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BeitragVerfasst: Do 21. Apr 2011, 22:14 
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TAFEL 39 Der städtebauende Mensch tötet die fruchtbare Erde
The city building man kills the fertile soil

Bild
groß

Toter Boden unter dem Pflaster einer tausendjährigen Stadt
Dead ground under the pavement of a thousand-year-old city

Dazu Foto der Stradun, der Hauptstrasse der tausendjährigen Stadt Ragusa-Dubrovnik
Photo of the Stradun, the main street of the thousand-year-old city of Ragusa-Dubrovnik

Bild

{War selber 1972 dort. Geniales Plaster. Zerstört im "Jugoslawienkrieg". Später restauriert. Wäre Gelegenheit gewesen, erneut mikroskopische Bodenproben zu erstellen.}


Tötung des fruchtbaren Bodens durch Mensch und Natur
Killing the fertile soil by man and nature

Die junge Wissenschaft von der angewandten Bodenlebewelt hat vorderhand noch eine geradezu erdrückende Fülle von Fragen und Problemen vor sich. Als Positivum aber kann sie das eine buchen, das sich mit nicht mehr anzuzweifelnder Sicherheit erwiesen und bestätigt hat: Nur allein die Humifizierung kann uns von der schrecklich zugenommenen Vergiftung unseres Lebens befreien. Weder Chemie noch Technik sind dazu allein imstande, sie können aber wertvolle Hilfsdienste leisten. Allein sie können Mikroben nicht umwandeln, sie können ihr Lebensgesetz nicht ändern, sie können ihre Lebenskraft nicht austilgen, ihre progressive Fruchtbarkeit nicht eindämmen. Nicht humifizierte Abfälle verwandeln sich automatisch in eine nicht mehr kontrollierbare Masse von Infektionen, deren Verbreitung und Ausbreitung absolut unüberschaubar ist. Einzig der Humifizierungsprozess gibt uns die Sicherheit, dass die daran beteiligten Polysaproben wirklich nach seiner Vollendung verschwinden. Denn nach der uralten Ordnung, in der er verläuft, wird die jeweils vorher tätige Gruppe von Abbauern von ihren Nachfolgern vernichtet, d.h. aufgefressen oder so völlig ihrer Lebensbedingungen beraubt, dass sie nicht mehr in der kurzen Lebensfrist, die ihnen zu Gebote steht, zur Vermehrung kommen. Dadurch tritt jene natürliche Dezimierung ein, die zu allen den irdischen Auslesen gehört. Denn nur auf Grund einer solchen Auslese wird aus dem Tod und den nicht mehr funktionsfähigen Resten, die er zurücklässt, wieder neues Leben, das an seiner richtigen Stelle abermals in den zeitlosen Kreislauf eintritt. Wir wissen aus vielen Untersuchungen, dass tatsächlich sowohl die giftigen Stoffe wie die giftigen Zersetzer im Humus nicht mehr vorhanden sind. Denn es gibt eine Selbstreinigung des Bodens, ebenso wie es eine Selbstreinigung des Wassers gibt. Durch sie wird ein oligosaprober Zustand erreicht, also eine Biozönose, die bevorzugt aus Aufbauern besteht, die sich durch die Photosynthese aus eigener Kraft ernähren. Sie lebt nicht mehr vom Tod, wohl aber schafft sie neues Leben, das wiederum neue Körper ähnlicher Art aufbaut. In einer solchen Umwelt können jene Lebensgemeinschaften, die ausschließlich von der Fäulnis existieren, nicht mehr ihr Auskommen finden. Vor allem aber steht die schreckliche Maschine ihrer Massenvermehrung still, die ausschließlich auf die durch Zerlegung vereinfachte Phase hochmolekularer Stoffe angewiesen ist.

Man kann sich diesen großen und in seiner Zweckmäßigkeit gar nicht genug zu bewundernden Ablauf niemals zu oft ins Bewusstsein rufen. Denn nur von ihm aus versteht man die astronomische Vielfalt ineinander verketteter Geschehnisse, die zwischen plasmatischem Aufbau und Abbau, kürzer gesagt, zwischen Leben und Tod liegen.

