Forum für die kritische Würdigung
Forum for critical appreciation
Forum pour une appréciation critique
Foro de apreciación critíca
Aktuelle Zeit: Di 26. Sep 2017, 17:30

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: Do 21. Apr 2011, 22:17 
Offline

Registriert: Fr 6. Aug 2010, 10:30
Beiträge: 24
Tafel 40

Nicht nur der Mensch, auch die Natur bringt Wüsten hervor

Dazu Foto aus der Sahara mit Sandwellen und langen Rippelmarken


Wodurch entstehen überhaupt Wüsten?

Wie bei allen irdischen Großerscheinungen sind auch am „Problem Wüste“ eine ganze Reihe von Faktoren beteiligt, die wie die Glieder einer Kette ineinander greifen und voneinander abhängig sind. die Hauptursache – daran kann niemand zweifeln – ist aber das Absinken des Grundwasserhorizontes. Das ist ein Prozess, der rasch gehen, der sich aber auch Jahrtausende lang fortsetzen kann. Vielleicht ist es am anschaulichsten, sich einige wichtige Tatsachen zu vergegenwärtigen:

Im westlichen und zentralen Australien erreichen die „Nullarborwüste“ und die „Grandsanddesert“ mit ihrem Ausläufern nach Westen und Süden erst in über 1000 bis 600 m tiefe Grundwasser. Etwa dieselben Verhältnisse treffen für die mittlere Sahara zu. Von der Wüste Gobi gibt es verschiedene, teilweise einander wiedersprechende Angaben. Wahrscheinlich steig und fällt aber der Grundwasserhorizont, da im Lob nur sich eine ausgedehnte Wasserfläche befindet. Soweit die Kalahari überhaupt untersucht wurde, dürfte es sich dort ähnlich verhalten. Von verschiedenen kleineren Wüstengebieten in Indien, Südamerika, Kalifornien und Mexiko besitzt man wenig zuverlässige und übereinstimmende Zahlen. Zusammenfassend kann man sagen, dass wir vom Meer weit bessere Anschauung haben als von den Wüsten der Erde und der Festländer. manche von ihnen sind weder richtig vermessen, noch kennt man die in diesem Fall ganz besonders wichtigen Grundwasserverhältnisse und fast gar nicht die erdgeschichtlichen Ursachen ihres Absinkens. man nimmt jetzt auch an, dass eine Reihe von Wüsten, Halbwüsten und Beinahe-wüsten erst in geschichtlicher Zeit entstanden sind, also offenbar durch den Menschen verursacht wurden. Andere dagegen, die Wüsten der Buntsandsteinperiode und die teilweise riesigen Wüsten der Kreidezeit müssen sich aus erdgeschichtlichen Veränderungen, etwa aus Meerestransgressionen mit nachfolgenden gewaltigen Klimastörungen gebildet haben, und der Mensch trägt keine Schuld an ihnen, denn es gab um diese Epochen noch keine Menschen.

Im Allgemeinen nimmt man gegenwärtig den Verlauf der Wüstenentstehung so an: durch irgendwelche unwiderstehliche und lange sich fortsetzende Faktoren wird die schützende Walddecke zerstört. Das kann, wie gesagt, durch die Abwanderung von Meeren, durch tektonische Verschiebungen, durch Vereisungen, durch die Pol- oder Golfstromverlagerungen oder ähnliches geschehen. Meist bleiben in nicht allzu extremen Fällen zunächst noch die Flüsse und Ströme, überhaupt die natürlichen Systeme der Oberflächenbewässerung als Galeriewälder erhalten. Aber sie genügen keinesfalls dazu, dass sich die notwendigen Niederschläge in der bisherigen Fülle fortsetzen. Sie verringern sich, werden unregelmäßig, und die Trockenzeiten, die oft jetzt erst einsetzen, nehmen an Umfang zu. Die Gras- oder Buschdecke, die zunächst noch vorhanden ist, wechselt sich also notgedrungen dahin aus, dass Weichgräser, Kräuter, großblätteriges Strauchwerk einer Hartlaubflora und sehr resistenten Grasarten weichen, die daran gewöhnt sind, nicht in geschlossenem Verband, sondern in Trockenbüscheln zu leben. solche Zustände kann man an den Rändern der inneraustralischen Wüsten, wo diese in die reine steinige „Glibberwüste“ vorstoßen, sehr gut studieren. dieselbe Erscheinung habe ich in Tripolis, am Beginn der lybischen Wüste und dort gesehen, wo die arabische Wüste Et Ti an das rote Meer angrenzt, also feuchte Luft von den häufigen Stürmen weit über die Ufer getragen wird.

