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BeitragVerfasst: Di 12. Apr 2011, 21:58 
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TAFEL 18 Erdstürme - die Aushagerung des fruchtbaren Bodens.

Bild
2048×1440 Pixel – 2499 KB

Verluste der fruchtbaren, humusreichen Bodenzonen durch Staubstürme

Bild

Dazu historische Fotos eines der großen Erdstürme aus West-USA, Texas oder Mexiko.

Mehr Bilder und Videos:
http://humanscausedclimatechangeandcosts.blogspot.de/2013/06/humans-caused-dust-bowl-of-1930s-and.html
The Plow That Broke The Plains
https://archive.org/details/PlowThatBrokethePlains1
Dust Bowl
https://de.wikipedia.org/wiki/Dust_Bowl

In den großen Weizengebieten, in Russland, Kanada oder Nordamerika ist die größte Kalamität die Aushagerung der fruchtbaren Erde. Ich habe auf meinen Weltreisen, vor allem aber in den neun Jahren meines Arbeitsaufenthalts in Mexiko, genug Gelegenheit gehabt, dieses Phänomen in allen seinen Beziehungen zu studieren. Mehr als einmal bin ich persönlich in einen dieser Staubstürme geraten, die in Wirklichkeit eigentlich Erdstürme sind. Sie treten im „Valle del Mexiko“, dem riesigen mexikanischen Hochtal (es liegt gleichmäßig über 2300 - 2500 m hoch) als typische Erscheinung in der zweiten Hälfte des Winters auf, da dort der Winter in das Trockenhalbjahr fällt. Durch die seinerzeitige Trockenlegung des ausgedehnten Tescocosees, an welchem das alte Tenochtitlan der vorspanischen Ära sich dehnte, brechen diese Erdstürme regelmäßig auch nach Mexiko City herein. Es wird behauptet, sie könnten weit über 1000 m hohe Staubthromben entwickeln. Tatsächlich sieht man um diese Zeit oft ein halbes Dutzend kleinerer oder größerer derartiger Thromben am Horizont dahinwandern. Sie sind für gewöhnlich düster braun-grau, seltener kalkweiss. Die Verdunkelung der Luft ist so stark, dass Autos in den Mittagsstunden bei voll aufgeblendeten Lichtern nicht mehr fahren können, sondern stehen bleiben müssen. Sogar innerhalb der geschlossenen Karosserie des Wagens ist man in Gefahr, nicht mehr atmen zu können.

In meinem Laboratorium habe ich den fingerdick abgelagerten gelblichen oder schwarz-bräunlichen Staub mikroskopisch untersucht und lange Zeit mit ihm experimentiert. Die vorliegende Tafel ist eine Zusammenfassung von Dutzenden solcher Analysen, Mikrofotos und meinen eigenen Protokollen.

Einwandfrei geht daraus hervor, dass es sich um das abgewehte Material der bebauten Flächen handelt, die im Herbst nach der Ernte aufgepflügt und hergerichtet werden, um dann kurz vor der Regenzeit Weizen oder Mais darauf zu säen. Nun findet die erste gewissermaßen „Vorregenzeit“ frühestens im April statt. Die Periode der spätwinterstürme erfasst also die völlig ungeschützte, nackte Bodenoberfläche, allerdings auch stets noch Schlamm von den seichten, weil rasch verlandenden Lagunen, die da und dort noch verstreut liegen.

Stofflich kann man in mikroskopischen Präparat zahllose winzige Flöckchen feststellen, die diesen obersten Bodenzonen entstammen. Ihre durchschnittliche Größe beträgt 50 - 200 mü. . Viele sind kolloidal aneinander geheftet. Das Material ist nur in Spuren kristallinisch, sondern fast ausschließlich organisch. Zwischen den Flöckchen, an sie festgeklebt oder locker mit ihnen verbunden, befindet sich in eingetrocknetem Zustand ein so reiches Bodenleben, dass man bei dem Gedanken erschüttert ist,dass es fast zur Gänze der Erde verloren geht. Denn da es praktisch kaum Gewicht besitzt, wird es durch die Heftigkeit der Stürme bis hoch in die Passate hinauf getragen, die ständig rund um den Erdball kreisen. Wenn es in die feuchte Luftströmung über den Ozeanen gelangt, so sinkt es meist ab und endet im Salzgischt der Wellen. Man kann demnach also von einem fast restlosen Verlust des Bodenlebens sprechen, denn auch auf den arktischen Schneefeldern oder an steilen Hochgebirgsflanken nützt es weder den menschlichen noch den pflanzlichen Bedürfnissen.