Die Massenverwüstung der im zweiten Weltkrieg zerbombten Städte hat uns mit dem Bild von deren Untergrund vertraut gemacht, dass viele Generationen ihrer Einwohner vorher niemals gesehen haben. Und nachdem die Trümmer zuweilen ein Jahrzehnt lang offen lagen, konnte sich jedermann davon überzeugen, was aus ihnen wurde und wie es aus ihnen wurde. Der Vergleich mit den sorgsam gepflegten öffentlichen Anlagen, den Gärten und Parks war erschreckend. War das der selbe Boden, auf dem früher Magnolien, Rosen, Flieder und alle möglichen Blumenparketts so üppig und farbenfroh blühten? Jetzt sah man armselige Grasbüschel, die schnell im Sommer vertrockneten, Disteln, Melden und Brennnesseln. Dazwischen war Sand, von Steinen durchsetzter Unrat, und allenfalls schoss nur mit mageren, chlorotischen Blättern eine kleine Kastanie auf, Nachkomme jener wunderschönen, breitkronigen Bäume, die einer friedlicheren Zeit ihren Schatten gespendet hatten.

Die meisten sagten sich natürlich, dass dieser ungute Zustand durch alle die Trümmer von Pflaster, Häusern und Wohnungen hervorgerufen sei, die bis zur Unkenntlichkeit darauf und darunter lagen. Dem ist aber nicht so. Ich habe in mehreren Städten solche Stadtböden untersucht, und ich habe im Mikroskop die Wandlung, die mit ihnen vorging, genau verfolgt. Sie war bei weitem nicht so groß, als ich nach meiner Kenntnis der Arbeit der Lithobionten im Gebirge hätte erwarten können. Der Zerfall von Ziegeln und Beton in mehr oder weniger feinkörnigen Sand war großenteils nach der Wirkung des Luftdruckes auf die festesten Mauern zuzuschreiben. Aber dieser „Vernichtungssand“ war sehr schlecht besiedelt. Er war meist kaum korrodiert, und die erste Lebewelt der einzelligen Blaualgen sah sehr spärlich aus. nach drei und vier Jahren ging die Bildung des ersten Dedritus immer noch im Schneckenschritt. Grub man abwärts, um das eigentliche Bodenniveau frei zu legen, so fand sich auch da nur wenig Erde. Alles in allem zeigte ein solcher Straßenboden, auch wo er nicht all zu hoch verschüttet war, das unverkennbare Bild eines sehr unfruchtbaren Ruderalbodens, etwa gleich dem von alten, aufgelassenen und arg verschmutzten Baustellen, wie man sie immer wieder am Stadtrand trifft. Bodenbiologisch sind sie so ziemlich das trostloseste, das man sich vorstellen kann, ein anklagendes Dokument dessen, was unvernünftige Behandlung, eigentlich Misshandlung, aus der fruchtbaren Erde gemacht hat.

In meinen Notizen und Protokollen finden sich Dutzende solcher Untersuchungen und Skizzen, erschütternd in ihrer Eintönigkeit. Was mir dann die städtischen Gärtner erzählten von der Mühe, die es kostete, aus solcher Wüstenei wieder einen auch nur halbwegs brauchbaren Boden zu machen – das bestätigte mir meine eigenen Beobachtungen.

Allerdings wusste ich damals schon Bescheid darüber, dass unweigerlich die Stadt alle aufbauenden Qualitäten eines Bodens tötet. Wenigstens unsere historischen Städte, die ein geschlossenes Straßenbild haben, innerhalb dessen die Jahrhunderte ständig Häuser aufrichteten und ebenso ständig wieder einrissen. Wenn sich freilich jene geplanten Städte der Zukunft durchsetzen, bei denen die Wohnviertel aufgelöst sind in Rasenplätze und Blumenbeete, zwischen denen licht- und lüftungsreiche Terassenbauten stehen, dann wird der Begriff „Stadt“ nicht mehr gleichbedeutend sein mit dem Begriff „toter Boden“.

Ich habe diesen toten Boden in Ragusa – Dubrovnik kennen gelernt, wo wir vierzehn Jahre lebten. Das ist eine tausend-jährige Stadt, deren Beginn noch aus dem verschollenen Großgriechenland herrührt, die ein glückliches Klima besitzt, nie industrialisiert war, nie zur Großstadt heranwuchs, ein subtropisches Meer, die Adria, an ihren Ufern hat und die, abgesehen von Erdbeben, niemals durch Menschenhand zerstört wurde. Sie hat auch niemals das Schicksal von Karthago erlebt, das so wie Troja mindestens siebenmal erobert, niedergebrannt, zertrümmert und schließlich auf dem Brandschutt neu aufgebaut wurde. Denn dort kann man den Ruin des Bodens ein paar hundert Meter tief verfolgen, bis man endlich auf den lange schon gestorbenen Grund des einstigen Landes stößt.

