur als Vorbild. Weswegen ich sehr zuversichtlich bin, daß diese Arbeit getan werden kann.


Dieter hat geschrieben:
In trockenen Weltregionen ist es jedoch nicht moeglich ohne Bewaesserung zu ueberleben.


Ich habe selbst in den trockenen Gebieten Australiens gelebt und dort unter anderem auf einer Rinderfarm mit einem Viehbestand von 50.000 Tieren gearbeitet.

Etwas sinnfreieres habe ich vorher und nachher nicht mehr gesehen. Wer europäische Landwirtschaftsformen auf solche Gebiete überträgt, muß sich wirtschaftlich früher oder später ruinieren. Für solche Gebiete gelten ganz eigene Regeln, das ist sonnenklar.

Das Leben funktioniert aber auch dort gleich. Ich würde zur Bewässerung aber nicht auf die Dämme oder Brunnen zurückgreifen, wie es dort praktiziert wird. Ich würde das einzig sinnvolle tun - Bäume pflanzen.

Nun gut, wir werden sehen, was wir noch weiter ausgraben.

Viele Grüße
Bernhard


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Fr 17. Dez 2010, 14:59 
Offline

Registriert: Mi 10. Nov 2010, 15:38
Beiträge: 98
Wohnort: BRD
es gibt neue gerate um den boden so schonend zu bearbeiten ohne Pflug:
eco-dyn
bearbeitet den Boden auf 5 cm. das ist aerobe Bereich und zerstoert nicht die untere wurzelstruktur im Boden...
nach unseren Erfahrung hat der eco-dyn nach nur 2 Jahre Gebrauch schon einiges bewirkt wie
erhoehung des pH Wert und Rueckgang von kamille oder Ampfer aufm Acker, bessere Wachstum von Getreide u.a....
deswegen kann ich sagen dass der humus in der Lage ist alle Krankheiten zu ueberwinden!

auch josef Braun (traeger der france Medaille) kann ueber solche Erfahrung mit minimale Bodenbearbeitung berichten...
die Pflanzen bei Konvis-LW wachsen noch weil sie gepuscht werden mit Nitrat. da kann der boden mikrobiologisch tot sein, es ist dann nur ein Substrat!

aber bei bio-dynamische Boden habe ich schon lebendige Erde gesehen, das ist was anderes.


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 41 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de