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BeitragVerfasst: Di 29. Mär 2011, 08:59 
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TAFEL 23 Verbreitung des Bodenlebens durch Insekten

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I. Flügel der Stubenfliege mit Besiedlung
II. Fuß der Stubenfliege mit Besiedlung
III. Fügel der blauen Schmeißfliege mit Besiedelung
nach Studien von Francé

Dazu Foto von am Fenster krabbelnden Fliegen

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Unter den Begriff einer Biozönose, wenn auch im erweiterten Sinn, fällt auch die Verschleppung des Edaphons durch Tiere. Praktisch kommt eigentlich die ganze Fauna dafür in Betracht. In Pelzen, Federn und auch Amphibienhäuten wird ein Großteil des Bodenlebens, besonders die in die Luft gewirbelten, über die ganze Erde verstreut. Dass es tatsächlich nur Ubiquisten enthält, die sich in allen Kontinenten finden, liegt nicht nur an Wind, Regen, Schnee und Eis, sondern weitgehend auch an den Tieren, die ja ständig auf ihren Wanderungen unterwegs sind. Ein besonderes Kapitel nimmt allerdings auch der Mensch ein, vor allem durch seine Verkehrsmittel, die jede Entfernung in Stunden überwinden. Und das vielleicht umfassendste stellen die Heere der Insekten, von denen man mit Recht sagen kann, dass sie nicht nur den Blüten als Befruchter, sondern nicht weniger den Mikroben als unermüdlicher Aussäer dienen.

Tafel 23 zeigt links den Flügel einer Stubenfliege (Musca domestica) und rechts den Flügel einer blauen Schmeissfliege (Calliphora sp.). Beide sind seit Jahrtausenden zum Lebenskreis des Menschen zugehörig und mit ihm in alle Erdteile ausgewandert. Ursprünglich sind sie zwar Europäer, aber sie haben sich so wie die weisse Rasse an beinahe alle Klimata ausser dem arktischen gewöhnt. In USA und bei uns sind beide gehasst und werden als Träger vieler Ansteckungen verfolgt. Anderswo ist man gleichgültig gegen sie und kümmert sich wenig um ihr Vorhandensein. Vorhanden sind sie aber in allen fünf Erdteilen, auf Schiffen, in Flugzeugen und Autos und an sämtlichen Frachten, die wie immer von einem Land in das andere befördert werden.

Speziell die Fliegen haben sich auf gewisse Lebensräume eingerichtet. Es gibt welche, wie alle Dung- und Mistfliegen, die Müll und Stallmist niemals verlassen. Andere sind als Blutsauger auf die Opfer, von denen sie ihre Nahrung beziehen, angewiesen. Die Stubenfliege ist ein Allesfresser, worunter man zu verstehen hat, dass sie nur zu sich nehmen kann, was sich durch ihren Speichel auflösen lässt. Das saugt sie mit Hilfe ihres langen, aufrollbaren Rüssels wieder auf. Sie ist an den Menschen gewöhnt, kennt ganz zweifellos seine Gewohnheiten und verdankt ihm dadurch eine Verbreitung, die sie ohne ihn schwerlich hätte erreichen können.

An Flügeln, Rüssel und Füssen schleppt sie unfreiwillig das ganze Sammelsurium der essbaren und nicht essbaren Dinge mit sich herum, die sie in Wohnung und Ställen des Menschen findet. Wüsste man nichts von seiner Lebensweise, so würde es genügen, die von der Hausfliege vertragenen Mikroben zu einer Liste zusammenzustellen. Man könnte ziemlich restlos daraus erfahren, wie sich der Homo sapiens ernährt, was er anzieht und was er als Abfall wegwirft.

Es ist wahrscheinlich, dass speziell die Stubenfliege von Haus aus nicht darauf eingerichtet war, so viel an Transporten zu bewältigen, als sie nun gezwungen ist. Sie ist an sich ein schlechter Flieger - das macht sie auch so schutzbedürftig und "anhänglich" -, und empfindet die Belastung zweifellos als etwas Ungehöriges und Lästiges. Sonst würde sie sich nicht ununterbrochen in einen Winkel setzen und dort versuchen, sich zu reinigen. Man sehe sich nur einmal den Fuss auf dem Bild an, der ganze Klumpen von Bakterien, Sarcinen und Monaden an sich kleben hat. Da alle diese Keime von mehr oder weniger dicken Kolloidhäuten umgeben sind, gelingt es der Fliege kaum jemals, sie vollständig abzustreifen. Dasselbe gilt für die Flügel. Öltropfen und Russflocken, auch kleine Mineralsplitter, Textilfasern, Haare und Spuren von Glas oder Porzellan belasten sie. Dazu pflanzliche Reste, Sporen, Zysten. Es gibt aber auch Kolonien von Bakterien, Myzelien, ausgewachsenen Amöben, Flagellaten, Diatomeen und grüne Algenketten. Das alles findet Halt an den starken Flügeladern und verankert sich am Saum, ob er nun behaart ist oder nicht.