Das alles ist in Dubrovnik nicht geschehen. Seine Stradun, die in Richtung der Küstenlinie verläuft, ist mit großen, hellgrauen Kalkplatten belegt, die noch während unseres Aufenthaltes dort nach ca. hundertfünfzig Jahren ausgewechselt werden mussten. Francé übernahm es, die Erde darunter edaphologisch zu untersuchen. Das Resultat dieser Untersuchungen zeigt die Tafel 39.

Auch hier lag ein „gestorbener Boden“ vor. Er sah freilich ganz anders aus wie jener „gestorbene Boden“ auf Tafel 20. Er hatte ursprünglich aus pulverfeinem gelben Kalksand bestanden, mit Splittern von Schwammnadeln, Muscheln und zerfaserten Holzresten. Es gab auch die charakteristischen langen, scharfen Silikatabsprengsel, die wohl das Meer einmal ausgeworfen hatte. Aus der menschlichen Zivilisation stammte ein Mehlkorn, ein Wollfaden, ein bräunliches Bruchstück von einem Menschenhaar, auch verschiedene gefärbte und ungefärbte Glasstückchen. Dazu eine Russflocke, vielleicht auch ein Rest von Nadelholz. Die Natur hatte nur sehr wenig dazugegeben. Hauptsächlich waren es Zysten und Pilzsporen, ein Bündel weißer Schwefelalgen, ein paar Fäden von Bact. mykoides und an drei Zellenreihen eines vertrockneten Grasblattes eine winzige Kolonie von Bact. cellulosae-dissolvens, jener obligat anaeroben Zelluloseabbauer, angeheftet.

Sonst nichts.

Also auch hier ein toter Boden.

Und dabei war es derselbe Boden, der in den Gärten und im einstigen Stadtgraben Palmen, Orangenbäume und Feigen trug, auf dem die alten, schon im Januar blühenden Mandelbäume wuchsen und das ganze Jahr durch Rosen dufteten. Aber auch hier war das Leben ausgetilgt, denn das alles ist ja kein Leben, sondern nur seine sehr kümmerlichen Spuren. Auch die leeren Diatomeen – und Rhizopodenschalen hatten höchstens, obschon rezent, den Wert von fossilen Rückständen.

Von der Landwirtschaft aus hat man der Kultur von heute bereits den Vorwurf gemacht, dass sie für Autostrassen und Verkehrsknotenpunkte zuviel Boden aus dem zur Bebauung geeigneten Ackerboden herausschneidet. Dieser Vorwurf besteht zurecht. Allerdings besteht auch der Straßenbau zu Recht, nachdem sich nun einmal ein derart intensiver Überlandverkehr eingerichtet hat, auf den bereits das persönliche Leben und die Wirtschaft abgestimmt sind. Was aber bei dieser Tatsache, bei der wieder einmal jeder Teil Recht und jeder Teil Unrecht hat, besonders schwer ins Gewicht fällt, ist eben dies, dass unter einer festen Strassendecke der Boden abstirbt, dass sich seine Struktur – und nicht allein durch den ständigen Wagendruck – vollkommen ändert, dass das Bodenleben erlischt, und sich allerhöchstens halbe oder ganze Polisaprobier einstellen, in denen man eine Quelle gefährlicher Infektionen sehen muss. Da der Durchschnitt der in Frage kommenden Behörden so gu wie nichts von solchen Konsequenzen weiß und wissen kann, so werden sie auch gar nicht in Betracht gezogen. An diese Stelle muss aber einmal darauf aufmerksam gemacht werden. Denn von hier aus können sich Bedrohungen des Bodenlebens entwickeln, deren Folgen – weil man ja gar keine diesbezüglichen Erfahrungen besitzt ganz unübersehbar sind.

