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 Betreff des Beitrags: Tafel 3 Vulkanischer Aschenboden
BeitragVerfasst: Sa 23. Apr 2011, 20:19 
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Tafel 3

Vulkanischer Aschenboden in oder kurz nach der Regenzeit oder Schneeschmelze


Bild

Dazu Foto eines vulkanischen Aschenfalles


Hier handelt es sich um eine jener Vorstufen des Humus, die so exstrem sind, daß sie unter natürlichen Umständen kaum oder erst in Jahrhunderten über diese Vorstufe hinauskommen. Es wird kaum je Detritus gebildet, jene feinflockige Materie, die aus einer Zusammensetzung von Kolloiden, Organismuskolonien, Mineralsplittern aller Art, Staubpartikeln besteht, zwischen die sich graue und braune Humussäuren, Staub von Bodenmineralien und Metallen einlagert. Es fehlt natürlich niemals an Spuren organischen und anorganischen Abbaus. Auch die Zivilisation liefert ihre Beiträge als Reste von Ruß, Glas, Textilien, Holz, Plastikstoffen, Lacküberzügen u.ä. Denn das alles fällt pausenlos aus der Luft. Es gibt keinen Teil unseres Gestirns, wo es sich nicht ablagert, gemischt mit kosmischem Gestirnsstaub. Dazu Ammoniak, Phosphorverbindungen, Peptine, Salze aller Art. Bakterien haben sporentragende und nicht sporentragende Formen dazugefügt, viele gehören den Cryptococcus-Arten zu. Mit allen möglichen Kohlehydraten stellen sich die Abbauer aus der Amylobacter-Gruppe ein, dazu Zuckerverzehrer und überhaupt Zellreste, Haare, Dormen Epithelien.

Alles das kann man im Detritus finden und braucht sich also nicht zu wundern, wenn ein Sammelsurium keineswegs zusammengehöriger Mikroben und Mikropilze mitkommt. Und ebenso Eier von Bandwürmern, Nematoden, Rädertieren und Pilzsporen, die sich, soweit es ihnen möglich ist, ansiedeln und trachten, samt Nachkommenschaft die Oberhand zu gewinnen.

Wenn sich organische Substanz aus mineralischen Grundstoffen entwickelt, so findet man zuerst eine Art von Prodetritus, dessen Lebensgemeinschaft zunächst noch arm sind und dessen Individuenzahl beschränkt ist. Sie zeigt noch deutlich die Herkunft von Lithobionten, der nun die viel reicheren Stufen von Erdformen folgen. Hier dominiert noch die Erosion, die durchschnittlich 80 - 95 % liefert, ein noch nicht aufgeschlossenes Material, erst mechanisch zerschliffen und zerkleinert.

Es gibt aber auch einen Prodetritus, aus dem später ein Zellulosehumus wird. Der enthält nur sehr geringfügige Mineralien, dagegen Reste von Wäldern, Fall-Laub, Gras, Schilf, vertrocknete Blüten und Früchten. Da entdeckt man Sämereien, Flughaare, Epidermiszellen, Moos- und Farnsporen. Hefen jeder Observanz und was immer von Pflanzenresten lebt, hat hier ein Asyl. Mitunter mischt sich der eine Detritus mit dem andren, und es entsteht dann daraus eine Art Frühhumus, nicht ausgeglichen, aber überaus tätig.

Aschenböden von Vulkanen stehen aber außerhalb dieser Entwicklungslinien.

Ihr Entstehen ist immer derselbe Vorgang. Nachdem die Lava, die glühenden Steinbomben - man nennt sie Lapilli - und die Bimssteine den Krater verlassen haben, fällt als letztes ausgebrannte Asche weiß wie Schneee auf die Flanken des feuersspeienden Berges nieder. Sie besteht aus völlig ausgebrannten Silikatsplittern, denn nur Silikate überdauern eine Brandhitze bis 3 000 Grad. Alles übrige an Gesteinen, vor allem die Kalke, verbrennt spurlos.