Durch das Schwirren beim Flug, durch Putzen und jede Art von Luftzug sät die Stubenfliege also ständig Leben aus. Ebenso ständig nimmt sie auch neues Leben wieder auf. Stets fängt sie auch die Sporen des tödlichen parasitischen Fliegenpilzes auf, der Empusa muscae heisst und sie am Sommerende zu vielen Tausenden tötet, nachdem er zunächst ihren ganzen Körper mit einem silbrigen Hyphengespinst durchwuchert hat, das dann nach dem Tode aus ihm wie ein mörderischer Heiligenschein ausbricht.

Etwas anderes ist es mit der Calliophora, die jede Art von Fäulnis besucht und sich dort ihre Mitbewohner holt. Hier geht es selten ohne grosse Kolonien von Staphylococcen ab, und das ist noch nicht das schlimmste. Klumpen faulender Reste hängen an ihr. Wenn sie Einrisse am Flügelrand hat - und sie ist ein sehr unvorsichtiger, wilder Flieger -, so spriessen daraus Bündel von Schimmelpilzen. In dem schwarzen Haarnetz, das viele ihresgleichen über die ganze Flügelfläche gespannt haben, bleibt alles haften, was sie von den unsauberen Orten, die sie bevorzugt, wegträgt. Sie ist eine wirkliche Gefahr für Mensch, Tier und Kulturpflanze, denn im Laufe eines Sommers gibt es nur wenige Infektionskeime, die man nicht auf ihr finden kann. Freilich ist es nichts anderes, als was man auch auf jedem Schweinerüssel oder auf jedem Kuhschwanz entdecken könnte. Auch sie sind Träger und Verbreiter pathogener Parasiten, nicht nur ihrer eigenen, sondern auch die von anderen. Aber eine Schmeissfliege ist unberechenbar und bleibt nicht im Stall oder am Rand der Jauchepfütze. Und es ist nicht zu leugnen, dass zu der enormen Ausbreitung von giftigen Fäulnisorganismen auch die Unmengen von Fäulnisfliegen und gewissen Hautflüglern beitragen, die mit Viehhaltung und schlechter Müllverwertung untrennbar verbunden sind. Und wenn wir über Viren und ihre Gefahren leider auch noch lange nicht genug wissen, so muss man doch die Fliegenübertragung auch für sie mit einbeziehen. Es ist eine Aufgabe der Zukunft, sich genau darüber zu informieren, ob es auch bei Insekten dieser Art Viruserkrankungen gibt, oder ob sie nur immune Überträger sind. Auch hier fehlen uns die Zusammenhänge und viele Tatsachenkenntnisse.

Andererseits muss man allen fliegenden Insekten, ob sie nun Blumenbefruchter oder Unratbewohner sind, zugute halten, dass sie wirklich zu allen geeigneten Jahreszeiten die Verbreitung des Edaphons fördern. Dass sie ausserdem die Bewohner der Städte und des Landes belästigen und gefährden, fällt nicht zuletzt diesen zur Last, denn sie sind es ja, die so ungeheure Massen von geradezu scheusslichen Abfällen schaffen und nicht für ihre Humifizierung sorgen. Geschähe das in genügendem Ausmass und in kürzester Zeit, so würde das das Leben der Schmeissfliegen sehr stark einschränken. Und auch sie würden, so wie wahrscheinlich ehedem, gleich dem Staub (*) nur nützliche Mikroben von Ort zu Ort bringen. Und damit würden sie zu den Faktoren der irdischen Fruchtbarkeit gehören, deren es in allen Lebenszonen so viele und so unentbehrliche gibt.

TAFEL 23 Auch die Insekten verbreiten das Bodenleben.

Dargestellt sind I und II Flügel und Fuss einer Stubenfliege, III Flügel einer blauen Schmeissfliege mit dem jeweils für sie charakteristischen "biologischen Belag".