Alle unsere Erfahrungen münden darin, dass es mit viel Zeit und großen Schwierigkeiten verbunden ist, einen verwüsteten, abgestorbenen, seines natürlichen und arbeitsfähigen Bodenlebens beraubten Boden wieder fruchtbar zu machen. Die Unwissenheit, die heute noch in weiten Kreisen über die mikrologischen Vorgänge bei der Humifizierung herrscht, hat ohnedies dazu geführt, durch Verjauchung, Berieselung mit Kanalwässern, Überschüttung mit Müll und Stallmist, durch übermäßige Anwendung unbelebter Düngesalze unserem bebauten Boden einen Teil seiner ursprünglichen Fruchtbarkeit zu nehmen. Wenn man ihn nun noch viele kilometerweit abtötet, in dem man ihn durch eine undurchlässige Decke von Licht, Luft, Regen und den lebensnotwendigen Bedingungen des Edaphons absperrt – so muss das eine neue und schwerwiegende Beeinträchtigung unserer Versorgung mit Nährmitteln und natürlichen Rohstoffen bedeuten. Nichts wäre so unentbehrlich, als Perspektiven dieser Art sehr ernsthaft zu erwägen und in alle Planungen für Verkehr und Städtebau mit ein zu beziehen. Es ist die Pflicht eines erfahrenen Bodenbiologen, rechtzeitig darauf aufmerksam zu machen, denn er allein kann erkennen, welche neuen und schwer überwindbaren Schwierigkeiten im Begriff sind für die künftigen Generationen geschaffen zu werden.

Die jugoslawische Stadt Ragusa-Dubrovnik erneuerte ihre alte Hauptstrasse „Stradun“, deren Pflaster seit hundertfünfzig Jahren nicht mehr geändert wurde. Dieses Pflaster bestand aus großen, fest ineinander gefügten kalksteinplatten. Die Erneuerung geschah im Jahre 1937. Die Stadt selber entstand vor mehr als 1000 Jahren, war zuerst ein Fischerdorf, das Lave hieß und gehörte dann „Epidaurus“ lange zu Großgriechenland. Die hier dargestellte Probe wurde zugleich nach der Entfernung der Pflasterplatten entnommen und untersucht. Da die Stadt direkt über und an der Küste der Adria liegt, so war der Boden ein feinkörniger, gelber Lehm, mit Sand gemischt. Größere Lebensspuren, Muschelschalen etc. fanden sich nicht. Der Boden war gewissermaßen mumifiziert, da die Stradun offenbar schon in der frühsten Zeit Hauptstrasse der einstigen Stadt gewesen war.

Der anorganische Bestand sah so aus:
pulverartiges Lehmbett aus gelber, stark korrodierter Kristallstruktur.
weiße Kalksplitter
lange Silikatsplitter
1 rotbrauner Feldspatsplitter
1 grünlicher, scharfkantiger Glassplitter
1 Partikel von Schwefeleisen

Organischer Bestand:
1 blauer Wollfaden
1 bräunliches Bruchstück von einem Menschenhaar
1 abgebrochene Schwammnadel
1 Stückchen Föhrenrinde (von der dort einheimischen Pinus maritima)
1 Splitter von Nadelholz mit Hoftüpfeln
2 vertrocknete Nadelholzpollen
1 Mehlkorn (Roggen oder Weizen)
1 leere Diatomeenschale (Achnantes sp.)
1 leere Rhizopodenschale (Trnema enchelys)
1 Partikel eines vertrockneten Gras- oder Getreideblattes

Anabiotischer Zustand von Mikroleben:
3 kleine längliche Zysten
1 größere Zyste, bläulich
1 kleinere Zyste bläulich
1 Doppelspore, braun, mit Öltropfen
2 helle, ovale Doppelsporen
1 große, rotbraune Moosspore
1 kleiner Sporenhaufen, vielleicht von Actinomyces
4 detritusartige Flocken organischer Herkunft

lebende Mikroben:
Beggiatoa alba, ein Bündel langer Fadenzellen
Bact. mycoides, an einen Flocke angeheftet
Bact. cellulosae – dissolvens in kleiner kolloidaler Kolonie an einem Grasblatt

pH 5, wahrscheinlich durch stets wiederholtes Auswaschen von heftigen Regengüssen als Entsalzung entstanden
mit teilweiser Benützung der ersten Untersuchungen von R.H.Francé


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BeitragVerfasst: Do 11. Mai 2017, 18:23 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1208
“Asphalt is the land’s last crop.”