Der Verlust an organischer Substanz und an Edaphon entspricht der reichsten und fruchtbarsten Bodenzone. Mineralische Splitter gleiten wegen ihrer Schwere früher ab. Chemisch kann man graue und braune Humussäuren, viele Kohlenstoffverbindungen, Nitrate, Aminosäuren, Bodensalze, Kali, Phosphorabkömmlinge u. dergl. feststellen. Natürlich gibt es immer auch Zellulosen, Kohlehydrate, Fetttröpfchen. Doch wechselt der Befund sehr stark - je nach dem Ort, den die Wirbelstürme bestreichen.

Die dunklen Fetzen am oberen Rand des Bildes dürften einer Lagune entstammen und verwesendes Pflanzenmaterial sein, ebenso die Bündel losgerissener Fadenalgen und das bläuliche, wahrscheinlich noch fertile Rotatorienei. Das türkisgrüne Häufchen einer Mikrothamnionalge (rechts unten), die Kieselalgen und Nostocketten (Nostoc linckia) finden sich immer in jeder Verlandung. Dagegen rühren Pilzhyphen, Sporen, Rhizopoden, Konidien, Aplanosporen wohl von den aufgepflügten Feldern her. Da der Lebensbereich des Edaphons immer wieder einmal in den Luftschichten über der Erde liegt, ist die Anzahl der Zysten stets hoch.

Man braucht solchen Aushagerungsmaterial nur zu befeuchten, um zu sehen, wie rasch es sich entwickelt und binnen kurzem jener wohltätig grüne Schimmer entsteht, den man als „Bodengare“ bezeichnet. Eine Probe schlechetn und armen Bodens, auf die man es bringt, wird in kaum 14 Tagen nach allen Seiten hin durchwachsen und setzt mit kräftiger Humifizierung ein. Sehr bald stellt sich auch ein gut ausgewogenes Verhältnis zwischen den einzelnen Gruppen des Edaphons her, als sicherer Test für die Tatsache, dass es sich um bereits angepasste Bodenbesiedlung handelt. Es kommen auch nur wenige Saprophyten zum Vorschein.

Über den Schaden von solchen Erdstürmen ist kein Wort zu verlieren. In den agronomischen Sekretariaten in den USA liegen genug Dokumente, die den Bodenruin durch Staubstürme in exakten Zahl dartun. Europa ist bis jetzt von derartigen Katastrophen verschont geblieben. Sein gesegnetes Regenklima - abgesehen vom Süden, Südosten und spanischen Südwesten - hat es davor bewahrt, Schauplatz solcher gigantischer Winderosion zu sein. Trotzdem büsst ein Acker stets an der Oberfläche organische Substanz und Bodenleben ein. Es bedürfte demnach einer ganz anderen, viel mehr auf die Befolgung der biologischen Gesetze gerichteten Bodenpflege, um diese auf die Dauer sehr großen Bodenverluste zu vermeiden. Es müsste vor allem auf ständige „Nachhumifizierung“ weit größerer Wert gelegt werden - schon darum, weil Humus eine weit stärkere Bindigkeit besitzt und weil seine Krümelstruktur nicht so leicht austrocknet.

Tafel 18 Fruchtbarkeitsverlust des Bodens durch Aushagerung infolge von Staubstürmen.

Die abgewehte oberste Bodenzone verliert durch Staubstürme unermessliche Massen von organischer Substanz, die in trockene Flöckchen zusammengeballt ist. Es wurde mikroskopisch festgestellt, dass in ihr folgende humusbildende und fruchtbarkeitserzeugende Organismen enthalten sind, denn alles zusammen wird in die Passate hinauf und weit hinaus in die Ozeane und große Binnenseen getragen.

