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BeitragVerfasst: Sa 15. Nov 2014, 14:48 
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Zusammenfassung von Abschnitt III : Der mineralische Zerfall und seine Umbauer

[Der grundlegende Einfluß der Lithobionten als erste Umbauer der ursprünglich vollmineralischen Erdoberfläche]

An acht sehr verschiedenen Beispielen [Tafel 2 - 9) aus verschiedenen Kontinenten wurde bis jetzt der grundlegende Einfluß der Lithobionten als erste Umbauer der ursprünglich vollmineralischen Erdoberfläche gezeigt. Er umfaßt außerdem die Aufarbeitung der Erosion und Sedimentation in allen Stadien.

Einzuordnen ist also die Phase der Lithobionten in die große Formation der Humusbildung, deren unentbehrliche Vorbedingung sie sind. Sie sind die Anfangsstufe des Bodenlebens.

Leider ist diese Erkenntnis heute in kaum einem Lehrbuch vertreten und jedenfalls nicht in den Kalkulationen der biologischen Bodenerneuerungen berücksichtigt. Bei mir steht sie am Ende einer intensiven, teils theoretischen, teils praktischen Beschäftigung mit der Erforschung, wie die Natur Humus herstellt und wie der Mensch nach ihrem Methoden ebenfalls Humus herstellen kann. Diese Erforschung hat R. H. Francé, auf den die ersten Resultate zurückgehen, 10 Jahre, mich aber an die 46 Jahre Arbeit gekostet.

Schließlich aber gehört zu diesem Kapitel wenigstens eine kurze Übersicht der gebräuchlichsten Lithobiontengruppen, die beinahe alle Ubiquisten sind, und die gewissermaßen den Grundstock für eine lokale und oft fluktuierende Spezialgruppe bilden, die mehr vom Klima und äußeren Verhältnissen abhängig ist.

In Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien würde demnach ein Querschnitt durch diesen mikrobiellen Grundstock etwa so aussehen:

Bakterien:

Azotobacter chroococcum und var.
Granulobacter ver.
Clostridium Pasteurianum Win.
Salpeterbakterien var.
Silikatbakterien var.

Blaualgen:

Nostoc spec. in vielen Formen
Gloeothece spec.
Gloeocapsa muralis und spec.
Stichococcus in verschiedenen Formen
Microcystis spez.
Chroococcum infusionum
Chroococcum humucolum
Cystococcus spec.
Protococcus spec.
Palmella miniata und var.
Dasychococcus spec.
Isocystis infusionum
Lyngbia spec.
Blaualgenzellen, solitär lebend, wahrscheinlich teilweise zu autochtoner Mikroflora gehörend.
Oscillatoria tenuis
Oscillitoria princeps
Oscillitoria breves
Phormidium spec. in verschiedenen var.

Autochtone Mikroflora - Nannedaphon,
außerordentlich verbreitete Kleinstform von Mikroalgen und Amöben, noch garnicht klassifiziert.

Diatomeen:

Cymbella nobilis
Synedra ulna
Synedra acus
Rhoicossphenia curvata
Epithemia sp.
Eunotia sp.
Diatoma vulgaris
Navicula sp. und var.
Nitzschia sp. und var.
Hantzschia sp. und var.
Gomphonoma sp.

Grün- und Fadenalgen:

Ulothrix sp. und var.
Microspora amoena und var.
Stigeoclonium sp.
Chlorella sp.

Flagellaten:

Phacus pleuronectes und sp.
Bodo sp.
Scenedesmus quadricauda und var.

Amöben:

Vahlkampfia limax
Vahlkampfia guttula
Geococcus vulgaris Francé

Nematoden:

Dorilaymus sp.

Ciliaten:

Strombidinopsis gyrans
Halteria cirrifera

Mikropilze:

Aspergillus niger
Actinomyces sp., bevorzugt Nocardia sp.