Paul Bogard; The Ground Beneath Us: From the Oldest Cities to the Last Wilderness, What Dirt Tells Us About Who We Are
Amazon with "Look inside"
https://www.amazon.de/Ground-Beneath-Us-Oldest-Wilderness/dp/0316342262

I only put this book here because of the above "funny" quote and some other.
There are 1.000+1 books on that subject in centuries up today:
Landscape sealing by pavement, Road construction and urban development, Residential construction Industrial construction, Parking lot construction.
All without any impact on action in daily life.
"once this ground is paved, there’s no going back. As one expert noted .."

I experience this development right in front of my house every day.

“When you walk the ground, which I do a lot, you get very used to feeling it,” she says. “There’s the old saying ‘There’s no such good fertilizer as the farmer’s boot.’ I don’t think you can farm from a car or from a tractor; you have to get out and walk it. Because it’s when you walk it you can feel what’s going on.” She nods back toward the hilltop we first walked. “To me that feels very different to walking a field where the organic matter is gone or the structure is gone. So that sense of feel through our feet, it’s not something I think about, because it’s instinctive. I would never talk about it, but I’m very aware that that’s what I’m doing.”
She looks toward the horizon. “And the other thing I’ve always done,” she says, “is I love to lie on the ground. It’s a very different sensation to lie on earth, a different level of connection .. you feel like you’re part of it at that point.”

KIRKUS REVIEW

An intriguing examination of the ground, which “holds the wild world in place.”

Books about single topics (salt, cod, blood) have become increasingly popular, and environmental journalist Bogard (Creative Nonfiction/James Madison Univ.; The End of Night: Searching for Natural Darkness in an Age of Artificial Light, 2013, etc.) contributes an expert if unsettling account of the “living ground.” In the author’s expansive view, the ground is whatever lies under our feet, and he explores the many ways humans exploit it until, ultimately, they pave it. As Bogard notes, “the amount of concrete being laid every year is probably twenty-five tons for every person in the world.”

In chapters on Manhattan, London, and Mexico City, the author describes life on and under the pavement, chronicling his interviews with activists trying to preserve bits of nature. Much of America’s past remains in the earth; the author toured Civil War sites in northern Virginia and Gettysburg, where bones and artifacts continue to turn up until spreading commerce seals them over. America’s greatest ground cover (after concrete and floors) is grass, a massive consumer of water and pesticides. Bogard also examines abuse below the ground—i.e., fracking. America’s leading crop, corn, grows in what is not so much soil as a chemical soup of fertilizer, chemicals, a nd pesticides free of weeds but also of small mammals, insects, invertebrates, and birds. Ironically, industrial corn farming is a money-loser; our taxes subsidize it. Writers decrying destructive agriculture are required to find and admire an organic farm, and Bogard does his duty. He describes a flock of sandhill cranes, a dazzling sight; however, like all migratory birds, they are dwindling in numbers. The author also interviewed individuals fighting exploitation and traditional native people who constantly demonstrate their respect for nature.

Islands of hope appear regularly in this insightful, wide-ranging, but mostly painful chronicle of our relations with terra firma.

https://www.kirkusreviews.com/book-reviews/paul-bogard/the-ground-beneath-us/

Eclectic collection of anecdotal reports nevertheless with many pointed statements
which tickle the intellectual mind - but will not change anything in the real world.



Annie Francé-Harrar wrote many books and articles about the subject, even with detailed microbiological analysis.

Beside this "Manual of soil life" / Handbuch des Bodenleben see also:

Die letzte Chance. Für eine Zukunft ohne Not.
http://stiftung-france.de/forum/viewtopic.php?f=30&t=46
IV. Kapitel
Gestorbener Boden der Städte
Dead soil of cities
S.375

