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BeitragVerfasst: Do 10. Mär 2011, 14:36 
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TAFEL 17 Durchschnittlicher Ackerboden vom Typ eines hellen Rendzinabodens, der als guter Weizenboden gilt.

Table 17 Average arable soil of the soil type Rendzina, which is considered a good wheat soil.

The good, since generations cultivated and fertilized arable soil.
The good arable soil.
Structure and Edaphon of a fertile wheat field.
A bright european rendzina soil, which has been regularly cultivated for years
and fertilized with various manure and mineral fertilizers.


Rendzina (soil classification system)
https://en.wikipedia.org/wiki/Rendzina
https://de.wikipedia.org/wiki/Rendzina

Bild
large/groß 2048×1445
Der gute, seit Generationen bearbeitete und gedüngte Ackerboden.

Struktur und Edaphon eines fruchtbaren Weizenfeldes. Ein heller, europäischer Rendzinaboden, der seit Jahren regelmässig bearbeitet und mit Stallmist und Mineraldünger gedüngt wurde.

Dazu Foto eines reifenden Weizenfeldes, das eine gute Ernte verspricht.

Bild

Um eine anschauliche Vergleichsmöglichkeit zu haben, ist es ratsam, sich dagegen nochmals den idealen Urwaldboden auf Tafel 1 zu betrachten.

Als erstes fällt der grosse Unterschied der Struktur zwischen beiden Böden auf. Dem Ackerboden fehlt stets die kapillare Gliederung, die auch in tiefere Schichten hinabreicht. Sie wird durch die Bodenbearbeitung nahezu völlig vernichtet. Auch eine noch so vorsichtige Behandlung mit Flachpflug, Scheibenpflug, fräsenartigen Eggen u. dergl. verwirft die Kapillaren und verwischt dadurch alle Elemente eines natürlichen Bodenaufbaus.

Nun entsteht aber jeder Bodenaufbau durch die Bedürfnisse des Edaphons, das sich – man kann sagen, von 5 zu 5 cm – nach den Erfordernissen eines optimalen Licht- und Luftgenusses sorgfältig Schichten übereinander legt, die normal die obere 30 cm, darüber hinaus mit einer wesentlich verminderten Arten- und Individuenzahl bis zu einem halben Meter Tiefe einnehmen. An den richtigen Platz zu gelangen, bedeutet für alle Teilnehmer des Bodenlebens eine bessere Existenz, eine bessere Fortpflanzung und eine bessere Leistung in der Humusentstehung, Humuserhaltung und Humusneuproduktion. Wenn also durch schwere Traktoren die oberen Bodenschichten ineinander gestampft und durch die Pflugschaufeln ausserdem noch umgewühlt werden, so entspricht das, vom Standpunkt der Organismen aus gesehen, etwa der Tätigkeit des bekannten Elefanten im bekannten Porzellanladen.

Es ist zwar richtig, dass durch landwirtschaftliche Vorbereitungsarbeit der Boden weitgehend gelockert wird. Aber das gilt nur für jene Zonen, die der direkten Wirkung der Geräte ausgesetzt sind. Das in ihnen viel zu schnell absickernde Regenwasser sammelt sich darum häufig zwischen der bearbeiteten und der unbearbeiteten Zone. Falls der Boden auch nur geringfügig lehmig oder tonig ist, so wird auch die Luftversorgung dadurch beeinträchtigt. An der Kontaktzone bilden sich dann leicht Nester von sog. „Bodenfäulnis“, die besonders den Baumwurzeln sehr schädlich werden können.

Jahrzehnte hindurch wurde und wird z.T. auch heute noch mit Stallmist, Jauche und ähnlichen Substanzen gedüngt. Das bedeutet eine enorme Zufuhr von polysaproben Bakterien und Mikroben. Wenn auch die grösseren Geobionten nach einiger Zeit verschwinden oder abwandern, so bleiben die viel resistenteren Bakterien doch an Ort und Stelle. Es handelt sich zumeist um bact. Mycoides, Bac. Coli, bact. Megatherium, Bac. Putrificus, um Bac. Subtilis, Bac. Proteus, Schwefelbakterien, Erreger von Tetanus etc. Es gehört zu ihren Lebensgewohnheiten, sich nicht nur ausserordentlich zu vermehren, sondern auch ausgedehnte Kolonien zu bilden, in denen sie unter dem Schutz gemeinsamer, dicker Kolloidhäute zusammenbleiben.