Diese vulkanischen Aschen sind fast körperlos leicht und steigen zuweilen wie zarte Wolken hoch ins Himmelblau hinauf. Der Wind trägt sie weg und verstreut sie oft weit über Ebenen und Hügel. Beim Niedersinken haften sie zumeist in Gestalt kleinster, gewichtsloser Flöckchen aneinander. Dann sind sie nicht mehr weiß, sondern bleich gelblich, manchmal auch etwas hellgrau.

Wo sie sich niederlassen, decken sie nicht nur die Vulkanflanken, sondern oft unwahrscheinlich ausgedehnte Gebiete. In Ländern, die so reich an feuerspeienden und offenbar seit Jahrtausenden tätigen Vulkanen sind wie Mexiko oder Japan, werden fast immer die Aschen aus mehreren Ausbrüchen oder zusammen eruptierenden Kraterketten ünbereinander gehäuft. Sie füllen flache Täler oder sie geringen Einsenkungen dazwischen sich erhebender Lakkolithe oft ganz aus. Regengüsse schwemmen sie zusammen. Aber lange noch fächern sie die Winde immer wieder auseinander.

Über dem Warmbad Gleichenberg in der südlichen Steiermark stehen zwei erloschene Krater, verbunden durch ein schmales Hügelbnd, die sogenannten "Gelichenberger Kogeln". Es heißt, die ersten Römer, die in Germanien eindrangen, hätten noch etwas davon in Tätigkeit gesehen. Dort habe ich an den Wänden, die nur sehr karg bewachsen waren, Aschennester ausgegraben, die kaum handbreit unter der Oberfläche lagen. Sie waren beinahe noch ganz weiß, locker und teilweise wie frisch gefallen. Dabei ist es fast sicher, daß diese jungtertieären Vulkane immerhin erst seit ca. 3000 Jahren wenigstens teilweise erloschen sind. An den Aschennestern war keine Spur fortgeschrittener verwitterung zu entdecken.

In Mexiko haben die indianischen Völker für solche Aschenböden ein besonderes Wort geprägt. Sie heißen "Tepetate". Dort liegt die Tepetate bis zu 600 m hoch geschichtet. Durch Eigendruck hat sie sich zu lockeren, brüchigen Wänden verfestigt, die aus tief ausgewaschenen, trockenen Canions senkrecht aufsteigen. Höchstens hebt dann und wann ein verstaubter Mimosenbusch sein sharfes, von kleinen Fiederblättchen umspieltes Gedörn. Sonst finden sich allenfalls graue oder dunkelbraune Erdflechten und mißfarbene Trockenmoose. Die letzteren, zu den Rentiermoosen, den Cladonia-Arten gehörig, sind in der Trockenzeit meist so dürr, daß sie bei leiser Berührun schon wie starre Glasfäden brechen.

Das mikroskopische Bild zeigt jene schon erwähnten Aschenwölkchen, die jedoch nicht aneinander haften. Überall ist leerer Luftraum. Einzelne lange Silikatsplitter sind fächerförmig zusammengeklebt. Nicht überall, aber durchaus nicht selten, liegen dazwischen Liliputkristalle farbiger Edelsteine oder Halbedelsteine, die ursprünglich im Muttergestein von Graniten und Glimmerschiefern eingebettet waren. Sogar auf glänzenden, schwarzgrauen Antimon kann man zuweilen stoßen.

Die Erosion ist hier gleich Null. Der Regen läuft ungehindert durch die lockere Masse hindurch. Die staubtrockenen Aschenschichten hindern ihn durch eigene Elastizität, an allen Punkten in sie einzudringen. Es gibt auch nur verschwindend geringe Lithobionten. Der edaphische Bestand ist überaus arm. Man kann die Einzelindividuen zählen. Ein wenig Silikatbakterien, blaßgrüne Blaualgen in ihren Zooglöen, das eine oder andere Phormidiumfädchen, dünn und beinahe farblos wie eine Pilzhyphe. Man kann überhaupt noch von keiner Biozönose sprechen. Alles ist ein Anfang eines unsagbar kärglichen Mikrobenlebens. In diesem Zustand ändern Jahrhunderte so gut wie nichts.