Man glaube nicht, daß nur der Norden die Schuld an der Verderbnis der
Stadtböden trägt. Auch unter der südlichen Sonne wird ihr Gefüge sowohl
biologisch, als mechanisch einzig durch die Tatsache der Siedlung vollkommen
ihres natürlichen Zustandes beraubt.
Die Stadt Dubrovnik, an der südlichen Adria, an einem der gefährdetsten
der europäischen Bruchränder gelegen, besaß, als sie noch vor den napoleonischen
Umwälzungen die Hauptstadt des Reiches Ragusa war, eine breite,
mit Kalkplatten belegte Hauptstraße. Das letztemal wurde diese stradone
375
vor einigen Jahrhunderten neu gepflastert. Erst wieder kurz vor dem zweiten
Weltkrieg mußte einiges Plattenmaterial ausgewechselt werden, da es bereits
zu abgetreten war. Zu diesem Zweck wurde der darunterliegende Boden
flach ausgehoben. Was kam zutage?
Der gelbe, mit sandigen Aufschüttungen untermengte Boden aus Kalklehm
zeigte zwar nicht die übelriechende Entartung der nordischen Stadtböden.
Gegenüber der umliegenden terra rossa war er jedoch unsäglich arm an
Leben. Von der einstigen organischen Durchprägung waren eigentlich nur
noch uralte Pilzsporen zurückgeblieben, die nur darauf warteten, doch
endlich einmal wieder keimen zu können. Sogar die Fadenbakterien (eine
sehr verkümmerte Ausgabe von vermutlich Bacterium vulgaris) machten
einen hoffnungslosen Eindruck. Einige zitronenförmige und doppeltgeteilte
Konidien lagen lose umher. Irgendwann war einmal Holz gesagt worden.
Noch hatten sich, teilweise verkieselt, die Stützzellen der Tracheiden erhalten.
Einmal hatte das eine oder andere kümmerliche Moosstämmchen zwischen
den Fugen zu grünen versucht. Es hatte ein paar Moossporen in die Erde
gesät, die niemals weitergekommen waren. Ein paar unbestimmte, arg
vertrocknete Algenzysten. Wollfäden eines Gewandes, das längst kein Gewand
mehr war, bewahrten noch eine Spur rötlicher Farbe. Ein seit Menschengedenken
in das große Unbekannte eingegangener Passant hatte an dieser
Stelle ein Stück schwarzes Brot gegessen (wahrscheinlich brachte er es mit,
denn diese Stadt war von je an weißes Weizenbrot gewöhnt), davon fielen
ein paar Stärkekörner in die Pflasterritzen. Aber so gering war das Leben,
daß sie nicht einmal von hungrigen Bakterien verzehrt wurden. Eine leere,
auseinandergefallene Achnanthes-Kieselalgenschale. Das Bruchstück einer
Schwammnadel vielleicht fossil und mit dem Salzsand des Meeres hier seit
undenklichen Zeiten eingesargt. Da und dort Spuren von Detritus, nur mit
Mühe als solche erkennbar. Das war alles. Das hatte die Menschensiedelung
aus diesem vergangenen Stück duftendem Südlandswald gemacht.
Kulturwüste...
Es ist eigentlich nicht mehr viel über den gestorbenen Boden der Städte
und Großstädte zu sagen. Genau besehen, sind sie nicht ein Problem, das
zum Humus gehört, wohl aber zur Humusvernichtung. Und zwar zu einer,
der wir durch unsere Lebensform nicht entgehen können. Oder doch nicht
ganz. Denn immer wird der Mensch in Häusern wohnen, mit Straßen dazwischen
und mit Verkehrsmitteln, die er zum Durchmessen seiner Ansiedelungen
bedarf. Daran scheint nichts zu ändern zu sein. Er muß also immerhin
mit einem recht großen Teil des Verlustes fruchtbaren Landes rechnen. Und
den muß er irgendwie ausgleichen, auf ein Mindestmaß herabdrücken, muß
neue Bauformen finden, die dem Rechnung tragen, daß möglichst wenig Boden
durch die Städte zugrunde gehen darf, wenn man seinen Verlust nicht
anderweitig als untragbar empfinden soll.
376
Denn es ist ein wirklicher Verlust. Erinnern wir uns während und nach
den Kriegstagen der städtischen Parks und Anlagen! Wie erbärmlich wuchs
das bißdien Gemüse, das man, mehr wohlmeinend als einsichtig, in die Rasenfl
ächen gepflanzt hatte! Und als nach der Bombardierung der europäischen
Städte ihre Anlagen drei, vier Sommer lang sich selbst überlassen blieben,