Mit dieser disharmonischen „Überbakterisierung“ ist begreiflicherweise eine Verstopfung der feinen Hohlräume des Bodens verbunden, die an Stelle der vernichteten Kapillaren treten. Sie funktionieren als regelrechte Luft- und Feuchtigkeitssysteme, sind aber durchaus regellos verstreut und werden bei der nächsten Umpflügung wieder aufgehoben. Sind sie aber allgemein von Bakterienkolonien ausgefüllt, dann entstehen aus ihnen Zentren der Verdichtung, die der Krumenbildung und damit den Feinwurzeln einen zähen Widerstand entgegensetzen.

Man schiebt diesen Zustand zumeist auf die sog. „Tonkolloide“, die man mit Kalkung, in anderen Ländern auch mit bodenauflockernden Substanzen (Krilium war z.B. ein solches, das vor einem Jahrzehnt in USA mit ungeheurer Propaganda auf den Markt geworfen wurde) bekämpft. Der Erfolg ist meist nur gering, weil man die eigentliche Ursache ja gar nicht erfasst. Denn echte Tonkolloide sind die Auswirkung eines bedenklichen Humusschwundes und vergehen von selber, sobald eine Anreicherung mit organischer Substanz erfolgt. Und die durch Mistdüngung hervorgerufenen lassen sich durch Auswechslung der polysaproben Biozönose gegen eine solche, die wenigstens mesosaprob ist, beheben.

Bei genauer Kontrolle finden sich auf Tafel 17 überall als winzige Punkte und Stäbchen solche Bakterienmengen eingezeichnet. Da die Bilder ja nach untersuchten Bodenproben entstanden sind, so möchte ich anführen, dass diese Bakterienmassen ihre Richtigkeit haben. Nur erfuhr ich auf Erkundigung beim Besitzer des Feldes, dass er keineswegs vor kurzer Zeit, sondern bereits vor 3 – 4 Jahren mit frischem Stallmist und Jauche den Boden gedüngt habe. Das bestätigte meine alte Erfahrung, dass sich eine solche Disharmonie des Bodenlebens oft erstaunlich lange erhält.

Durch die Bodenbearbeitung können sich selbstverständlich niemals dauernde mikrologische Lebenszonen bilden. Man findet infolgedessen in einem ständig bearbeiteten Boden auch nicht den Reichtum der obersten 5 cm an Mikro-Algen, weil sie immer wieder durch Regen und Ackergeräte nach unten geschwemmt oder geworfen werden. Das schränkt deren Vorkommen ein, weil ihnen die eigentliche Wachstumszone und Wachstumssicherheit mangelt. Besser steht es mit den unverwüstlichen Rhizopoden. Heleopera, Nebela, Trinema, Difflugia und zuweilen auch die schlüsselartig spitzgewölbte Sphenoderia sind meist vorhanden. Ausserdem Geococcus und Euglypha. Die kleinen, nackten Ackeramöben der A.limax und A.guttula-Gruppe sind oft unwahrscheinlich winzig. Von Kieselalgen ist für bebaute Böden eigentlich nur die Hatzschia amphyoxis typisch, dazu die Kleinformen von Navicula und Nitzschia. Und auch das nur, wenn der Kalkgehalt nicht gar zu überwiegend und auch einiges an Silikatverbindungen vorhanden ist.

Die überall herumliegenden Mineralsplitter sind nicht selten nur schlecht besiedelt. Dafür gibt es immer Cladosporium und Schimmelpilze nebst zahlreichen Pilzsporen. Mit Mist kommen immer Nematoden mit, die in diesem Fall – Rhabditis, Bunonema etc. – unersättliche Bakterienfresser sind. Bandwurmeier aus dem Darm der Rinder gibt es beinahe stets. Viele von ihnen werden übrigens während ihrer langen Entwicklungsfrist von ca. 80 – 90 Tagen von Bakterien aufgefressen. Vom Nannedaphon stösst man nur auf die ganz kleinen Erdformen. Flagellaten und Ciliaten findet man meist nur als Zysten. Es fehlt ihnen an Lebensraum, oft auch an Wasser. Sie überleben oft Jahre.