Ein dreijähriger Junge weiß, daß man auf Tepetate nichts anpflanzen kann. Das einzige, wozu sie überhaupt verwendbar ist, sind die Adobeziegeln für den Bau von kleinen Hütten und kleinen Häusern. Da benützt man als Bindemittel Tier- oder anderen Mist, verknetet alles, und daraus wird in kleinen, sehr primitiven Öfen alles mögliche an Bausteinen gebrannt. Aber die Hitze ist nicht allzu groß. Wahrscheinlich hängt es mit dieser Art von Urväterherstellung zusammen, daß kein Adobehaus länger als bestenfalls 50 Jahre bewohnbar ist. Dann wird es baufällig, begrünt sich trotz Anstrich und zerfällt. Die Mikroben nehmen davon Besitz. Solche Adobemauern sind beinahe klassische Lithobionten-Reinkulturen.

Wo immer ein Land oder ein Kontinent überwiegend vulkanisch ist, dort liegt die fruchtbare Erde unter den Ascheschichten. Man kann sie nicht erreichen, auch wenn die Bedeckung nicht allzu hoch ist. Und sogar wenn man sie erreichen könnte, hat man es mit einer naturverbrannten Erde zu tun. Ein anschauliches Beispiel dessen, was geschieht, wenn Angreifer damit drohen, nur noch "verbrannte Erde" bei ihren Rückzug zurücklassen zu wollen. Hier ist es die Natur, welche ihre eigene Fruchtbarkeit vernichtet hat und immer wieder vernichtet.

In der Erdgeschichte handelt es sich freilich für gewöhnlich nicht um nennenswerte Epochen. Spezifizieren läßt sich die Zeit allerdingds nur selten. Vom Vesuv weiß man, daß er vor dem großen Ausbrruch, der Pompeji zerstörte, 200 Jahre lang überhaupt nicht mehr als feuerspeiender Berg galt. Wälder deckten seinen Krater, in den man Viehherden zum Weiden hineintrieb. Dabei muß man wohl doch annehmen, daß auch im Krater von früheren Ausbrüchen her es an Aschenschichten nicht gefehlt haben dürfte.

Unter natürlichen Umständen verwittern Aschenböden nur äußerst langsam. Licht und Luft fehlen den Lithobionten, die allein für diese Arbeit in Frage kommen, zwar nicht. Aber während der heißen, trockenen Zeit durchhitzen die Böden, so daß auch die letzten Reste von Feuchtigkeit dabei verloren gehen. Und während der Wolkkenbrüche der Regenzeit wird infolge der Heftigkeit der Niederschläge alles weggeschwemmt, da ja die kolloidale Bindung, die Bodenkrümelung, nicht vorhanden ist. Tepetateböden - oder wie sie anderswo sonst heißen - sind ein Fluch der Landschaft, für den es in der Natur kaum eine Hilfe gibt.

Anders stehen die Dinge, wenn man die geeigneten Lithobiontenkulturen zur Bodenverbesserung anwendet. Ich habe vieler solcher Versuche, teils im Laboratorium, teils im Freiland unternommen. Mit einer von mir ausgearbeiteten Organismengruppe, die als Produkt "Petrofil" heißt, und die überaus aktiv sich auswirkt, gelang es, während der Vegetationsperiode des Mais, die in Mexiko heute 7 - 9 Monate beträgt, eine Humifizierung der obersten 20 cm Tepetate zu erreichen. Der Boden, der sich neu gebildet hatte, war freilich immer noch sehr mineralisch, aber er war jedenfalls ein Boden und keine Tepetate mehr. Ihn konnte man erfolgreich mit Humus verbessern, wenn man nicht die Behandlung mit Petrofil noch ein Jahr lang fortsetzen wollte. Ich zog auf solchen verbesserten Böden kurzwurzelige Kulturpflanzen, Mais, Hafer, sogar Weizen und Buchweizen. Sie gediehen, fruchteten und verbesserten durch ihre Wurzelausfällung ihrerseits diesen "werdenden Humus".