Überall, wo die Pflanzendecke zerreist, verändert sich in katastrophaler Eile die Bodenstruktur. Das Kapillarnetz zerfällt, die organischen Kolloide ebenso wie die mineralischen Kolloide verlieren ihre sichernde Wirkung, die dem Humus die bekannte Schwammartigkeit verleiht und die allein imstande ist, Wasser zu speichern und auch zu kondensieren. Sobald diese Tätigkeit erlischt, ist die nackte Oberfläche dem Wind schonungslos preisgegeben. Die oberste, am reichsten bevölkerte Bodenzone trocknet aus. Algen und Bodenpilze entzystieren und sporofizieren, d.h. sie nehmen jene Form an, die sie befähigt, als Luftedaphon die Unterbrechung ihrer Lebensfunktionen zu überstehen. Nun setzt die Winderosion ein, die für den, der sie erlebt hat, nicht weniger schlimm als die Wassererosion ist. Zuerst von der Oberfläche, dann immer tiefer und tiefer reißt der Wind die ungeschützten gelockerten Bestandteile des Bodens los. Bei gleichzeitiger Entwässerung – und diese Entwässerung kann bis unter 15 – 12 % Feuchtigkeitsgehalt sinken – wird jede lithobiontische Tätigkeit unmöglich gemacht, denn die Mineralsplitter werden durch unaufhörliche Bewegung Tag und Nacht aneinander abgerieben und zu scharfen Kristallen, drei-, fünf- oder siebenkantern zugeschliffen. Jede an ihnen haftende organische Kolonie, und wenn sie noch so gut an der mineralischen Fläche oder Kante festgeklebt war, wird durch dieses ständige gegenseitige Abschleifen vernichtet. Es erhalten sich überhaupt nur freiliegende, durch eine sehr elastische Membran gesicherte Zysten, die leichter als die Mineralsplitter sind und schließlich mit dem Wind davonfliegen.

All dieser organische „Staub“, zudem auch Bodenpartikel, Pflanzenreste und Spuren tierischen Lebens gehören, gelangen nach einiger Zeit bis hinauf in die Passate, kreisen eine Weile mit ihnen um unseren Planeten, erreichen aber niemals die oberen Zonen unserer Troposphäre. Die feuchtere Luft über den Weltmeeren lässt sie endlich langsam absinken. In den ständigen Sturmgebieten unserer Ozeane fallen sie in den salzigen Schaum der großen Wellen und damit gehen sie dem Festland für immer verloren.

