Forum für die kritische Würdigung
Forum for critical appreciation
Forum pour une appréciation critique
Foro de apreciación critíca
Aktuelle Zeit: Do 23. Nov 2017, 23:10

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: Do 21. Apr 2011, 21:56 
Offline

Registriert: Fr 6. Aug 2010, 10:30
Beiträge: 24
Tafel 33: Die mangelhafte Aufschliessung von Mineralölen

VI. Der Mensch humifiziert seine Abfälle nur höchst unzureichend

Bild
large
Neu sich bildende Abbaubiozönose zur Aufschließung giftiger Mineralöle, artenarm und sehr langsam arbeitend

Dazu Tabelle des enormen Verbrauchs an Mineralölen für Maschinen, Autos, Schiffe, Flugzeuge etc.

Bild

Eines der gegenwärtigen und sicher auch zukünftigen Probleme ist die Frage der direkten und indirekten Grundwasserverseuchung. Tatsächlich wird man schon mit der direkten nicht fertig, seit vor einigen Jahren in Australien / durch Parker / entdeckt wurde, dass die in Abwässern und Verjauchungen stets massenhaft hausenden Schwefelbakterien in unwahrscheinlich kurzer Frist auch neue Betonröhren durchlöchern, so dass ungesehen - denn das ganze ereignet sich ja im Boden, oft einige Meter unter der Oberfläche- der Inhalt von Abflussröhren in Trinkwasserrohre eindringen kann. Es sind mehrfach Typhusseuchen unter völlig rätselhaften Umständen ausgebrochen, die dann erst in diesem Zusammenhang festgestellt werden konnten.

Noch undurchsichtiger aber sind heute die Folgen der Abflüsse von Mineralölen aus Autos und Flugzeugen, die sich in Strassengullys sammeln und, unbekannt wie, im Boden versickern. Man kennt keineswegs immer und überall den Verlauf des Quellhorizontes unter einer Stadt oder einer Garage. Man ist auch nicht immer im Klaren darüber, in welchem Zustand sich der Boden befindet, der ohne dies entnatürlicht, oft in einem nicht unbedenklichen Faulzustand und gänzlich außerstande ist, sich von sich aus zu regenerieren. Wahrscheinlich geschieht es weit öfter, als man annimmt, dass Schmutzwasser, Öl- und Säurereste nach abwärts sickern. Das ist besonders dann zu fürchten, wenn ein Gewitter oder längere Regenperioden die Gullys bis zum Oberlaufen füllen. Ganz sicher wurde bereits im Mittelalter jeder unterirdische Stadtboden Jahrhunderte lang verseucht und auf das schwerste infiziert. Die sog. "nassen Winkel" in welche Aborte und Abläufe generationenlang hinuntertropften, machten sich ohnedies durch penetranten Ammoniakgestank bemerkbar, Und die ständig immer wieder in den gleichen Vierteln auftauchenden Typhusepidemien - gar nicht zu reden von Cholera und Pest - müssen als Folge von Brutstätten der mikrobiellen Verwahrlosung verstanden werden.

Aber schließlich waren das immer noch Faul- und Gärungszustände, die ihre altgewohnte, sehr zahlreiche und auch sehr tätige Biozönose von Abbauern besaßen. Heute dagegen handelt es sich um Kunststoffe oder derart chemisch veränderte ursprüngliche Rohstoffe - man denke nur an das unterschiedliche Auftreten einer "Ölpest" aus Tankern -, die in solchen Massen verwendet werden, dass man nicht damit rechnen kann, dass sich bereits eine leistungsfähige Abbaubiozönose gegen sie zusammengefunden hat. Die Fachleute der städtischen Abwasserreinigung beklagen sich aber die Massen von schaumigen Kunstwaschstoffen, die sog. Detergentien, die auf allen Vorflutern schwimmen und die man durch keinerlei chemische Hilfsmittel wirklich bewältigen kann. Und der Weltverkehr hat das Problem der Mineralöle geschaffen, die von unerwünschter Resistenz sind und Wasser und Boden verseuchen. Auf dem. Meer und vor allem in den Hefen breiten sie sich als luftundurchlässige, kompakte Häute aus, unter denen nicht nur die Fische ersticken, sondern die vor allem das Plankton weithin abtöten. Solche Häute werden oft weit hinaus in die Hochsee gerissen und geraten dann in landnahe Tierströme (Zookorrenten), die aus Fischbrut und unzähligen Larven von Krebschen Quallen und anderen Meerestieren zusammengesetzt sind; und in denen sich das Leben der Ozeane vielfältig erneuert. Man bedarf keiner großen Fantasie um sich vorzustellen, dass alles, was in den Bereich solcher Ölflecken kommt, ausgetilgt wird, von den Möwen bis zum Plankton, vom Heringszug bis zum Walfisch.