was wurde aus ihnen? Eine staubige Wildnis, bestenfalls mit Nesseln, Disteln
und Brombeerranken, mit Sandgräsern und kläglichem Gestrüpp durchsetzt.
Nichts anderes als eben die oben beschriebene Ruderalflora vermochte in
ihren härtesten und genügsamsten Vertretern dort Wurzel zu schlagen. Gewisserma
ßen war der Vorstadtrand im Herzen der Stadt eingebrochen und
hatte sich in seiner ganzen Unverhülltheit zur Schau gestellt.
Um 1900 pries man es in Frankreich als eine bewundernswerte Errungenschaft
der Zivilisation, daß man neben den 4503 km schiffbarer Wasserstra
ßen auch noch 6403 km kanalisierter Flüsse besaß. Und das kaiserliche
Deutschland war um dieselbe Jahrhundertwende nicht weniger stolz darauf,
daß es seine Wasserwirtschaft auf zusammen 2490 km Kanäle und 3130 km
kanalisierter Flüsse gebracht hatte. Diese Zahlen und noch viele andere sind
jetzt um ein Vielfaches übertrumpft worden. Man rühmte sie ? und rühmt
sie noch immer ?, denn man dachte dabei nur an Sanierung der Städte und
an Weltverkehr. Man brachte diese vielen Kilometer einzugsarmer Wasseradern
gar nicht in Zusammenhang mit der Erosion, mit der Austrocknung
des Landes, mit den hinschwindenden Niederschlägen, mit der Versteppung
weiter Gebiete. Man wirtschaftete mit der fruchtbaren Erde, als ob sie unerme
ßlich vorhanden wäre. Das aber ist sie bei Gott nicht, und nirgends
weniger, als in Europa.
Wir müssen uns aber endlich einmal daran gewöhnen, daß Zivilisation
nicht nur Menschen, sondern vor allem, daß sie auch fruchtbaren Boden frißt.
Wir müssen uns über Ursache und Wirkung auch im ausgedehnten, im indirekten
Sinn endlich einmal klar werden. Wir müssen damit rechnen lernen,
daß, wo immer man den Humus einschränkt, das ein Verlust nicht nur in der
Ernährung, sondern auch in der Verfestigung unserer Bodenscholle ist. Was
der gestorbene Boden der Städte für die Erosion bedeutet, sagt unmißverst
ändlich ein Versuch: Erde, nur schwach von Unkraut bedeckt und noch
nicht einmal 1/2 ha groß, verlor durch Auswaschung jährlich 100 t. Dort aber,
wo der ganz gleichartige Boden noch Wiese geblieben war, betrug die Abspülung
in der nämlichen Zeit knapp 1/2 t.
Mit dieser grundlegenden Erkenntnis stehen wir auf einem Punkt, von
dem aus wir sowohl die Vergangenheit, wie die Zukunft mit einem anders
als dem bisher fundierten Wissen prüfend überblicken können. Wir haben
in diesem Werk wenigstens annähernd versucht, alle die in Frage kommenden
Faktoren zusammenzustellen. Es ist ihrer eine verwirrende Fülle. Aber
sie befähigt uns doch, auch mit Einschluß der Brücken, die wir da und dort
377
noch neu schlagen müssen, einen sachlichen Begriff der in Frage kommenden
Zusammenhänge zu gewinnen.
Von jeher hat man die Vergangenheit als jenes Scheidewasser betrachtet,
mit dessen Hilfe man Gold von unedlem Metall trennen kann. Denn die
vorbeigelebten Tatsachen sind etwas Unleugbares, man kann sie nicht mehr
verändern, man kann sie nur noch werten. Man kann an ihnen, unbeirrt von
eigenen Belangen, Ursache und Wirkung gegeneinander abwägen. Versuchen
wir also einmal zu erkennen ? was in dieser Hinsicht noch nie geschehen
ist ? wie weit die Weltfruchtbarkeit, ihre Erhaltung und ihre Zerstörung
in die Weltgeschichte eingegriffen hat.


Also Raoul H. Francé studied the subject about 100 years ago, also with microbiological analysis:

Dinkelsbühl (medieval town in Germany):

1920 Der Weg der Kultur. Dürr & Weber Verlag,
Leipzig 76 S.
(2nd ed. 1928 under title: "Dinkelsbühl, der Weg der Kultur") 86 pp.

http://stiftung-france.de/forum/viewtopic.php?f=66&t=724&sid=a0e4c2c96fe54ad04ca9e5e2ab909003

München - Die Lebensgesetze einer Stadt 1920

http://stiftung-france.de/forum/viewtopic.php?f=66&t=431&sid=a0e4c2c96fe54ad04ca9e5e2ab909003


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