Grüne Kokken:

sind in den meisten Arten, of vikarierend, vorhanden.


Überhaupt bilden sich fast überall lokale Biozönosen aus, deren Zusammensetzung von der Umwelt, also von Klima, Wasserversorgung, Bodensalzen etc. abhängig ist.

Als pH kann durchschnittlich, gewissermaßen als Normalzahl, pH 7 gelten.

Das Schema der mechanischen Mineralaufschließung betrifft stets die Zersetzung glatter, kristalliner Flächen. Sie beginnt mit einer gleichmäßigen Aufrauhung, aus der sich dann verhältnismäßig schnell etwas wie eine Wabenbildung entwickelt. Dadurch wird der autochtonen Mikroflora oder einzelligen Grün- oder Blaualgen die Ansiedlung erleichtert. Sie lassen sich in den flachen Vertiefungen teils einzeln, teils zu mehreren nieder und kleben sich unten an den Seiten fest. In ihre Kolloidränder werden stets auch winzige Kristallsplitter mit aufgenommen. Auch auf ihnen setzen sich grüne oder fluoreszierende Kokken oder Stäbchen der autochtonen Mikroflora fest, die nach einiger Zeit diese mineralischen Absprengsel völlig aufzehren.

Erst diese Umwandlung macht sie für die Wurzeln einer Großpflanze aufnehmbar. Häufig wird dabei chemisch reines Calzium oder Silizium ausgeschieden, das sich - aber nicht immer - zuweilen sich oben als Kruste ablagert. Bei fast allen Gräsern werden Kalk und Kieselsäure zur Abstützung der Halme verwendet. Man kann das sehr gut sowohl am Weizen, vor allem aber am Schilf und am Mais sehen. Der letzere bedient sich gegen die allzu grelle Besonnung übrigens auch einer silbrigen Feinbehaarung, die aus zarten Siliziumröhren besteht. Sie sind reinstes Glas, wahrscheinlich aber auf dem mexikanischen und peruanischen Hochflächen ein unentbehrlicher und sehr wirksamer Strahlenschutz.

Anorganischer Phosphor, der aus Apatit ausgefällt wird, tritt in die plasmatische Kette ebenfalls durch Mikroben ein, die ihn teils für sich selbst verwerten, teil als Überschuß an die Pflanze durch deren Wurzel- und Wurzelhaarzooglöen weitergeben. Auf demselben Weg wird Magnesium aus Olivinen, Chloriden und Glimmer frei. Überall bilden die Lithobionten die Brücke vom Mineral zum Lebensstoff, auch dort, wo dieses als Infusionen in den Saftdruck des Pflanzengewebes eingeleitet wird. Das gleiche gilt für Bodenmetalle, die nicht selten in Atomform eingelagert werden und für Spurenelemente. Wie weit diese "funktionelle Dosierung" reicht und wodurch sie gesteuert wird, dafür fehlt uns noch heute jeder Begriff. Wir wissen nur das eine: Alle Verwendung von Mineralien und Metallen im Fruchtfleisch, Samen. Blüten, Holz, Bast, Stengeln und Wurzeln, beim speziellen Um- und Aufbau von Früchten, bei der Keimung und Sproßbildung geht über die Lithobionten, welche sozusagen für das Anorganische und unendlich viele Formen die Pforte ins Leben sind.

Eine ganz besondere Rolle spielt hier der Lebensbaustoff Schwefel, bei dem man mit Recht von einer überaus variablen "bodenbiologischen Phase" sprechen kann. Die Transporte in und aus der Zelle gehen hier meist durch Osmose - so wie übrigens auch bei Natron und Kali. Aus seinen verschiedenen Aggregatzuständen wird der Schwefel meist als Schwefelsäure herausdiffundiert, die auch frei in allen vulkanischen Gesteinen, in Sanden und sogar oft noch in Aschen enthalten ist. Durch eine Auswahl von Schwefelbakterien, die sehr unterschiedlich arbeiten und manchesmal eine Vorstufe für die Lithobionten bilden, wird das atomare Siliziumgerüst von Schwefel geleert und in einen sogenannten "Atomschwamm" verwandelt, der seinerseits wieder der völligen Auflösung durch Lithobiontenbesiedlung verfällt.