Wie weit die Theorie von Arkthenius, der den Lichtdruck zwischen den Gestirnen für stark genug hielt, um allerwinzigste Bakterien – Viren und Bakeriophagen etc. kannte man zu seiner Zeit nicht, doch müsste das auf sie noch weit mehr zutreffen – von einem Planeten zum anderen zu befördern, tatsächlich stimmt, weiß man nicht. Man hat keinerlei Beweise dafür, außer dem einen, dass beinahe alle Einzeller die sog. „Weltraumkälte“, die um 257 ° C liegen soll, ohne Schädigung ertragen. Doch dass ist sicher, dass von dem irdischen Bodenleben Jahr um Jahr ein sehr wesentlicher Teil praktisch völlig verloren geht. Nach einer recht ungenauen Schätzung glaubt man, dass etwa ein drittel des gesamten Edaphons sich ständig als „Luftedaphon“ in der Atmosphäre befindet. Das ist ein sehr hoher Prozentsatz. Auf keinen Fall sollte er sich erhöhen, nach dem ohnedies durch die Bodenbebauung so viele wertvolle und notwendige Bodenmikroben ausgestorben sind. Auch auf den sog. „guten“ Ackerböden, wie viel mehr auf den ausgeplünderten und durch Misswirtschaft zugrunde gerichteten, um die sich niemand mehr kümmert und deren natürliche Regeneration so oft durch den in für die Pflanzenwurzeln nicht mehr erreichbaren Tiefen abgesunkenen Grundwasserstand unmöglich gemacht wird.

Wir leben heute in einer Epoche, in der überall die Wüsten vordringen. Es gibt keinen Kontinent, in welchem nicht eine Zunahme unbebaubarer Gebiete zu verzeichnen wäre. In Europa ist es Spanien und das südlichste Italien, auch weite Strecken des völlig erudierten Appenins, in Dalmatien von Istrien ab der Balkan, Griechenland, Albanien und Teile der europäischen Türkei, in denen durch barbarische Entwaldung auch das Bodenleben auf das stärkste dezimiert wurde. Hier wurde seit der Antike ein Raubbau getrieben, der jeder Beschreibung spottet. Die allerletzten Reste, z.B. der tausendjährigen bosnischen Eichenwälder, vernichtete der zweite Weltkrieg. Und obwohl heute wenigsten versucht wird, nachzupflanzen, ist der Bodenverfall so groß, dass man bestenfalls nur mit einem sehr verlangsamten Nachwuchs der einstigen herrlichen Südlandswälder rechen kann. Und damit mit einem Wiedererwachen der reichen Quellen, die mit dem Humus dahingingen.

Die „man made desert“, die vom Menschen heraufbeschworene Wüste, greift inzwischen immer weiter um sich. In Mexiko, wo ich durch eine bodenbiologische Arbeit von 9 Jahren die Verhältnisse gut genug kenne, waren es an die 40 % Wüsten, die seit der spanischen Eroberung entstanden sind. Ähnliches darf man von Nord- und sogar von Mittelafrika annehmen. In Südamerika gibt es unter schönsten, wärmsten Klima endlose verwüstete Strecken. Wenn wirklich die geplante Aufteilung der Hylea und der Tocantins, beide im Stromgebiet des Amazonas, durchgeführt wird, so ist zu befürchten, dass sich durch das Fortfallen des Urwaldschutzes Wüsten von ungeahnten Ausmaßen bilden. Auf der ganzen Erde ist das Pflanzenleben noch weit mehr als das Tierleben bedroht, und am meisten das Bodenleben, für das es überhaupt keinen Schutz gibt. Denn erst der geringste Teil der Menschheit hat sich zu der Erkenntnis durchgerungen, das ausschließlich von ihm, seiner Erhaltung und seiner richtigen Zusammensetzung das Leben auf unserem Planeten abhängt.

Trotz alledem wird sich die Menschheit gezwungen sehen, in absehbarer zeit eine Wiederbegrünung der Wüsten in Angriff zu nehmen. Denn auch für den Menschen engt sich der Lebensraum immer mehr ein, schon darum, weil an ihm das Schwergewicht allseitig gesteigerter Bedürfnisse hängt. In dem Masse, als künftig die heute „unterentwickelten Länder“ in den Ring des erhöhten Lebensstandards eintreten, wird abermals ein gefährlicher Schritt zur Raubwirtschaft am Boden drohen. Und wenn heute ca. ein Viertel der Erdoberfläche als Wüste angesehen werden muss, so wird man eben dann auf dieses biologische Niemandsland zurückgreifen müssen.

