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BeitragVerfasst: Do 21. Apr 2011, 22:01 
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Tafel 35: Infektion bebauter Böden durch Nematoden aus der Gülle

TAFEL 35

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Der verseuchte Boden. II Infektion mit Nematoden

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Dazu Foto eines Güllewagens in Tätigkeit.

Und dies ist das Gegenstück zu der Verseuchung durch Mikropilze und polysaprobe Bakterien: Die Infektion des Bodens durch unzählbare Massen von Nematoden.

Nichts fürchtet man in der Landwirtschaft von USA so wie die Nematoden, obwohl ein Teil von ihnen nur Bakterien frisst. Rüben-, Hafer- und Kartoffelnematoden werden auch in Europa verfolgt. Trotzdem macht man sich nur wenig Vorstellungen davon, dass ihre Anwesenheit in Millionen Exemplaren nicht zu den natürlichen Dingen gehört, sondern meist durch den Willen des Landwirtes verursacht wird. Denn eine große Anzahl von Arten lebt im Tiermist und in der Jauche. Teils vertilgen sie verwesende Stoffe und Lösungen, teils Faulbakterien. Im allgemeinen sind es die Gattungen Rhabditis, Diplogaster, Macrolaimus, Cheilobus, auch Bunonema u. a.
Es gibt aber immer auch lokale Formen, die zu den echten Fäulnisbewohnern gehören und auf mit faulenden Proteinen imprägnierte Zellulosen spezialisiert sind. Manchmal findet man sie in dicken Knäueln und Klumpen, wie ein Schlangennest geringelt und geballt. Es scheint, dass sie unter Umständen euch ganz besondere Symbiosen eingehen. So glaubt man beobachtet zu haben, dass Rhabditis curvicaudata mit Schimmelpilzen bevorzugt zusammen lebt. Andere Rhabditisarten ziehen Plätze vor, wo große und kleine Mistkäfer häufig sind. Denn an deren Beinen heften sie sich zu Dutzenden als kleine, schwarze, Nadelspitze Zysten an, die sich weithin verschleppen lassen.

Von einigen kennt man einen Wirtswechsel, der für den Boden nicht ohne Bedeutung ist. So kommt z.B. Rhabditis Pellio immer mit Stallmist auf die Felder. Aus den Eiern, die sie dort ablegt, schlüpfen Larven aus, die in Regenwürmern schmarotzen. Man nimmt an, dass das den Regenwürmern nicht gut bekommt und dass sie vorzeitig daran sterben. Denn brechen aus der Haut der toten Tiere Massen von fertigen Nematoden aus, die fast augenblicklich den Kadaver zersetzen und aufzehren.

Außer den Parasiten kennt man auch "Semiparasiten", die mit Vorliebe lebende Wurzeln angreifen und breiig zersetzen, so dass sie sie sich einverleiben können. Es ist wohl nur ein frommer Wunsch, dass das angeblich den befallenen Pflanzen nicht schadet. Wir haben gesehen, dass gerade die Adventivwurzeln und Wurzelhaare durch ihre Verbindung mit Zooglöen unersetzliche Hilfsdienste leisten. Es muss also deren Vernichtung zuletzt auch die Pflanze abtöten. Nematoden dieser Art besitzen lange, scharfe Mundstacheln mit denen sie auch tieferliegende Zellgruppen anstechen und aussaugen.

Normalerweise ist im Boden die Anzahl der Nematoden mehr oder weniger beschränkt. Ihr großes Nahrungsbedürfnis – von was sie sich auch immer ernähren - setzt in einem harmonisch ausgeglichenen Edaphon ihre Zahl auf 2 % herab. Jede Mistdüngung und ganz besonders jede Güllung vermehrt sie aber ins Ungemessene. Da sie vom Ei ab teilweise in nur 5 Tagen schon fortpflanzungsfähig sind und da ein Weibchen bis zu 200 Eier und darüber legt, so bedarf es keiner komplizierten Rechnung, um mit Millionen und Milliarden Nematoden zu enden. Dazu kommt, dass die Außenhaut der Eier überaus resistent ist und dass sie - besonders bei den polysaproben Sorten - weder durch Bodensäuren noch durch die scharfen Ammoniak-, Schwefel- und Nitritverbindungen geschädigt werden.


Ein Boden, in dem es keine Faulstoffe in wirksamen Mengen gibt, besitzt selten andere
Arten als Dorylaimus, Aphanolaimus und seine Verwandten, die mit der Zersetzungsfauna
von toten Zellulosen zufrieden sind. Die vertragen weder eine große Versalzung, noch
eine große Versäuerung. Trockenheit scheint ihnen nicht viel auszumachen, denn man
findet sie auch nicht selten in Dachmoosen und sogar in dicken Moospolstern auf Rinden
und Steinen. Zu den Lithobionten gehört wahrscheinlich nur Dorylaimus, der vielleicht - man weiß das nicht so genau - hier sogar eine besondere Spezies entwickelt hat. Aber auch er tritt an solchen Standorten niemals massenhaft auf.