Eine andere Hilfe gibt es nicht. Mistdüngung nützt ebenso wenig wie Düngung mit Nährsalzen. Weder das eine, noch das andere wird in erwünschtem Ausmaß aufgeschlossen und in organische Substanz überführt. Die Organismen, die dazu notwendig sind, fehlen in Gänze. Nicht einmal mit Ammoniak oder Kupfersulfat erziehlt man nennenswerte Ergebnisse. Sterile Böden sind zwar "Reinböden", aber sie enthalten dafür auch keine Polysaprobieer, die Fäulnis umwandeln.

Ein Aschenboden ist eigentlich ein toter Boden. Die so wichtige Aufschließung stockt hier. Während Lavaböden mit ihrem reichen Phosphorgehalt ausgezeichnete Humusböden liefern und schnell verrotten und biologisieren, ist die Tepetate unergiebig und widerspenstig. Ob ein Jahrtausend genügt, um ohne menschliche Beihilfe fruchtbares Land an ihrer Stelle zu schaffen, ist zum mindesten fraglich, besonders dann, wenn die Schichtung sehr hoch liegt. Auf jeden Fall geht sie bei ihrer Umwandlung weit über die landwirtschaftlichen Fristen hinaus. Es sei denn - wie gesagt - daß man mit den mikrobiellen Arbeitern beschleunigend eingreift. Aber auch dann wäre es geraten, in erster Linie Silikatgewächse zu wählen, die zur Stengelversteifung gerne mit Silikaten angereicherte Bodeninfusionen aufnehmen. Alles, was ein großes Humusbedürfnis hat, kommt auch unter den günstigen Verhältnissen erst dann in Frage, wenn die neu gewonnene Bodenschicht 30 - 50 cm beträgt und schon genügend Bindigkeit aufweist.

Ganz dasselbe gilt für Sandböden, die auf diese Weise verbessert werden sollen. Hier muß, da es sich meist um alte Dünen handelt, obendrein noch der stets vorhandene zu hohe Salzgehalt herabgestimmt werden. Unter europäischen Verhältnissen soll ein Kulturboden nicht über maximal pH 7 - 7,5 haben. In Mexiko ist die Normalzahl, an die Mikro- und Makroflora angepaßt sind, pH 8.

Bei der biologischen Humifizierung verhalten sich die Reste von Sedimentation und Vulkanismus ähnlich. Das sollte sich jeder Agronom merken.

Tafel 3

Vulkanischer Ascheboden

(In Mexiko "Tepetate" genannt) kurz nach der Regenzeit

Schwache Besiedlung. Winzige Größe der einzelnen Organismen. Mineralische Splitterchen dazwischen.
Halbedelsteine: Granat, Türkis, Bergkristall, Topas, auch brauner Feldspat.
Schwarzer Eisenkies. Lange Silikatsplitter, fächerförmig verklebt.

In der geringen Besiedelung finden sich:

Gloeocapsa sp. als Lager
Phyllomonas sp., charakteristischer Flagellat
Gestielte unbestimmte Rhizopode
Stichococcus bacillaris
Gloeocystis Schoeterii
Chroococcum humicola
Phormidium sp.
Gloeococcus mucosus
Silikatbakterien, grünfluoreszent
Autochtone Mikroflora, nur Klein- und Kleinstformen
Hyaline Cyste oder Spore
Kleine Kolonien von Stäbchenbakterien

pH 6


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