Bemerkenswert für den Bodenbiologen ist der hohe Prozentsatz an schlecht oder gar nicht aufgeschlossenen Abfällen. Bei chronisch überdüngten Böden beträgt er maximal 30 – 40 %. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, wie langsam die Humifizierung vor sich geht, sobald der Boden einmal mit Faulstoffen übersättigt ist.

Dementsprechend schwankt auch das pH. Es entspricht dem Durchschnitt, wenn man sagt, dass es sich zwischen pH 6,5 und pH 9 bewegt. Viele alte Ackerböden bringen es nicht mehr über pH 6. Hat man auf ihnen zu lange Kartoffeln angebaut, so werden sie, trotzdem ein leicht saurer Boden bei der Kartoffel durchaus kein Unglück ist, leicht „kartoffelmüde“. Dann bleibt nur der resistente Hafer übrig.

Man darf niemals vergessen, dass jeder bebaute Boden – Feld, Garten, Weinberg, Obstpflanzung – eigentlich ein Kunstboden ist und schon längst kein Naturboden mehr. Wir haben ihn für unsere auch schon lange entnatürlichten Kulturpflanzen zurecht gemacht. Darum ist er auch ständig so wie sie pflegebedürftig. Seine Reaktion auf Nährsalze ist „einseitig luxuriert“, denn er braucht für die verwöhnten und auch wieder einseitig beanspruchten und herangezüchteten Kulturgewächse nicht ein Optimum, sondern ein Maximum an Ernährung. Das wieder bedingt eine unausweichliche Bevorzugung von solchen Bodenorganismen, die sich auf solche Stoffe spezialisieren. Das sind in der Hauptsache Bakterien, auch die kleinen und sehr wenig empfindlichen Monaden, die in einer grossen Spanne von pH leben können. Es gibt keinen bearbeiteten Boden, in dem das Bodenleben sein natürliches Gleichgewicht bewahren könnte. Umsoweniger, als die viel empfindlicheren Protozoen die ständige Unruhe nicht vertragen, auch nicht die zeitweilige Entblössung der Bodenoberfläche bei der Vorbereitung der Saat. Aus hunderten von übereinstimmenden Untersuchungen in verschiedenen Kontinenten weiss ich, dass Ciliaten und Flagellaten, auch Rädertiere, in einem Kulturboden höchstens andeutungsweise vorhanden sind, ausser bei irgendeiner Fauldüngung durch Mist oder Kanalwasser. Dann sind sie selbstverständlich hoch polysaprob und eine unvermeidliche Erscheinung ihres Milieus. Darum kann man nur wünschen, dass sie möglichst schnell aussterben.

In Anbetracht dieser unleugbaren Tatsachen, die sich jedermann bei mikroskopischem Befund selber erwerben kann, besteht also eine biologische Bodenverbesserung von bebauten Böden in erster Linie darin, dass die fehlenden Edaphongruppen durch „gemachten“ Humus ersetzt werden. Damit wird das harmonische Gleichgewicht hergestellt. Es ist erstaunlich, wie schnell sich dann ein schon stark verdichteter oder mineralisierter Boden wieder humifiziert, und wie als Folge davon die Pflanzen besser gedeihen, eine grössere Ernte liefern und widerstandsfähiger gegen Parasiten sind. Das haben mir viele Atteste bewiesen und bestätigt.

Es braucht also der Bodenruin durch eine gesteigerte Landwirtschaft keineswegs unausweichlich zu sein. Man k a n n ihn ausgleichen, und ein verständiger Landwirt w i r d ihn ausgleichen. Denn wenn wir leider, nachdem die Humuswirtschaft erst ein paar Generationen alt ist, vieles für sie Wichtige noch nicht wissen – das eine wissen wir mit Sicherheit :

Alle Fruchtbarkeit beruht auf dem harmonischen Verhältnis
- von Stoffen (also chemisch),
- von Zuständen (also physikalisch) und
- von Organismen (also biologisch).


Das ist ein Axiom, das die Menschheit nicht ändern kann.

TAFEL 17 Der gute Ackerboden

Struktur und Edaphon eines fruchtbaren Weizenfeldes. Ein heller, europäischer Rendzinaboden, der seit Jahren regelmässig bearbeitet und mit Stallmist und Mineraldünger gedüngt wurde.