Nicht weniger schlimm ist das Einsickern von derartigen Ölresten im Boden. Es absolut zu verhindern, ist bei dem Massenverbrauch praktisch unmöglich. Man kann einfach nicht alle Wege kontrollieren, durch die es in den Boden und in das Trinkwasser gelangt. Seine " Beschaffenheit ist von zäher Resistenz, und es haftet lange an allen Oberflächen. Denn es soll als Schmieröl dienen und jede Reibung verhindern. Zu diesem Zweck werden aus natürlichen Erdölen diese Art Kohlenwasserstoffe heraus destilliert, und man zieht sogar solche aus Teer und verflüssigter Kohle vor.
Mineralöle sind also ein Kunstprodukt, das in der Natur nicht vorkommt. Das bedeutet in mikrologischer Hinsicht, dass ihm die natürliche Abbaubiozönose fehlt. Da Treibstoffmotoren erst seit einem Menschenalter eine so ungeheure Rolle spielen, ist die Zeit auch viel zu kurz, als dass sich durch eine bis dahin überhaupt nicht vorhandene "lnteressengemeinschaft" eine solche hätte bilden können.
Nur die wenigsten wissen, dass die Kalamität unserer Abfallumwandlung nicht nur in den, gigantischen Mengen unserer städtischen und Industrieabfälle besteht, sondern noch besonders darin, dass für die Kunststoffe nicht die richtig angepassten Abbauer vorhanden sind. Das gilt nicht nur für die Plastikstoffe, sondern auch für die Mineralöle.

Ich habe längere Zeit Untersuchungen darüber angestellt, wie es sich in dieser Hinsicht verhält. Ich fand keine Biozönose, nur einige Organismen, die sich, da sie natürliche Fettaufschliesser sind, auch auf Mineralölen ansiedeln können. Es war wenig genug, und auch das wenige war nur vereinzelt feststellbar.

Charakteristisch war ein Streptomyces viridochromogenus, dessen merkwürdig spitzzackige Spiralen auch auf anderen Fetten sichtbar werden. In einzelnen Individuen kriecht er von einem Ölauge zum anderen und legt auch dort seine winzigen Sporen und Konidien ab. Aber es scheint kaum je dazuzukommen, dass auch nur ein Ölauge ganz von diesem Kleinpilz erfüllt wird. Sonst ist die Auswahl kärglich, gemessen an dem, was sich an anderen Orten als Abbauer einfindet. Es gibt Nester unbekannter dunkler Kokken. Die robusten rötlichen oder zuweilen dunkelgrauen Hyphen von Diplodia sp. kriechen da und dort herum. Auch sie sind nicht häufig. Zwischen den Ölverschmutzungen in dem feuchten Milieu, das aus Säuren, Rost, Seifenwasser und dgl. besteht, schwimmt die Jauchealge Polytoma uvella oder die nahe verwandte Carteria multifilis. Auch andere unbekannte Kokken sitzen in winzigen Kolonien auf der Oberfläche der Ölaugen. Es kann sein, dass man auf eine verlorene Spirulina Jenneri stößt, das einzige blassgrüne Kleinwesen, das überhaupt vorhanden zu sein scheint.
Das ist alles.

Ein Vergleich mit einem produktiven Abfallhaufen fällt sehr übel aus. Ich fürchte, dass er auch noch längerer Zeit nicht besser ausfallen wird. Nach allem, was wir von den großen Abbaubiozönosen wissen, sind sie viele Jahrmillionen alt. Wenn man in ihre Zusammensetzung und ihre tatsächliche Leistung hineinsieht, so kann man sich davon überzeugen, dass die Reihenfolge des Ineinander- und Zusammenarbeitens optimal gelöst ist, was eben auch ein Beweis für die erdepochen alte Zusammengewöhnung ist. Was kann man da von ein paar kurzen Menschenaltern erwarten?
In diesem Spezialfall fällt noch das ins Gewicht, dass selbst dort, wo sich Petroleum zeigt, wo die schwarzen Lachen auf dem Boden stehen und eine Mischung von Teer und Bitumen in dicken, schmierigen Streifen sich träge ausbreitet, die edaphische Flora und Fauna recht geringfügig ist. Auch oberirdisch wächst nur wenig, und meist ist weitum keinerlei trinkbares Wasser. Dabei sind Ölquellen Produkte uralter Erdvorgänge, und erstaunlicherweise findet man im Öl, auch wenn es aus mehreren tausend Fuß Tiefe heraufgepumpt wird, stets noch lebend die einstigen Zersetzungsmikroben, das Bact. Welchii und einige andere in großer Anzahl. Aber die sind alle mehr oder minder, wenigstens fakultativ, anaerob und zweifellos sehr einseitig spezialisiert. Mit den Mineralölen in den Gullys haben sie nichts zu tun. Für die muss der Mensch sorgen, denn schließlich ist er ja auch die Ursache, warum sie da sind.