Wenn man von Nematoden spricht, so soll man nicht vergessen, auch die merkwürdigen großen Raubformen zu erwähnen, die Mononchus oder Diploscapter heißen und beinah überall vorkommen. Sie leben nämlich ausschließlich von Nematoden aller Art und ihren Larven und sind ungeheuer gefrässig. Es wäre gar nicht schwer, sie in solchen Mengen zu züchten, dass man sie aussetzen und eine Invasion von Parasiten durch sie bekämpfen lassen könnte. Man hat, wo man sie anwendete, mit solchen „biologischen Abwehrmitteln“ ausnahmslos gute Erfolge gehabt, umso mehr, als ihre Aussetzung billig ist und meistens nur einmal durchgeführt zu werden braucht. Dann sorgen die Bekämpfer von Schädlingen schon für sich selber und vermehren sich bei reichlicher Ernährung auch dementsprechend. Übrigens haben Fäulnisnematoden auch geschworene Feinde unter den Fadenwürmern (Enchytraeiden ), die einfach alles verschlingen, was sie irgendwie bewältigen können. Und schließlich fallen sie auch gewissen fleischfressenden Pilzen zum Opfer, in deren Schlingen sie sich fangen, die ihnen in rasender Eile Stacheln in den Leib treiben und sie aussaugen. Man kennt bis jetzt an die 100 Arten derartiger „Raubpilze“, die man also eigentlich den ca. 70 Arten fleischfressender Pflanzen zuzählen müsste. Und merkwürdig genug ist es, dass außer diesem einmaligen Fall tierfangender Pilze sich auch ein ebenso einmaliger Fall von Hefepilzen zugesellt, die zur Monosporafamilie gehören und Sporen reifen. Diese nadelspitzen Sporen werden zwar ohne weiteres von der nackten Nematodenhaut abgestreift, denn Nematoden sind außerordentlich mobil und wandern oft größere Strecken. Aber die meisten Sporen bohren sich dort ein, wo sie kleben bleiben und bilden in kürzester Zeit ein neues Myzel, das von außen her den Wurm völlig auffrisst. Nicht einmal die Haut bleibt übrig.

Aus der komplizierten und raffinierten Art eines derartigen Tierfanges muss man wohl
schließen, dass es sich dabei um sehr alte Ausgleiche handelt. Wahrscheinlich war die Besiedelung und Aufarbeitung von "Eiweißinseln" immer auch von einer gewaltigen Invasion von Fäulnisnematoden begleitet, die dann ihrerseits selbst wieder Angreifern zum Opfer fielen, die auf eine spezielle Verpflegung angewiesen waren. Interessant ist aber, dass sich dermaßen einzigartige Gewohnheiten herausbildeten, für die es kein Gegenstück gibt. Dass das Übermaß von Nematoden den niemals massenhaft auftretenden Mikropi1zen und eigentlich auch nur zerstreut vorkommenden Hefen zur Dezimierung zufiel, gibt zu denken. Denn, wenn man die Biozönosen des Bodenlebens kennen lernen will, so muss man auch mit dem Gegenpol Bescheid wissen - mit der Verknüpfung zweier Organismengruppen, die nichts als der gleiche Aufenthaltsort verbindet. Immer besteht deren Ausgleich darin, dass der eine Teil durch wilde Fortpflanzung oder auf andere Art zu riesigen Massen anschwillt, während der andere Teil sich nur eben mit bescheidener Fortpflanzung und besonderen Ansprüchen in die bewegliche Kontaktzone einer solchen Massenvermehrung
einschaltet. .

Durch Gülle infiziert man den Boden mit schädlichen Nematoden

Gülle, auch in Verdünnung, ist ein hochgiftiges Substrat, das ausschließlich aus einer Abbaubiozönose von Kohlehydraten, Eiweißen und in Fäulnis befindlichen Lebensresten besteht. Was in ihr lebt, lebt nur von der Zersetzung. Sie vergiftet den Boden und vor allem die Wurzelzonen und verbreitet Bakteriosen und Parasiten.

Ein Querschnitt enthält ungeheure Massen von Schädlingen.

Nematoden:
Rhabditis sp. in mehreren Arten

Bakterien:
Rhodobacillus palstris .
Bact. mesenthericus, besonders die schwarzen Formen
Bact. caeruleus (violettblaue Kolonien, welche die Aufschließung von Stroh hindern)
Fast alle Schwefelbakterien
sehr häufig die Erreger von Tetanus, Milzbrand und Maul- und Klauenseuche

Blaualgen:
Oscillatoria putrida
Polysaprobe Ciliaten, häufig auch als Eier oder Zysten
selten fehlt hexotricha caudata

Amöben:

Vahlkampfia limax
Pelomyxa palustris und andere der vielkernigen Abbauamöben
Massen von Vibrionen und Spirillen

In dieser Zone wechseln lokale Formen unübersehbar ab, vor allem was die faulschlamm-bewohnenden Flagellaten und Ciliaten anlangt.

pH wechselnd, oft pH 9 - 8,8


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BeitragVerfasst: Fr 12. Mai 2017, 11:43 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1208
Siehe auch:

Nematoden
http://stiftung-france.de/forum/viewtopic.php?f=84&t=376&p=2591


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