Durch die Bearbeitung verliert sich die ursprüngliche Kapillarstruktur weitgehend. Anstatt dessen bildet sich die sog. „Lebendverbauung der Krume“ heraus. Wie die meisten gepflegten Braunerden ist eine Humusquote von 5 – 6 % vorhanden, was durchschnittlich gute Ernten sichert. Die Detritusbildung ist gegenüber dem idealen Nährboden schwach und nur mikroskopisch festzustellen. Ungeheure Massen von Bodenbakterien, polysaprobe (durch die Düngung mit ammonikahaltigen Stoffen) und mesosaprobe gemischt. Dieses Übermass von Bakterien, die alle mehr oder weniger Kolloidmäntel besitzen und meist in Kolonien leben, beeinträchtigt die Durchlüftung des Bodens. Die herabgestimmte Durchlüftung und Beleuchtung, sowie die Düngung lässt die Bildung von lithobiontischen Mikroalgen nicht aufkommen. Infolgedessen sind die scharfkantigen Mineralsplitter viel zu wenig korrodiert, und es erfolgt sozusagen kein Humusersatz über den Umbau von Mineralien. Es gibt also nur einen NPK-chemischen Humusersatz aus schon organisch gewesenen Stoffen, in dem sich jedoch keine oligosaprobe Stufe mit reichlich Lüftung, sehr guter Kapillarbildung und einer Dominante assimilierender Bodenalge und ihrer Begleitflora und –fauna entwickeln kann.

Das Bodenleben ist unter solchen Umständen sehr lokal verschieden, oft höchst unstabil, mit stark wechselnden Dominanten und keinesfalls natürlichen Ausgleichen. Das biozönotische Zusammenleben der Organismen verändert sich von Meter zu Meter. Als Querschnitt kann angesehen werden:

Boden-Bakterien:
Alle Zellulose-, Kohlehydrat- und Eiweisszersetzer mit Kokken-, Stäbchen- und Keulenformen, teils beweglich, teils unbeweglich, oft in gewissen Bodenzonen durchwandernd.
Azotobacter chroococcum findet sich hauptsächlich in der Nähe sauerstoffspendender Grün- und Blaualgen.

Rhizopoden (beschalte Amöben):
Geococcus vulgaris France
Pseudochlamys patella
Difflugia globulosa
Difflugia urceolata, auch andere Difflugien
Heleopera petricola
Trinema enchelys und alle verwandten Formen
Nebela sp. Und alle verwandten Formen
Immer wieder auftauchende Lokalformen beschalter Amöben

Unbeschalte Amöben:
Vahlkampfia guttula
Vahlkampfia limax
Hyalodiscus guttula

Mikro-Algen:
Stichococcus bacillaris
Oscillatoria tenuis, auch polysaprobe Oscillatorien
Nostoc carnea var.
Lyngbya ochracea
Protococcus sp., überhaupt alle Kokkenformen

Diatomaceen (Kiesel-Algen):
Stark wechselnd, oft nur vereinzelt mit Navicula putrinus
Stauroneis phoenicenteron
Navicula atomus

Boden-Pilze und Hefen:
Cladosporium humifaciens in verschiedenen Formen,
Aspergillus terricola, lokal Schimmelpilze, Sporen von Monilia und Turolaceen, immer Fusarien und Parasiten als Sporen

Zysten von Protozoen und Rotatorien (Rotifer sp.),
Pilzsporen,
Nematodeneier,
Eier von Eingeweidewürmern

pH wechselnd 6,5 – 7,2


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BeitragVerfasst: Mo 6. Jun 2016, 21:18 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1212
So, da ich grad bei Pilzen bin, hab ich in der Aufzählung ein bißchen aufgeräumt:

Bodenpilze:
Cladosporium humifaciens in verschiedenen Formen
Aspergillus terricola
lokale Schimmelpilze
Hefen

Pilzsporen:
Monilia
Turolaceen = Torula (Latin name: Candida utilis; formerly Torulopsis utilis, Torula utilis) is a species of yeast.
Fusarien / Fusarium

Parasiten als Sporen (?)

Zysten von Protozoen und Rotatorien (Rotifer sp.),
Nematodeneier
Eier von Eingeweidewürmer


Was die Pilze betrifft:
Alles ABbauer von organischem Material - so man es denn auf dem Acker beläßt oder hinzufügt.

Das Vorhandensein von Mykorrhiza und Knöllchenbakterien hängt von der Pflanzenart ab.


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