Blau- und Grünalgen:
Chroococcum humicolum
Palmella miniata
Gloeococcus Schroeterii
Nostoc Linckia
Oscilliatoria Redekei
Oscilliatoria Agardhi
Chlorococcum infusionum mit Schwärmern
Schizomeris leibleini
Palmellen von unbestimmten Kleinalgen
Ulothrix zonata, einzelne Bruchstücke
Nostoc muscorum
Isocystis infusionum
Microthamnion Kützingianum
Algenkeimlinge
Microspora amoena

Diatomaceen:
Stauroneis phoenicenteron
Navicula recta
Navicula rynchocephala
Navicula sp.
Surirella ovalis
Nitzschia palea
Rhoicosphenia curvata
Gomphonema olivaceum
Cyclothella comensis

Rhizopoden:
Trinema acinus und verwandte Formen
Geococcus vulgaris Francé
Centropyxis sp., rostrot

Bodenpilze:
Cladosporium humifaciens
Actinomycetes sp. In verschieden Arten
Myxomycethes sp., verschiedene Arten und Sporen
Aspergillus terrestris mit Sporen
Aspergillus niger mit Sporen

Flagellaten:
Clamydomonas Snowiae mit Zoosporen

Ciliaten und Rotatorien:
als Sporen und Eier, Zysten
Ausserdem ein Trümmerwerk von Aplanosporen (Microspora stagnorum)
Pilzsporen (Alternaria)
Reste von Bacillaria paradoxa,
Micromonospora sp.

Bakterien:
meist in Platten und gemischten Zoogloen


nach Entwicklung solchen Material meist pH 7


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BeitragVerfasst: Mo 15. Mai 2017, 19:08 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1212
Da der Lebensbereich des Edaphons immer wieder einmal in den Luftschichten über der Erde liegt, ist die Anzahl der Zysten stets hoch.

"Die abgewehte oberste Bodenzone verliert durch Staubstürme unermessliche Massen von organischer Substanz, die in trockene Flöckchen zusammengeballt ist. Es wurde mikroskopisch festgestellt, dass in ihr folgende {in der Liste aufgeführte} humusbildende und fruchtbarkeitserzeugende Organismen enthalten sind."

"Zwischen den Flöckchen, an sie festgeklebt oder locker mit ihnen verbunden, befindet sich in eingetrocknetem Zustand ein .. reiches Bodenleben,"

"Man braucht solchen Aushagerungsmaterial nur zu befeuchten, um zu sehen, wie rasch es sich entwickelt und binnen kurzem jener wohltätig grüne Schimmer entsteht, den man als „Bodengare“ bezeichnet. Eine Probe schlechten und armen Bodens, auf die man es bringt, wird in kaum 14 Tagen nach allen Seiten hin durchwachsen und setzt mit kräftiger Humifizierung ein. Sehr bald stellt sich auch ein gut ausgewogenes Verhältnis zwischen den einzelnen Gruppen des Edaphons her, als sicherer Test für die Tatsache, dass es sich um bereits angepasste Bodenbesiedlung handelt."

Na, jetzt wird auch klar, warum Annie Francé-Harrar im Rohmaterial für den Kompost eine Portion "Kehricht" haben will (Kehricht = in manchen Gegenden Deutschlands und Österreichs: Staub, Schmutz).

Da ist mikroskopisches Leben in Form von Zysten und anderen Überdauerungsformen drin, die nur wieder aufgeweckt werden müssen und zwar in einem ausgewogenen Verhältnis = angepaßte Bodenbesiedelung.
(Das Edaphon auf Weltreise
http://stiftung-france.de/forum/viewtopic.php?f=8&t=479)

An die Kompostierungsfaulen:
"Es müsste vor allem auf ständige „Nachhumifizierung“ weit größerer Wert gelegt werden - schon darum, weil Humus eine weit stärkere Bindigkeit besitzt und weil seine Krümelstruktur nicht so leicht austrocknet - und weil die oberste Schicht des Edaphon ständig abgeweht wird" .. mehr oder weniger.

"jener wohltätig grüne Schimmer entsteht, den man als „Bodengare“ bezeichnet"

Nur wenige organisch-ökologisch arbeitende Urgesteine der Landwirtschaft wissen darum und können davon noch aus eigener Anschauung berichten.
Schon mal von den modernen Mikrobiologen der Landwirtschaft ein Wort über die Algen gehört??

Ja, wer zweimal liest nachdem er sorgfältig studiert hat ..


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