Für die Zersetzung und Aufschließung von Mineral- und technischen Ölen beginnt sich eine neue, vorläufig noch sehr schwach arbeitende Biozönose zu bilden.

Das hier dargestellte Material entstammte einem Straßengully, in welches aus einer Garage die flüssigen Reste absickerten. Mineralöle gelten mit Recht als nicht organisch aufschließbar, da sie in der Natur niemals in Mengen vorkommen. Infolgedessen sind sie eine wachsende Gefahr für Grundwasser und Bodenverseuchung.

Von den an der überaus langsamen Umwandlung beteiligten Mikroorganismen, die imstande sind, eine Vorhumifizierung zu bewirken, konnte folgender Querschnitt festgestellt werden:

Bakterien:
Pseudomonas fluerescens
Bacillus putrificus
Mycobacterium tuberculosis
Bacterium mycoides
Micropilze:
Streptomyces viridochromogenus
Diplodia sp.

Flagellaten:
Polytoma uvella
Carteria multifilis

Blaualge:
Spirulina Jenneri

Unbekannte Micrococeen und Kurzstäbchen

Da auch unter den obligaten Polysaprobiern die eigentlichen Fettverzehrer nur auf besondere Arten beschränkt sind, so gibt es vorderhand kein Massenaufgebot an Zersetzern. Durch Versuche wurde indes ermöglicht, dass diese sparsame Abbaubiozönose organisch erweitert und dadurch aktiver gestaltet werden kann.

pH von überwiegender Ölverschmutzung ist selten über pH 4


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Sa 9. Aug 2014, 14:37 
Offline

Registriert: Sa 31. Jul 2010, 20:22
Beiträge: 598
Diese hier können es:
http://www.n-tv.de/wissen/Asphaltsee-Mi ... 94226.html


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Mi 27. Aug 2014, 14:33 
Offline

Registriert: Do 23. Jan 2014, 19:48
Beiträge: 44
Das Bild in dem N-Tv zu dem Asphaltsee zeigt merkwürdigerweise einen "Asphalt-Hügel" und keinen See?

Ein sehr guter Film über die Fähigkeiten der Pilze (u.a. auch über den Abbau von Mineralölen durch Pilze, ab 8min30s):

Zitat:
Pilze - Pioniere der Biotechnologie (51min19s)
von Karl Napp
vor 8 Monaten, 4.079 Aufrufe
Pilze bilden neben Pflanzen und Tieren eine eigenständige, artenreiche Organismengruppe. Sie überlebten diverse Eiszeiten, ..
http://www.youtube.com/watch?v=Vke_BraoyTw

Informationen aus dem Film: Die Ökotoxologin Meg Pinza führt seit Jahren zusammen mit Paul Stamets ( http://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Stamets ) Versuche zu Mycoremediation durch.

Sägespäne werden mit Pilzen geimpft, die dann wiederum, im Sandwichverfahren, mit verschmutzter Erde in Kontakt gebracht werden (unten geimpfte Sägespäne, dann ölige Erde, dann wieder geimpfte Sägespäne). Nach ein bis zwei Wochen wachsen die Myzelien zusammen und treffen sich. Die Pilze durchdringen die Erde und ernähren sich von den Kohlenwasserstoffen. Das Ganze wird auf dem Boden einer ehemaligen Lkw-Tankstelle in den USA erprobt (im Winter!). Mit einer Lkw-Ladung geimpfter Sägespäne wird die fünfache Menge an verschmutztem Boden sanieren. Was passiert mit den Kohlenwasserstoffen? Mit welchem Trick werden die Giftstoffe abgebaut. Die Pilze sind sehr widerstandsfähig, da z.B. deren Zellwände, wie bei Krebsen, aus Chitin bestehen. Sie widerstehen daher nicht nur extremen Temperaturen, sondern auch einem sehr hohen und sehr niedrigen Salzgehalt. Ihre Zellwand aus Chitin schützt sie vor Giftstoffen. Die Pilze geben Enzyme an die extrazelluläre Schicht in ihrer Umgebung ab, mit deren Hilfe sie das Erdöl abbauen. Die Enzyme zerlegen die Erdölmoleküle in immer kleinere Moleküle. Nach dem Abbau der oben erwähnten Giftstoffe im Boden der ehemaligen Tankstelle riecht der Boden wieder wie Humus. Bei 15min30s wird zumindestens eine Pilzart erwähnt: Nach den ersten Mycoremediation-Versuchen von Pinza und Stamets wuchsen ganze Büsche von Seitlingen, in deren Fleisch keine Spur von Gift zu finden war.


Das Wort "Mycoremediation" ist das entscheidende Stichwort, das hunderte Artikel zum Thema Pilze und Beseitigung von Umweltschäden liefert.


Und ein sehr interessanter Artikel dazu mit Bildern:

Zitat:
The Petroleum Problem
Date: 06/03/2010 00:35 Posted by Paul Stamets
http://www.fungi.com/blog/items/the-pet ... oblem.html


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de