Die gewonnene und zum Teil schon wieder frei gewordene Schwefelsäure dient zur biochemischen Zersetzung erodierter und auch noch nicht erodierter Gesteine. Aber irgendwie wird sie immer durch die Lithobiionten in den großen und zeitlosen Schwefelkreislauf mit eingebaut, der auf der mikrobiellen Stufe ausschließlich durch Biozönosen, niemals durch Reinkulturen einzelner Organismen gesteuert wird. Ob in den gebildeten Zooglöen dann Roicosphenia curvata oder Navicula mutica oder sonst eine Diatomee, eine Grünalge oder Blaualge überwiegt, ist von untergeordneter Bedeutung. Ständig wechseln sich die einzelnen Arten aus, erfüllen diese unzähligen Liliputlebensräume oder verlassen sie. Wir können noch lange nicht in die letzten bestimmenden Ursachen hineinsehen. Die Welt der speziellen Kleinfunktion, auf die sich erst die Zonen von Mensch, Tier und Pflanze aufbauen, ist in ihrer Vielfältigkeit kaum durchschaubar. Durch chemische Analysen allein ist sie völlig unverständlich, weil der Zusammenhang und damit die Ursache und Wirkung garnicht sichtbar werden.

Die Lithobionten sind jene Gruppe von Mikroben, mit denen die Humusbildung beginnt. Sie sind - davon konnten wir uns überzeugen - eine auf vielen Biozönosen beruhende Formation. Aber sie sind nur eine Phase. An sie angeschlossen ist die nächste Formation, die vom organischen Zerfall bis zum organischen Wiederaufbau reicht. Erst beide zusammen ergeben jenen in sich geschlossenen Kreislauf, in welchen alle Erscheinungen von Leben und Tod, von organischer und anorganischer Materie zeitlich und räumlich eingeordnet sind. Es scheint eine Eigentümlichkeit des Plasmas zu sein, daß es wo immer danach strebt, zu unhaltbaren Maxima zu gelangen, und daß es sich aus freien Stücken nirgens mit einer optimal ausgeglichenen Linie bescheidet. Das war schon vor dem Menschen so und ist es auch heute noch allerorten dort, wo der Mensch nicht hinkommt.

Aber durch die göttlich-teuflische Wesenheit des Menschen sind die Disharmonien innerhalb der Materie und der bisher erlangbaren Energien ins Maßlose gestiegen. Die Ausgleiche haben sich beinahe überall in Auslesen verwandelt. Das bedeutet, daß sie sich in mörderischem Tempo vollziehen, Gewalt gegen Gewalt, ebenso rücksichtslos gegen das Leben wie gegen den Tod.

Was nur wenigen aus meiner eigenen Generation zu Bewußtsein kommt, das ist die Tatsache, daß diese sich bestürzenden und wild zerstörerischen Erscheinungen auch in der fruchtbaren Erde sichtbar werden. Durch sie wird sogar die Fruchtbarkeit, von der wir doch alle existieren und die durch nichts zu ersetzen ist, immer mehr eingeschränkt un zu Formen abgebogen, die keine Dauer haben können. Denn wir haben niemals - und jetzt weniger denn je - begriffen, daß nur durch Dauer die Flüchtigkeit der Harmonie, also gefestigter, von allen Teilnehmern ertragbarer Ausgleiche. Dauer ist aber ein Attribut der Harmonie, also gefestigter, von allen Teilnehmern ertragbarer Ausgleiche. Nicht nur im Irdischen, sindern ebenso im Kosmischen. Höllen wie Himmel sind nur Phasen gestörter oder nicht mehr gestörter Harmonie.


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