Jede Landschaftsbildung auf unserem Gestirn ist wandelbar. Keine ist an dem Ort geblieben, an welchem sie entstand. So ist es auch möglich, die Wüste wiederum fruchtbar zu machen, besonders solche Gebiete, die nicht lange noch Wüste waren. Ich weiß, dass das nur eine Frage von Organisation, Zeit, Geld und – nicht zuletzt- Einsicht ist. Aber man muss alle mikrobiellen Kenntnisse und Erfahrungen aufbieten, denn nur über die Bodenlebewelt geht der Weg der Humifizierung. Bewässerung allein genügt nicht. Sie genügt umso weniger, als die tief hinuntergelockerten Sandwannen, aus denen mehr oder weniger alle Wüsten bestehen, unendlicher mengen von Feuchtigkeit bedürfen, weil sie ja nicht imstande sind, Wasser zu speichern. Es muss also über die Lithobionten eine kolloidproduzierende Zone geschaffen werden, aus der nicht alle Flüssigkeit sofort wieder verdunstet. Mit einer „Besäuung“ durch Flugzeuge und einer auf dieselbe Weise durchgeführten Ausstäubung Von Mineraldüngern allein ist gar nichts getan. Denn beides muss erst durch ein besonders angepasstes und leistungsfähiges Bodenleben verarbeitet werden. Sonst fällt alles der Winderosion zum Opfer, noch ehe auch nur ein einziger Halm keimt. Wie überall, war es zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert viel leichter, durch eine ungezügelte Raubwirtschaft gleich einer Geisel Gottes große Teile der fruchtbaren Erde zu verheeren, als es sein wird, vom 20. Jahrhundert ab auch nur etwas von dem einstigen Überfluss der Erde wieder herzustellen. Und darüber hinaus einzusehen, dass richtige Bodennutzung das entscheidende Zünglein an jenem Hebel ist, der die Ganzheit Erde harmonisch oder disharmonisch regelt.

TAFEL 40

Bild
groß

Wüstensand aus der Sahara

Rein mineralischer Bodenrest fast ohne lebende organische Komponente, aus der Gegend von Timbuktu.

Die größeren Partikel sind Karneol, Jaspis, Sardonyx, Achat und Chalcedon.
Der Feinsand besteht aus gelben, weißen und roten Kalksplittern, vermutlich durch Winderosion vom Mokkatamgebirge herüber geweht. Dazu graue und grüne Silikatsplitter wahrscheinlich aus dem Hogar vom Thassiligebirge und auch sonst aus der ganzen Areg. Durch die ununterbrochene Flugsandbildung sind alle Gesteinsreste scharfkantig abgeschliffen. Ständig aneinander zerrieben, können auf und zwischen ihnen Lithobionten keinen Fuß fassen. Infolge jahrhundertelanger Zerreibung entsteht jenes gewichtslose Pulver, das dann länderweit über Gebirge und Seen getragen wird. Es gelangt bis in die Passate hinauf. Ein hoher Prozentsatz wird in das Süßwasser und die Ozeane geweht.

Aus dem Luftedaphon regnen zwar Zysten, Sporen und Eier, aber sie können sich nicht entwickeln.

Hier ein Querschnitt solchen verwehten Lebens:

gelbe, runde Zyste
Amöbenzyste auf Splitter mit 4 einzelnen Zellen
Torulaplatte, weiß
grünliche Zyste, inne weiß
löngliche , bläuliche Zyste
blassgrüne Algenzyste in dickem Kolloidmantel
3 größere, blassgelbe Bekterienzooglön
gelbliche Bakterinzooglöa mit Stäbchen
verschiedene sehr kleine Bakterienkolonien, Kokken in Kolloid gebettet
ovale braune Pilzsporen mit gelben Öltropfen
2 Sporen von Aspergillus niger, schwarz
4 aneinander haftende braune Sporen
leere Schalen einer Phryganella sp.

pH entwickelte sich erst nach längerer Durchfeuchtung und ist meist 5 – 7


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de