I. Flügel der Stubenfliege (Musca domestica)

fremde Epithelzelle
Rädertierei
6 Öltropfen
4 verschiedene Spuren von Detritus
2 Feldspatsplitter
4 andere Mineralpartikel
Pflanzenzelle
Geweberest
Korn von Weizenstärke
4 Russflocken
Dornhaar
blauer Farbpartikel
4 Pakete von Zellen von Sarcina paludosa
5 Saccharomyces, unterschiedlich
8 verschiedene Pilzsporen
6 teils unbekannte Zysten
4 Bruchstücke von Actinomyces sp.
1 Hyphe von Cladosporium sp.
1 Reisstärkekorn (Bruchstück)
2 verschiedene Navicula sp., lebend
1 Bodo sp.
2 Miniatur-Rhizopoden
1 Nacktamöbe, unbekannt
5 Bakterienkolonien, verschieden
5 Nostoczellen
3 autochthone Microflora

II. Fuss der Stubenfliege:

2 grosse Detritusklumpen an den Haftballen
9 verschiedene hyaline Sporen
6 Merismopoedia sp.
10 Bakterienkolonien an Haaren und Tarsen

III. Flügel der blauen Schmeissfliege (Calliophora sp.)

Difflugia globulosa
Zyste von Thecamoeba verrucosa
Algenzyste grün
Algenmacrogamete rot
Zyste gelb, unbekannt
2 Fäden von Oscillatoria, wahrscheinlich O. tenuis Ciliatenei
5 Nostoczellen
autochthone Microflora, 5 verschiedene Gruppen
Cladosporium sp.
Aspergillus sp., als Myzelbüschel keimend

Sporen:
Neutrospora sitophila
Citromyces
Doppelsporen mit Partikeln
6 braune ovale Sporen
2 braune runde Sporen
3 hyaline Sporen
1 keimende Spore
Detritus in grossen Klumpen
3 Bakterienkolonien, ausserdem in der Verschmutzung der Flügelrandhaare
9 Öltropfen
4 Stärkekörner
12 blaue Farbpartikel
4 Kalkkristalle
Kalksplitter

pH wechselnd


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BeitragVerfasst: Mo 20. Nov 2017, 10:32 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1215
(*) Nebenbemerkung:

"sie würden, so wie wahrscheinlich ehedem, gleich dem Staub nur nützliche Mikroben von Ort zu Ort bringen"

Staub (manchmal auch "Kehricht" genannt) taucht des öfteren in den Werken der Francé auf, auch als Bestandteil der Rohmaterialien für den Impfziegel, Edaphon-Kompost, Humus (siehe hier im Forum).

Jetzt ist aber klar, daß, wie an anderer Stelle schon gesagt, der Staub/Kehricht für das Luft-EDAPHON steht, das zu 30% sich in ständigem Flug um die Erde befindet (siehe a.a. Stelle hier im Forum) und die Mikroorganismen entweder in lebendiger oder Überdauerungsform (Zysten, Eier usw.) enthält.

Staub als Ressource und Reserve von weltweiter Edaphon-Diversität, wenn sie vor Ort nicht (z.B. im Boden) vorhanden ist.


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BeitragVerfasst: Mo 27. Nov 2017, 09:03 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1215
"Breaking News" (was sonst?) von heute:

Hijacking house-flies to monitor disease outbreaks.

https://newatlas.com/house-fly-bacteria ... eak/52348/

"The bacteria-carrying capacity of flies may be worse than we thought, but new research suggests it could be harnessed for a positive use."

"We've long known that the common housefly can spread a number of diseases, but a new study has just revealed that we may have underestimated the volume, and breadth, of bacteria that these annoying insects can transmit."

"They pick up the microbiome on their feet, spread them across their wings in a similar way like how we might comb our hair, and then proceed to disperse them on surfaces that they land on."

Wenn das Francé noch erfahren hätte ..
Sein Edaphon war mehr als das "microbiome".
Demnächst mehr aus seinen Studienbüchern über "Insekten verbreiten Edaphon"

"The bacteria-carrying capacity of flies may be worse than we thought, but new research suggests it could be harnessed for a positive use."

Tja, dank Francé wissen wir, die Fliege kann noch viel mehr "positive use".

"After separating out all the genetic data that corresponded with the fly's own chromosomes and symbiotic bacteria, the remaining DNA and RNA was sorted against a database of all known bacteria."

"The study frighteningly found that flies have the capacity to carry, and spread, hundreds of different bacteria, some linked to human diseases."

Immer dasselbe mit den faktenverengenden Laborwissenschaftlern, ständig einseitige "Erkenntnisse".

Nun ja, hätten sie mal auch mehr als Bakterien studiert, dann hätten wir auch noch über das Edaphon auf der Fliege mit denn heutigen DNA-Methoden was erfahren.

"lab-reared flies could be successfully bred to be germ-free and released into the environment to act as bacterial surveillance drones"

Die Fliege eine "autonomous bionic drone"

So kann man ein lebendiges Wesen zu einer bloßen seelenlosen Maschine herabreden und sie und uns selber von der Natur entfremden in die wir uns lt. Francé durch Erkenntnis einfügen sollten.


Hier eine weniger brutale Methode:

World's smallest tape recorder is built from microbes

Engineered E. coli recruited as the world's smallest data recorders
https://newatlas.com/microbe-data-recorder/52336/

"the technique wouldn't just be limited to the human microbiome, as these spies could help check waterways or other environments for pathogens."


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